Pflegeleicht soll es sein

Tag des Friedhofs informiert über Bestattungsformen und neue Konzepte

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Kreuz

Der Friedhof gilt in erster Linie als Ort der Trauer und des Abschieds, darüber hinaus aber auch als Ort der Begegnung, der Hoffnung und sogar des Neuanfangs.

Langen – Beim Tag des Friedhofs bieten die Kommunalen Betriebe Langen (KBL) die Möglichkeit, das Konzept des Orts der letzten Ruhestätte von einer anderen Seite zu betrachten.

„Friedhof ist schon lange nicht mehr nur das, was es früher einmal war“, sagt dazu Ralf Krupka, Abteilungsleiter der Langener Friedhofsverwaltung. Nach wie vor sei er natürlich die letzte Ruhestätte von Verstorbenen, dennoch sei das Angebot viel individueller und vielfältiger geworden. „Wir wollen mit unserer Veranstaltung zeigen, welche Angebote und Möglichkeiten es rund um das Thema Trauer sowie Bestattung gibt.“

So stellen Pietäten und Steinmetze aus der Umgebung aus und beraten Interessierte über ihr Angebot. Auch Frederike Geppert und Christel Grimm informieren über ihr monatlich stattfindendes Trauercafé im Katharina-von-Bora-Haus. „Unser Trauercafé ist ein offenes Angebot“, erzählt Geppert. „Die Trauer hat verschiedene Phasen und manche Menschen haben das Bedürfnis, eine oder mehrere dieser Phasen nicht alleine zu durchleben.“ Das Trauercafé biete einmal im Monat die Möglichkeit, für zwei Stunden zusammen zu kommen.

Doch nicht nur Trauer ist ein Thema beim Tag des Friedhofs, sondern auch die verschiedenartigen Formen der Bestattung. Der derzeitige Trend gehe hin zu pflegeleichteren Gräbern, meint Krupka. „Die Menschen ziehen für Studium oder Job weiter weg und sind nicht mehr in der Lage, die Gräber ihrer Angehörigen derart zu pflegen, wie es früher gang und gäbe war“, sagt der Abteilungsleiter. Die Stadt biete deshalb eine Vielzahl an Bestattungsformen an, von denen die meisten gar nichts wissen. „Wir beraten und versuchen natürlich, die bestmögliche Lösung für jeden Einzelnen zu finden.“

Einen Blick auf andere Friedhöfe und Bestattungsformen wirft Constanze Petrow in ihrem Vortrag. Die Landschaftsarchitektin ist Professorin für Freiraumplanung an der Universität Geisenheim. Als öffentlicher Raum nimmt auch der Friedhof einen nicht unerheblichen Teil ihrer Forschung und Arbeit ein. „Die Gestaltung von Friedhöfen ist eine Herausforderung, derer sich die Kommunen angenommen haben“, sagt Petrow. Die zunehmende Individualisierung und Multikulturalität nennt sie als Trends, die es bundesweit in Sachen Gestaltung und Pflege von Friedhöfen zu beobachten gilt.

Auch Petrow betont, dass pflegeleichtere Gräber beliebter werden. Sie merkt jedoch an, dass diese nicht nur der Wunsch der Angehörigen sei. „Natürlich ist wegen einer gewissen geografischen Entfernung oft nicht die Möglichkeit gegeben, sich der Grabpflege der Angehörigen intensiv anzunehmen. Dennoch wollen gerade Jüngere mit der Pflege einer Ruhestätte auch Trauerarbeit leisten“, erzählt Petrow. Viele ältere Menschen vergessen diesen Punkt in ihrer Planung, wenn es um die Bestattung geht. „Die Älteren wollen den Jüngeren nicht zur Last fallen. Wie ihre Angehörigen das sehen, wird aber oft nicht berücksichtigt“, meint die Professorin.

Aus diesem Grund habe man sich vielerorts das Ziel gesetzt, auf die individuellen Wünsche der Bestattung einzugehen. Es gebe Pilotprojekte, die das Konzept des Friedhofs völlig neu auslegen. „Zum Beispiel Friedhöfe, die als Nachbarschaftsparks angelegt sind oder auf denen ein Café zu finden ist“, zählt Petrow auf. Es gebe individuelle Angebote für verschiedene Generationen und Altersklassen. „Der Ort muss kommunikativer gestaltet werden“, betont die Expertin.

Kommunikativ geht es beim Tag des Friedhofs in jedem Fall zu. So gibt Kulturpreisträger Gerd Grein einen besonderen Einblick in das Friedhofsgeschehen. In zwei Rundgängen erzählt der Heimatkundler nicht nur Geschichtliches zum Langener Friedhof, sondern gibt auch amüsante Anekdoten zum Besten – eben damit die Besucher den Friedhof aus einer neuen Perspektive erleben.

VON JULIA LOTZ

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