Kaum zu glauben

"Völlig abgedrehte Situation": Langener Feuerwehr braucht Polizeischutz beim Einsatz

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Einsatzort in luftiger Höhe: Während oben die Höhenretter aktiv sind, müssen sich unten am Hochhaus Dieburger Straße 1 Feuerwehrleute beleidigen lassen. 

"Völlig abgedrehte Situation": Die Langener Feuerwehr braucht Polizeischutz beim Einsatz nach dem Unwetter.

Langen – Sie helfen anderen – und werden dafür auch noch beleidigt: Was sich am Sonntagabend am Hochhaus Dieburger Straße 1 abspielte, reiht sich ein in eine Reihe von Vorfällen, die erschreckende Auswüchse in der heutigen Gesellschaft zeigen. 

Gestern, am Tag zwei nach dem Unwetter, das Langen mit voller Härte traf, ist die Freiwillige Feuerwehr noch immer im Dauereinsatz. Gegen 11 Uhr meldet der Stellvertretende Stadtbrandinspektor Christian Buchold noch immer rund 25 Einsatzstellen, die abgearbeitet werden wollen. Dennoch findet er Zeit, um die Ereignisse zu rekapitulieren, die sich rund zwei Stunden nach dem Gewitter in der Dieburger Straße abgespielt haben.

Einsatzleiter musste Polizei zur Hilfe rufen

Dort drohten Fassadenteile abzustürzen, und zwar aus dem 19. Stockwerk. In solch einem Fall reiche es natürlich nicht aus, den Gehweg unter der Stelle abzusperren, da gar nicht gesagt werden könne, wo genau ein Teil auf dem Boden einschlage. Vielmehr wurde die Höhenrettung der Feuerwehr Frankfurt angefordert und der Bereich weiträumig abgesperrt.

„Das hat aber nicht jeder Bürger so aufgefasst, wie es eigentlich sein sollte“, schildert Buchold, was sich dann entwickelte. „Wir haben die Leute aufgefordert, den Bereich zu meiden.“ Dies wollten aber offenbar nicht alle Schaulustigen und Bewohner einsehen. Es sei zuerst zu Wortgefechten mit den Einsatzkräften gekommen, die schließlich in Beleidigungen der Helfer (Buchold: „Aus der untersten Schublade“) mündeten. Als sich eine „kleinere Rottenbildung“ von Passanten anbahnte, habe der Einsatzleiter vor Ort die Polizei zur Hilfe gerufen.

Streit innerhalb der Gruppe lenkte von der Feuerwehr ab

Glücklicherweise sei dann innerhalb der Gruppe Streit ausgebrochen, sodass sich diese mehr mit sich selbst beschäftigte und sich von den Feuerwehrleuten abwandte. Die Polizei habe die Lage dann schnell in den Griff bekommen. Dennoch sagt der Stellvertretende Stadtbrandinspektor: „Das war eine völlig abgedrehte Situation.“

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Generell erlebe die Feuerwehr gerade in der jetzigen Ausnahmesituation wieder beide Seiten der Bevölkerung: Da gebe es die einen, die sehr hilfsbereit seien, selbst anpacken oder auf der Feuerwache vorbeikommen und den Helfern Essen oder Kuchen bringen. Dann gebe es andere, die völlig uneinsichtig seien, beispielsweise mit dem Fahrrad unter Absperrbändern durchfahren und dann auch noch beleidigend werden, wenn sie darauf angesprochen werden.

VON MARKUS SCHAIBLE

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