STADTKIRCHE - Hochsensible Luftnummer

Drohnen sammeln Fotos und Daten für Dachsanierung

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Einsatzbesprechung (von links): Professor Frank Oppermann, Vermessungstechniker Sebastian Büchner (TPI) und Ingenieurin Claudia Rougoor (Zangano).

Einflugschneise Stadtkirchenturm: Das Dach des „Doms der Dreieich“ benötigt dringend eine Frischzellenkur. Um die Schäden optimal zu kartografieren und somit die Sanierung optimal zu koordinieren, kamen nun modernste Technik und Flugdrohnen zum Einsatz.

Langen – Als 1883 die Stadtkirche anlässlich der Erhebung des Marktfleckens Langen zur Stadt fertiggestellt wurde, hat sich wohl kaum jemand Gedanken gemacht, welche Anstrengungen zur Bauunterhaltung und Pflege des Gebäudes je erforderlich sein würden. So musste 1984 der Turm eingerüstet werden, um das Sandsteinmauerwerk teilweise neu zu verfugen und Steine zu ersetzen. In den Folgejahren wurden die Ost-, Süd- und Nordfassaden saniert, bis die große Innenrenovierung 1997/98 anstand. Doch auch schon zuvor – 1959 – wurde die Kirche im Inneren neu gestaltet und kurz zuvor das Dach neu eingedeckt.

Jene Dachdeckung ist jetzt 60 Jahre alt und stark erneuerungsbedürftig. Dachdeckermeister Ludwig Held hat schon im November 2018 die Schäden aufgelistet: Viele Dachplatten sind kaputt oder fehlen ganz, die Schalung darunter ist an den Fehlstellen in Mitleidenschaft gezogen. Schneefanggitter und Dachhaken müssen erneuert sowie alle Kehlen und Anschlüsse der Dachhaut an die überstehenden Giebel nachgearbeitet werden.

In enger Absprache mit der Kirchenbauverwaltung in Darmstadt und dem Verein der Freunde der Stadtkirche, der sich an den Kosten der Sanierung beteiligen wird, hat nun der Vorstand der Evangelischen Gesamtgemeinde grünes Licht für die vorbereitenden Untersuchungen gegeben. Ehe ein Architekt die Arbeiten ausschreiben kann, müssen Umfang und Sanierungsposten im Einzelnen geklärt werden, um ein möglichst präzises Leistungsverzeichnis zu erstellen.

Fliegendes Auge: Mit Kameras bestückte Drohnen weben Flug um Flug ein orthogonales Netz mit rund 700 Fotos von Dach, Turm und oberen Fassaden der Stadtkirche.

Ließ sich Steinmetzmeister Böhmer dazu 1982 noch mittels Autokran in die Höhe hieven, so hat man heute elegantere und exaktere Methoden: Der Kirchenvorstand beauftragte die Fachfirma Zangano, die sich auf Instandhaltung und Präventivmaßnahmen an historischen Bauwerken spezialisiert hat, mit einem Drohnenflug. Zusammen mit der Vermessungsgesellschaft TPI aus Sprendlingen, die mit mehreren Drohnen und Kameras die Kirche in einem vorher festgelegten Rasternetz systematisch überflog, wurde mit circa 700 orthogonal montierten Fotos jeder Stein, jede Fuge und jede noch so kleine Schadensstelle dokumentiert. Dabei inspizierte man nicht nur die Dachfläche, sondern auch die oberen Bereiche der Fassaden und den Turm von allen Seiten sowie von oben. „Es ist schon eine tolle Hilfe, wenn man die Kreuzblume, die sonst in 52 Metern Höhe weit weg ist, zum Greifen nah am Monitor aus fünf Richtungen vergrößern kann“, sagt Professor Frank Oppermann vom Verein der Freunde der Stadtkirche, der bei den Aufnahmen dabei war.

Das orthogonale Fotonetz wird jetzt dem bauleitenden Architekten Andreas Hein (Darmstadt) übergeben. Hein hatte in den vergangenen Jahren bereits bei der Sanierung der Kirchen in Offenthal und Klein-Umstadt sowie der Johanneskirche in Darmstadt die Federführung inne.  hob

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