Petticoat und Westernhemden

Drehungen mit Ansage: Square-Dance-Club Twirling Bats feiert 25-Jähriges

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Wirbelnde Petticoats bei den Damen, Westernhemden bei den Herren – das ist der Dresscode der Langener Square Dancer. Im April 1994 haben sich die Twirling Bats, die heute 21 Mitglieder haben, gegründet. 

Es ist eine kleine Welt für sich, wie die Square Dancer ihre Schritte und Figuren tanzen: Die Männer tragen Westernhemden mit metallischen Kragenecken, den Frauen fliegt der Petticoat um die Knie, wenn sie sich um die eigene Achse drehen.

Langen – Drehungen, Umarmungen und Wechsel des Tanzpartners – was für den Beobachter nach einer einstudierten Choreografie aussieht, ist keine: Die Square Dancer reagieren auf die Anweisungen der Callerin Stefanie Keller.

Beim Square Dance müssen die Tänzer die Figuren also kennen, um mitzumachen. Je höher das Tanzlevel ist, desto mehr Figuren müssen bekannt sein. „Interessierte besuchen einen Kurs und müssen am Ende eine Prüfung ablegen. Die heißt bei uns Graduation und ist eine feierliche Zeremonie“, informiert Karen Kämmerle, Reise-Koordinatorin (Travelcoordinator) beim Square Dance Club Twirling Bats, der sein 25-jähriges Bestehen in der Stadthalle feierte – natürlich mit einem Tanzabend.

Am 1. April 1994 gründet sich der Verein in Langen. Die Twirling Bats – zu deutsch „drehende Fledermäuse“ – verstehen sich als Mainstream-Club. Doch nicht im Sinne von Massengeschmack: Die Bezeichnung steht für ein bestimmtes Tanzlevel. Etwa 70 Figuren müssen die Square Dancer können, um mitzuhalten. 21 Mitglieder treffen sich regelmäßig im Sportzentrum Nord zum Clubabend, nicht nur aus Langen, auch aus den Nachbarstädten und dem Kreis Groß-Gerau.

Genauso regional vielfältig wie die Vereinsmitglieder der Twirling Bats ist der Tanz. Square Dance entstand in den USA, beruht aber auf verschiedenen Volkstänzen, die eingewanderte Europäer mitgebracht haben. Während des Zweiten Weltkrieges brachten die G.I.s den Tanz wieder nach Europa. Den amerikanischen Stil behielten die Tänzer nicht nur beim Kleidungsstil bis heute bei: Die Figuren werden auf Englisch angesagt, sodass Square Dance weltweit einheitlich funktioniert.

Es tanzen immer vier Paare miteinander, die sich zu Beginn in einem Quadrat gegenüber stehen. Welche Figuren getanzt werden, entscheidet der Caller. Bei den Twirling Bats übernimmt Keller diese Aufgabe. Zum Jubiläum hat der Verein aber einen Stargast aus den USA eingeladen: „Wir haben Johnny Preston für unsere Veranstaltung gewinnen können. In der Szene ist er als Caller sehr bekannt“, freut sich Kämmerle. Der Caller spricht oder singt von der Bühne aus die Figuren in einem „Tip“, einem Durchgang mit zwei Liedern, an. „Manch einer singt das so gut, dass ein Außenstehender nicht zwischen dem Lied und der Anweisung unterscheiden kann. Für ihn verschmilzt das in der Melodie“, sagt Kämmerle.

Sie selbst tanzt seit zehn Jahren Square Dance. Sogar wenn es in den Urlaub geht, kommt ein Petticoat mit. „Ich informiere mich, ob es in meinem Urlaubsort eine Tanzveranstaltung gibt und dann bin ich dabei.“ So habe sie bereits in San Francisco und in London getanzt. Doch auch regional herrscht reger Austausch. „Im Rhein-Main-Gebiet haben wir eine Luxussituation, was Square-Dance-Clubs angeht“, sagt Kämmerle. Das beweisen auch die „Dangles“, die an ihrem T-Shirt baumeln – Miniatur-Ausgaben der Clublogos. Wer mittanzt, bekommt sie als Erinnerung und einen Stempel ins „Friendship Book“, eine Art Pilgerheft. „Wenn ich alle Dangles auf einmal tragen würde, hängen sie mir bis zum Boden“, so Kämmerle.

Andere Clubs besuchen und Freundschaften pflegen gehört zum Sport, sagt sie. Ohnehin sei Square Dance sehr auf Gemeinschaft und Fairness ausgerichtet. Es gebe kein Konkurrenzdenken und keine Wettkämpfe, dafür ein enges Miteinander. Das sieht auch Alexandra Neudert so. „Die Gemeinschaft hier ist super. Man sieht sich auf Veranstaltungen und redet bei Kaffee und Kuchen miteinander über Gott und die Welt. Manchmal auch mit Menschen, die man noch gar nicht richtig kennt“, sagt die 20-Jährige, die über ihre Schwester Stefanie Keller zum Verein kam.

So sind auch Vertreter anderer Clubs zur Jubiläumsfeier nach Langen gekommen. Wie Elmar Lange aus Hanau: Er ist Vice President bei den „Witches & Wizards“ in Rodgau, und kam einst über Frau und Tochter zum Sport. Aber auch wer keinen Partner mitbringt, ist beim Square Dance gut aufgehoben, betont Kämmerle. „Für Singles ist der Tanz hervorragend. Während eines Durchgangs wechselt der Tanzpartner ohnehin“, Und zur Not tanzen eben Frauen den Männerpart.

VON VANESSA KOKOSCHKA

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