Wer will schon im Himmel dienen?

Hammerfall und 1500 „Templer“ lassen Stadthalle beben

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Wirbelwinde auf Welt-Dominion-Tour: „Never forgive, never forget“, postuliert Hammerfall-Sänger Joacim Cans in den ersten Sekunden der Langener Show. Dazu schwingt und spielt Oscar Dronjak seine Hammer-Gitarre, als gäb’s kein Morgen mehr. 1 500 Fans in der Stadthalle gehen mit den „Templern“ aus Göteborg steil. 

Hammer hoch! Die selbst ernannten (und als solche international durchaus anerkannten) Retter des klassischen Heavy Metal sind mal wieder in der Stadt. Die „Hessen-Templer“ lassen sich da nicht lange bitten, 1500 an der Zahl sind in der Stadthalle angetreten. 

Langen – Volle Hütte. Das „Kleine Schwarze“ der Headbanger ist dominant-schillernde Abendgarderobe und Rüstung in der Dominion-Welt, in der Sänger Joacim Cans, Gitarrist Oscar Dronjak & Co. im Zuge ihrer Europatournee Hof halten.

„Never Forgive, never forget“ – der Opener des aktuellen Albums Dominion eröffnet die Show. Der Auftakt eines ungemein flotten Dreiers, bei dem „One against the World“ („Templars of the world ...“) das Tempo höher schraubt, ehe „Heeding the Call“ das erste Mal die Halle schier bersten lässt. Unglaublich: Zugabe und Höhepunkt jeder Show von einst, heute dritte Nummer und: absoluter Druckmacher.

Die fünf Templer aus Göteborg sind vom ersten Takt an in ihrem Element und spielfreudig präsent – das Gleiche gilt für die Fans. Wenn von 1500 Leuten gefühlte 95 Prozent das Tempo mitgehen, Mähnen schütteln, punktgenau jeden Refrain ansetzen und die Fäuste gen Himmel recken, kommt das rüber wie eine Wand und besser als vor zehnfacher Publikumsgröße inklusive zehnfacher „Ausfallquote“.

Das entgeht auch Joacim Cans nicht. Der Sänger gibt sich diesmal recht redselig, streut immer mal wieder einen Brocken Deutsch ein und hat allerhand loszuwerden. 23 Jahre stehen die Skandinavier nun auf der Bühne, touren durch die Weltgeschichte, haben im August ihr elftes Studioalbum veröffentlich und feiern heuer 20 Jahre „Renegade“, jenes 2000 erschienene dritte Album, das sie nach „Glory to the Brave“ (1997) und „Legacy of Kings“ (‘98) endgültig in die Champions League der Heavy-Metal-Bands katapultierte. Cans lobt das Publikum und die „beautyful City Langen“ und schwört: „Wir kommen immer wieder gerne nach Langen!“ Nett gesagt, könnte man meinen. Erzählt er sicher jeden Abend in jeder Stadt. Wer sich freilich das aktuelle Tournee-Shirt ansieht (und natürlich anzieht!), findet die Stadt am Sterzbach zwischen Berlin, Hamburg und München beziehungsweise Prag, Wien und Warschau. Insofern darf man Hammerfall sehr wohl besondere Verbundenheit zu Langen attestieren – 2001, in Zeiten, in denen sie noch kleinere Brötchen gebacken haben, standen sie zum ersten Mal auf der Stadthallenbühne. Seither halten sie Langen die Treue – und diese Liebe wird stets aufs Neue erwidert.

20 Jahre Renegade: Das ist Spiritus Rektor Dronjak und seinen Jungs ein Medley wert; der Weg dorthin führt unter anderem über „Bloodbound“, „Hector‘s Hymn“ und die Ballade „Second to One“, zu der selbstverständlich Noora Louhimo, Frontfrau der (nicht minder abgefeierten) jungfinnischen Sensations-Vorband Battle Beast, Joacin Cans gesanglich die Hände reicht.

Weiter geht die wilde Fahrt unterm Pandemonium-Banner („The Capital of Hell“). Sie führt direkt ins Zentrum der neuen Scheibe – „Dominion“, zum blutenden Drachen und zu dem letzten stehenden Mann, ehe zum Abschluss des regulären Sets der Hammer fällt – ausgiebig mit den Fans zelebriert.

Die dreifache Zugabe: „Hammer High“, außerdem die geballte Ladung nordisches Selbstverständnis: „We make Sweden rock“. Und, um ziemlich genau 100 Minuten Spielzeit zu vollenden, jenen Song, „ohne den wir euch natürlich nicht gehen lassen können“, wie Cans feststellt. „Hearts on fire!?“, ruft der Frontmann. Da gibt’s nur eine Antwort: Absolut!

VON HOLGER BORCHARD

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