Prozess

Nach Hammer-Attacke auf Ehefrau: Familienvater verurteilt

Am Landgericht Darmstadt wurde ein 52-jähriger Mann nach dem Angriff auf seine Frau mit einem Hammer verurteilt (Archivbild). 31.03.2019: Figur der Justitia auf dem Landgericht Darmstadt
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Am Landgericht Darmstadt wurde ein 52-jähriger Mann nach dem Angriff auf seine Frau mit einem Hammer verurteilt (Archivbild).

Nach dem Hammer-Angriff in Langen ist nun der Prozess beendet. Das Urteil gegen den 52-jährigen Ehemann des Opfers ist gefallen.

Langen – Glimpflich davon gekommen ist ein 52-jähriger Hainburger vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt. Der ursprünglich wegen versuchten Mordes an seiner Langener Frau angeklagte Familienvater wurde zu fünf Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Entscheidend für den Schwenk des Gerichts war letztendlich die Tatsache, dass der Angeklagte im Laufe seines Angriffs den Holzhammer ablegte und nicht weiter zuschlug – er brauchte die Hände, um ihre Gegenwehr zu überwältigen. Die Frau konnte sich nach dem Hammer-Angriff befreien und rannte aus ihrer Wohnung in Langen. Der Täter nahm noch ihr Mobiltelefon und flüchtete. Vor allem den Umstand des Hammerweglegens wertet die Kammer als Rücktritt vom Tötungsvorsatz, der eindeutig bestand – deshalb „nur“ Körperverletzung.

Prozess in Darmstadt: Staatsanwältin spricht von Todesdrohungen gegen das Opfer

Staatsanwältin Eva Heid ist anderer Meinung: „Seine Frau hatte sich getrennt. Es gab Todesdrohungen im Vorfeld. Er lauerte ihr heimtückisch im Flur auf und schlug ihr mit voller Wucht auf den Kopf. Womit er wohl nicht gerechnet hatte, war ihre massive Gegenwehr!“ Heid fordert neun Jahre wegen versuchtem Mord und Raub des Handys. Das dominierende Motiv, die Einstellung „wenn nicht ich, dann kriegt Dich keiner“, sei eindeutig ein niedriges.

„Sein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hat ihn schwer gekränkt. Er hat ihr das Lebensrecht abgesprochen, weil sie nicht mehr mit ihm zusammen sein will!“, so die Staatsanwältin. Verminderte Schuldfähigkeit sei bei dem Mann laut psychiatrischem Sachverständigen ohnehin kein Thema, wurde auch von der Kammer nicht angenommen.

Prozess nach Hammer-Angriff in Langen: Anwalt der Frau fordert Schmerzensgeld

Der Nebenklagevertreter Fahim Qayumi beantragt 20 .000 Euro Schmerzensgeld für seine Mandantin. Dies sei nicht nur für die Hammer-Schläge auf den Kopf, bei denen sie zwei Quetsch-Risswunden davontrug. Auch in den 13 Jahren vor der Tat hätte sie immer wieder Tyrannei, Erniedrigungen und Verletzungen erlebt. „Er hat sie als seinen Besitz betrachtet, ihr keinerlei Rechte zugestanden. Deshalb wollte er auch mit ihr zurück nach Pakistan gehen, wo sie als Frau keine Chance auf eine Scheidung gehabt hätte“, behauptet der Anwalt.

Der 18 Jahre ältere Angeklagte sei stets betrunken nach Hause gekommen und habe dann sein Recht als Ehemann eingefordert, oft mit Zwang. Qayumi kennt seine Mandantin schon mehrere Jahre, vertrat sie bereits bei einer Wegweisungsverfügung gegen den Ehemann.

Angriff in Langen: Holzhammer lag bei Arbeitsutensilien des Kochs

Der gelernte Koch hatte sich eine Woche nach der Tat selbst gestellt, sitzt seit neun Monaten in Untersuchungshaft. Er wird wahrscheinlich nach Absitzen der Halbstrafe in seine Heimat abgeschoben. Seine Version der Geschichte ist eine komplett andere. Er sei fast täglich in der Langener Wohnung gewesen, um seine vier Kinder zu sehen und um für Gesellschaften zu kochen.

Am 11. September 2020 wollte er gerade wieder gehen, als seine Frau zur Tür hereinkam und Streit anfing. „Sie hat mich nicht gelassen. Sie umklammerte mich. Deshalb hab ich den Holzhammer genommen und ihr leicht auf den Kopf geschlagen, damit sie mich loslässt!“ Es gab eine Rangelei, dann sei sie herausgelaufen, er habe nur noch ihr Kleid in der Hand gehalten. Der Hammer habe bereitgelegen, weil er an dem Tag seine Kochutensilien habe mitnehmen wollen.

Entsprechend fordert der Verteidiger für den nicht Vorbestraften lediglich ein Jahr Haft auf Bewährung wegen der Körperverletzung, sieht die Schmerzensgeldforderung als völlig überzogen an. Davut Yildiz: „Mein Mandant hat sich nicht gegen die Trennung gestellt. Er ist kein aggressiver Mensch, was mehrere Zeugen bestätigen. Wenn er sie hätte töten wollen, so hätte er sicherlich das Hackbeil genommen!“ (Silke Gelhausen)

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