Prozess

Haushaltshilfe klaut 40.000 Euro von Apotheker-Ehepaar

Putzfrau Haushaltshilfe
+
Eine Haushaltshilfe in Langen hat jahrelang regelmäßig ihre Arbeitgeber beklaut. (Symbolbild)

Eine Haushaltshilfe bedient sich jahrelang an den Einnahmen ihrer Arbeitgeber in Langen - 40.000 Euro hat sie geklaut. Jetzt wurde sie vor Gericht verurteilt.

  • Eine Haushaltshilfe bestiehlt jahrelang in Langen ihre Arbeitgeber und bringt sie um 40.000 Euro.
  • Die Familie kommt kommt ihr lange nicht auf die Schliche.
  • Die Haushaltshilfe bezahlte mit dem Diebesgut unter anderem Strafgeld ihres Sohnes.

Langen – Eine Haushaltshilfe hat sich jahrelang regelmäßig an den Geschäftseinnahmen ihrer Arbeitgeber bedient. Um mindestens 40 000 Euro erleichterte die 56-Jährige eine Langener Apothekerfamilie. Jetzt wurde sie vor dem Amtsgericht Langen wegen gewerbsmäßigem Diebstahl zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und muss als Auflage 18 000 Euro zurück zahlen, in Monatsraten über 500 Euro. Es war ihre erste Straftat. Möglich wurde der Diebstahl erst, als sie vor rund acht Jahren beim Staubsaugen im Haus der Familie einen Haustürschlüssel fand. Den hatte wohl die Tochter mal verloren – jahrelanges Suchen blieb vergeblich. Doch wie konnte die Aushilfe über so einen langen Zeitraum unentdeckt Geld entwenden? Und warum lagerte permanent so viel im Haus, das die einzelnen Fehlbeträge über 400 oder 500 Euro nicht wirklich auffielen?

Diebstahl in Langen: Sohn der Familie erwischt Haushaltshilfe auf frischer Tat

Letzteres ist leicht erklärt: Da die in Wohnortnähe liegende Apotheke Ziel mehrerer Einbrüche gewesen war, entschieden die Inhaber, die Einnahmen lieber täglich mit nach Hause zu nehmen und dort bis zur nächsten Kontoeinzahlung in einer Tasche zu lagern. Die andere Frage ist da schon schwieriger zu beantworten. So richtig kann sich das die 60-jährige Eigentümerin und Zeugin nicht erklären. „Ich bin drei Mal im Monat mit dem Geld zur Bank gegangen, öfter hab ich es nicht geschafft. Wenn die Zählmaschine dann eine andere Summe als die errechnete ausspuckte, dachte ich, ich hätte nicht richtig gezählt. Ich hab den Fehler immer bei mir gesucht“, sagt sie.

Auch bei einer Steuerprüfung im Jahr 2018 fielen die Fehlsummen auf. Trotzdem dämmerte es der Geschädigten erst, als ihr Sohn eines Abends die Haushaltshilfe allein im Haus erwischte. „Sie behauptete, sie habe ihr Handy gesucht. Später erwischten wir sie dann auch mit dem Schlüssel. Sie wusste anscheinend genau, teils durch Kontrollanrufe, wann das Haus leer war“, so die Zeugin. Das Geld habe in einer blauen Tasche an verschiedenen Orten gelagert. Das erste Mal, als sich die Haushälterin daran vergriffen, lagerte diese unter dem Bett im Schlafzimmer. Dort fand sie die Angeklagte zufällig – beim Staubsaugen.

Diebstahl in Langen: Angeklagte im Prozess beherrscht von Scham

Zittrig und ohne Anwalt sitzt die 56-jährige auf dem Angeklagtenstuhl. Auf die Fragen von Richter Volker Horn antwortet sie schnell, leise und nervös, beherrscht von Anspannung und Scham. Staatsanwältin Lisa Mager will wissen, was sie mit dem ganzen Geld gemacht habe, und ob noch etwas übrig sei. Die Frau aus Langen antwortet: „Nein, es ist alles weg. Das meiste hab ich meinen Kindern und meinem Mann gegeben. Mein Sohn war wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Betäubungsmitteln angeklagt und musste 1000 Euro Strafe zahlen. Die hab ich ihm gegeben.“ Richter Horn ist fassungslos: „Sie begehen Straftaten, damit ihr Sohn Strafgeld bezahlen kann?“ Darauf die Angeklagte: „Ich wollte nicht, dass mein Mann davon erfährt. Er ist seit acht Jahren trockener Alkoholiker und wäre dann vielleicht rückfällig geworden.“

Diebstahl in Langen: Haushaltshilfe will schon einen Teil des Geldes zurückgezahlt haben

1000 Euro habe sie bereits an die Apothekerin zurück gezahlt – allerdings an deren Sohn, weil das Ehepaar nicht mehr mit ihr reden wolle. Die Zeugin kann das weder bestätigen noch dementieren. Und tut sich schwer damit, die Entschuldigung und ein Rückzahlangebot anzunehmen. „Ich weiß, dass sie Reue zeigt, sie hat sich tausend Mal bei mir entschuldigt. Aber ich will es ihr nicht zu einfach machen, sie soll schließlich im nächsten Haushalt nicht so weiter machen!“

Die Staatsanwaltschaft honoriert das Schuldbewusstsein der Frau. In ihrem Plädoyer verbucht sie die frühe Geständigkeit, ein leeres Bundeszentralregister und die familiären Probleme auf der Haben-Seite. Auf der anderen Seite stehen jedoch die erhebliche Beutesumme und der Vertrauensbruch zur Arbeitgeberin. Eine Aussetzung der Haft zur Bewährung ist aber auch für Mager selbstverständlich: „Ich habe nicht den Eindruck, dass Sie das noch mal machen würden!“ (Silke Gelhausen)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare