Interview

Hartnäckige Gerüchte über Bauarbeiten für Einkaufszentrum neben dem Alpha-Hochhause

Feuerwehrzufahrt: Am künftigen Parkhaus (derzeit noch im Rohbau) des Einkaufszentrums entlang führt eine der Feuerwehrzufahrten für das Alpha-Hochhaus. Foto: Strohfeldt
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Feuerwehrzufahrt: Am künftigen Parkhaus (derzeit noch im Rohbau) des Einkaufszentrums entlang führt eine der Feuerwehrzufahrten für das Alpha-Hochhaus.

In Wahlkampfzeiten werden leider oftmals Behauptungen aufgestellt, die es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nehmen oder schlichtweg falsch sind. Meist bleibt das unwidersprochen, damit keine end- (und oft frucht-)lose Diskussion entsteht.

Langen –  Wenn aber wiederholt der Eindruck vermittelt wird, die Stadt habe wissentlich Entscheidungen getroffen, die Leib und Leben mehrerer hundert Bürger bedrohen, sieht sich die Verwaltung nun doch zu einer Richtigstellung veranlasst. Ein Gespräch mit Carsten Weise, Leiter des Fachbereichs Dienste für Einwohner und Stadt, über das Alpha-Hochhaus und die Bauarbeiten für ein Einkaufszentrum an der Liebigstraße.

Herr Weise, im Wahlkampf behauptet die Kandidatin Stephanie Tsomakaeva, die Stadt habe geflissentlich Vorschriften der Bauordnung außen vorgelassen, um die Interessen der Bauherren gegen die der Bürger zu schützen.

Das ist kompletter Unsinn. Wenn man Unwahrheiten ständig wiederholt, werden sie dadurch auch nicht wahr. Nachdem die Vorwürfe bei Baubeginn laut geworden sind, hat sich bei der Kreisverwaltung ein Riesenkreis getroffen mit allen, die auch nur ganz entfernt mit dem Brandschutz zu tun haben und nichts, aber auch gar nichts gefunden, was irgendwie nicht korrekt wäre. Die Dame, die diese haltlosen Vorwürfe immer wieder erneuert, sollte sich erst einmal informieren, wie Bauen in Deutschland funktioniert.

Und wie funktioniert es bei solchen Projekten?

Die Stadt stellt einen Bebauungsplanentwurf auf, der dann von mehr als 30 übergeordneten Stellen und Trägern öffentlicher Belange geprüft wird. Und dieser Plan stellt fest, was gebaut werden darf und in welchem Umfang – auf Grundlage der entsprechenden Verordnungen.

Das ist aber erst der erste Schritt ...

Ja, es folgt der Bauantrag, der für jedes einzelne Gebäude gestellt werden muss. Und der wird beim Kreis Offenbach bearbeitet und genehmigt. Ganz besonders werden dort die Brandschutzbelange geprüft – und aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass die Fachleute dort das ganz akribisch abarbeiten. Der Bürgermeister und die Stadtverwaltung haben damit gar nichts zu tun.

Tsomakaeva behauptet ja auch, die Stadt habe sich nicht um die Sorgen der Bewohner des Alpha-Hochhauses gekümmert.

Es gab mindestens fünf Vor-Ort-Termine, der Bürgermeister war dort und die Feuerwehr hat zweimal geprüft, ob die Umfahrung des Hauses möglich ist.

Und, ist sie möglich?

Ja, sie ist es – im Gegensatz übrigens zur Zeit vor den Bauarbeiten, als von der Eigentümergemeinschaft aufgestellte Beton-Blumenkübel ein Umfahren des Hauses unmöglich gemacht haben.

Das wäre dann ja früher ein Problem für die Feuerwehr gewesen?

Nein, denn um es klar zu sagen: Die Feuerwehr braucht nicht unbedingt eine Umfahrt, sondern nur eine Zufahrt. Und Aufstellplätze für die Fahrzeuge und Gerätschaften. Die wurden für die Zeit der Bauarbeiten leicht verschoben, sind aber ausreichend vorhanden.

Wie würde im Brandfall vorgegangen?

Bei Hochhäusern gibt es bei einem Feuer gar keine „Anleiterung“, also keine Rettung von außen. Vielmehr gibt es andere Rettungsmöglichkeiten wie feuerfeste Fluchtwege, die baulich als eigenständige Bauwerke konzipiert sind, damit keine Flammen überschlagen können.

Und wohin begeben sich die Bewohner nach einer Evakuierung?

Es gibt einen Sammelplatz, aber das muss das Haus – also die Verwaltung und die Eigentümergemeinschaft – selbst regeln. Platz ist dort vorhanden. Und im Brandfall laufen ja sowieso alle Leute vom Feuer weg.

Es wird auch der Vorwurf erhoben, dass keine einzige Eingabe von Bürgern und Organisationen, kein einziger Verbesserungsvorschlag zum Bauantrag berücksichtigt worden sei. Das sei keine Bürgerbeteiligung, sondern ein Bürgerplazebo ...

Das ist auch keine Bürgerbeteiligung, in der Wünsche geäußert werden können. Da wird nicht darüber abgestimmt, ob und was der Nachbar auf seinem Grundstück bauen darf. Dazu haben wir in Deutschland unzählige Bauvorschriften, was ich übrigens für ganz hervorragend halte, weil wir als Stadt, aber auch die Bauherren Rechtssicherheit brauchen. Es geht bei der Offenlegung des Bebauungsplanentwurfs einzig darum, ob rechtlich bindende Vorschriften missachtet wurden. Das wird dann geprüft. Wir haben auch einige Eingaben aufgenommen, aber die meisten waren eben persönliche Meinungsäußerungen. Noch mal: Das ist keine Abstimmung der Nachbarschaft über ein Bauvorhaben. Wenn wir darauf eingehen würden, wäre das Willkür – also genau das, was uns jetzt vorgeworfen wird.

Das Interview führte Markus Schaible

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