Kinderbetreuung

Erziehersuche bereitet Langen große Sorgen 

Aus dem alten Forsthaus in Langen soll eine Kita werden. 
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Aus dem alten Forsthaus in Langen soll eine Kita werden. 

Der Bedarfs- und Entwicklungsplan Kinderbetreuung liegt den Stadtverordneten erst frisch auf dem Tisch – und ist schon überholt: Denn die jüngste Planung zum alten Forsthaus ist darin noch nicht berücksichtigt.

Langen – Trotz der hohen Fluktuation muss man ja aber mal irgendwo anfangen. Dafür hat der Magistrat das 21-Seiten-Werk voller Bedarfszahlen, Versorgungsprognosen und Kostenaufstellungen bis 2026 erstellt. Den Plan diskutierte nun der Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport.

Vor allem die Berechnung der Betreuungskräfte treibt die Stadtverordneten um: Bis Ende 2020 fehlten demnach im Kreis – nur in städtischen Einrichtungen – 465,5 Stellen. „Bei dieser Zahl musste ich schlucken“, sagt Mathias Rhiel (FDP). So beeindruckend die neuen Vorhaben, so schockierend die Versorgung mit Fachkräften. Allein Langen braucht bis Ende des kommenden Jahres 44 Kräfte, vor allem für die Awo-Kita und die Erweiterung der Kita Sonnenschein. „Wo sollen denn diese Erzieher herkommen? Kann es sein, dass wir Kitas bauen, die dann leer stehen, weil wir keine Fachkräfte für sie haben?“, fragt Rhiel.

Kurx am Plan ist das Personal – Erzieherschule im Kreis Offenbach?

Die Kitas nicht zu bauen, nur weil man wohl das Personal nicht zusammenkriege, sei keine Lösung, erwidert Erster Stadtrat und Dezernent Stefan Löbig. „Bei der Awo-Kita sind wir schon mal positiv gestimmt.“ Nach Berichten von Geschäftsführer Dirk Hartmann sei bereits ein Leitungsteam eingestellt. „Mit dem Innenausbau sind wir auch im Zeitrahmen“, teilt Löbig mit. Im Dezember oder Januar könne der Betrieb an der Frankfurter Straße starten – „aber halt nicht mit einer hundertprozentigen Belegung an Tag zwei“.

Die Krux am Plan ist also das Personal. Deshalb wollen die Ausschussmitglieder vom Fachdienst Kinderbetreuung wissen, wie die Stadt besser an Personal kommt. „Kann man keine Erzieherschule im Kreis Offenbach vorantreiben?“, fragt Martina Dröll (Grüne). Zwischen Darmstadt-Dieburg und Frankfurt sei der Kreis ausbildungstechnisch ein weißer Fleck. Angelika Hirsch-Flügel vom Fachdienst winkt ab: „Es ist keine Frage des Ausbaus: Die Schülerzahlen gehen zurück.“

Wartelisten für Kita-Plätze werden nicht kürzer

„Das alles zieht sich wie Kaugummi. Egal, was wir tun, die Wartelisten werden nicht kürzer“, betont SPD-Stadtverordnete Angelika Gottschling. Ob Kitas in Modulbauweise keine Alternative seien, fragt der Ausschuss. Dazu holte die Stadt eine Auskunft bei den Kommunalen Betriebe ein. Laut KBL seien Modulbauverfahren nur manchmal schneller – „wir durchlaufen ja trotzdem dieselben Genehmigungsverfahren“, sagt Löbig – und böten keinen „unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteil“ gegenüber der Massivbauweise. 

Gottschling bringt mobile Betreuungseinrichtungen oder eine Waldgruppe ins Gespräch – sie hat die Freifläche am Hallenbad im Sinn. „Das ist ein Übergang zum Landschaftsschutzgebiet, das blockiert der Kreis“, betont Löbig. Auch am Paddelteich habe es mal einen solchen Vorstoß gegeben, der aus demselben Grund gescheitert ist.

Waldkindergruppe im alten Forsthaus – 235.000 Euro Kosten für Umbau

Aber das Prinzip Waldkindergruppe werde ja nun am alten Forsthaus realisiert. Neben 18 „normalen“ Ganztagesplätzen werden draußen vormittags 20 Kinder als Waldgruppe betreut. „Das ist ein charmanter Gedanke – und ein geringer Preis“, kommentiert Rhiel das Projekt. Rund 235 000 Euro sind für Ausstattung und Umbau einkalkuliert. Kritik kommt von der CDU: „Wir stören uns daran, dass es eine städtische Kita sein soll“, sagt Sascha Dussa. Fachdienstleiterin Sandra Wettlaufer hat ein simples Gegenargument: „Wir müssten es sonst europaweit ausschreiben – und so was dauert.“ 

Außerdem müsse das günstigste Angebot angenommen werden. Erziehung sei nicht nur eine Frage der Kosten, sagen die Grünen. „Es geht ja hier nicht um Busse, sondern um unsere Kinder“, findet Dröll. Wettlaufer stellt aber klar: „Erst mit dem Anbau wird das Forsthaus zu einer richtigen Kita.“ Die Vorlage wird (bei zwei Enthaltungen) angenommen. Für den Bedarfsplan votiert der Sozialausschuss einstimmig.

VON JULIA RADGEN

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