Mit Mädchen und Musik fing es an

Gareth Tynan ist ein Künstler mit der Kamera

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Im Sommer ist die Burg Hayn sein zweites Zuhause: Art-People-Gründungsmitglied und Dokumentar Gareth Tynan ist seit 2010 eingeladener Fotograf der Burgfestspiele Dreieich.

Langen - Sie sorgen seit Jahren dafür, dass Langen als kreativer und bunter als andere Städte gelten darf: die Künstler der Gruppe Art People. In unserer Sommerserie stellen wir die Art People und ihre Kunst in Porträts vor. Von Sina Beck 

Folge eins widmet sich Gründungsmitglied Gareth Tynan und erzählt, wie ein reiselustiger Kartograf und Engländer zum begeisterten Konzertfotografen und Langener wurde. Dort, wo der berühmte Schriftsteller und Sherlock Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle bis zu seinem Tod lebte, wurde er geboren. Und tatsächlich liegt auch ihm die Kunst in den Genen. Aber als gelernter Kartograph waren seine Zeichnungen wenig musisch, sondern dienten der Erfassung raumbezogener Daten. Bei diesen praktischen Veranlagungen scheint es nur natürlich, dass Gareth Tynan der Dokumentar der Art People geworden ist.

Zugegeben, mit Kreativität hat das Berufsbild des in Crowborough geborenen Engländers erstmal wenig zu tun. Dafür hat ihn sein Job als kartografischer Vermesser, so die offizielle Bezeichnung, schon früh nach Deutschland – und um die ganze Welt – gebracht. London, Dubai, Hongkong, Los Angeles waren nur einige von Tynans Stationen, der nach seiner Ausbildung beim Vermessungsamt in South Hampton schon mit 20 Jahren Beamter wurde. „Damit hatte ich bereits vor der Volljährigkeit alle Rechte – und Pflichten“, erinnert sich Tynan schmunzelnd. Dass er seine berufliche Erfüllung nicht in einem Büro finden würde, war dem Reiselustigen schon früh klar. Und die Kamera war immer im Gepäck des Weltenbummlers dabei – nicht ausschließlich des Berufs wegen.

Die Dokumentationsfotografie, vorwiegend durch Luftbilder, war Teil seiner Arbeitswelt. Heute ist Tynan mit Leidenschaft dabei, die Leidenschaften anderer festzuhalten: „Ich mache Darstellungen von darstellender Kunst“, beschreibt er sein künstlerisches Tätigkeitsfeld. Denn seit 2010 hat der – inzwischen – Rentner endlich Zeit, zu fotografieren. Lange hat es gedauert, wenn man bedenkt, dass er sich 1968, im Alter von 17 Jahren, seine erste Kamera gekauft hat. Warum, weiß Tynan noch genau: „Mein Vater hatte eine schöne, alte Kamera, von der ich die Bilder gesehen habe. Die haben mich fasziniert.“ Musische Tendenzen liegen in der Familie: Seine Mutter hat gemalt, sein jüngerer Bruder fotografiert ebenfalls, seine jüngere Schwester ist Kunsttherapeutin.

Man muss also nicht lange suchen, um den Ursprung seiner Interessen – Kunst, Musik, Performance – zu finden. 1971 hat Tynan sein erstes Konzert fotografiert, „auch wenn die Motive meist junge Mädels waren“, lacht er offenherzig. Nicht per se die Mädchen, aber die Musikveranstaltungen sind eines seiner Steckenpferde geworden. „Landschaftsbilder sind schön, aber nicht meine Sache“, gesteht Tynan. So ist er besser aufgehoben als offizieller Fotograf für das Langener Café Beans, ebenso für die Ärzte Charity Rockband „The Lickin‘ Boyz“ oder die Sängerin Nina Rose. Bereits seit 2010 ist er als eingeladener Fotograf der Burgfestspiele im Sommer regelmäßig in Dreieichenhain anzutreffen.

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Ungeachtet dessen ist es dem weiblichen Geschlecht zu verdanken, dass Tynan hierzulande Wurzeln geschlagen hat. Und seiner Lebensphilosophie: „Man geht nie zurück, man geht nur vorwärts.“ Wegen einer Frau kam er damals nach Deutschland und ist gemäß seinem Motto nach der Trennung nicht nach England zurückgekehrt, sondern im Kreis Offenbach geblieben. Nach Langen ist der Fotograf mit seiner späteren Frau Brigitte Grausam-Tynan gezogen.

Das ist inzwischen 25 Jahre her, aber wie sich das Künstlerpaar seinerzeit kennenlernte, wird Tynan wohl nie vergessen. Alles begann mit einer denkwürdigen Zurechtweisung. „Wir haben in der gleichen Firma gearbeitet und sie hat eines Tages meine Teekanne mit Seife ausgewaschen. Das geht gar nicht!“, erzählt er. Das Zusammenstauchen tat ihm im Nachhinein leid, doch es vergingen einige Wochen, bis er Brigitte wiedersah hat. Zufällig traf er sie an der Bushaltestelle, entschuldigte sich und sie kamen ins Gespräch. Keine typische Liebesgeschichte, aber eine mit Happy End.

Das Künstlerpaar hat die Art People mitbegründet, das Logo der Gruppe war sogar Tynans Idee. Seitdem ist er der Dokumentar des „Haufens“, stellt als Künstler selbst seine Werke aus und kann seiner Leidenschaft frönen: „Es ist eine tolle Möglichkeit, verschiedene Kunst zusammenzubringen.“ Der Fotograf ist längst nicht nur auf Musikperformances spezialisiert. Kunstprojekte und Vernissagen, persönliche Einblicke ins Atelier oder Theatervorstellungen gehören zu seinem Repertoire. Trotzdem ist es gerade der Kontakt zu Musikern, der den Engländer aufblühen lässt. „Ich bin gerne unter Menschen und mit den Bands habe ich immer viel Spaß“, sagt Tynan. „Früher war ich berufsbedingt oft alleine unterwegs. Heute ist es eine ganz andere Welt.“ Und in dieser Welt ist der sympathische Fotograf sichtlich gut aufgehoben.

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