Geräumige Almhütte für Piepmätze

Helmut Schlerf baut seit über zehn Jahren ausgefallene Vogelhäuschen

+
Vom Allgäu inspiriert: Dieses Nisthäuschen, das an eine Berghütte erinnert, ist eins der größeren Modelle von Helmut Schlerf. Das Besondere: Der Boden ist in Form einer Schublade herausziehbar und leicht sauberzumachen. 

Neulich haben es sich wieder Gäste so richtig gemütlich gemacht bei Helmut Schlerf: Eine sechsköpfige Familie ist in das leer stehende rustikale, aber geräumige Häuschen bei ihm eingezogen. Vier hungrige, weit aufgerissene Schnäbel sind durch das Fenster zu erkennen. 

Langen – Das Rotschwänzchen-Paar und seine Jungen fühlen sich scheinbar sehr wohl in der geräumigen Behausung. Kein Wunder: Das Domizil für die gefiederten Freunde ist eine Spezialanfertigung.

Seit mehr als zehn Jahren baut Helmut Schlerf Vogelhäuschen, seit Neuestem auch Insektenhotels. Angefangen hat der gelernte Maschinenschlosser und Industriemechaniker mit dem Holzschnitzen nach seiner Pensionierung. „Hauptsache, nicht dumm rumsitzen!“, sagt der „in Langen wohnende Egelsbacher“ lachend. Auf diese Bezeichnung besteht der 72-Jährige: Denn er wohnt seit 44 Jahren in Langen, ist aber der Nachbargemeinde verbunden: Schlerf ist im Egelsbacher Kunstverein und im Kerbverein der Gemeinde engagiert.

Neben dem Beruf hatte er schon immer aus Muttern und Schrauben Kunstwerke geschaffen. In seiner Werkstatt stehen kleine Musiker, die eine Band bilden, daneben ein Windsurfer auf seinem Brett – alle Figürchen sind aus Metallteilen zusammengesetzt. „Aber ich wollte irgendwann nicht mehr mit Eisen arbeiten“, erklärt Schlerf.

„Wir waren quasi die Lehrlinge"

Nachdem er in Rente gegangen ist, hat sich Schlerf also mit der Holzverarbeitung auseinandergesetzt. Im Pfälzerwald hat er einen Kurs bei einem Holzschnitzmeister besucht. „Wir waren quasi die Lehrlinge“, sagt der Senior stolz und zeigt auf ein Erinnerungsfoto der Gruppe. Es ging vor allem darum, ein Gefühl für das Holz zu bekommen, erzählt er. „Aber wenn es mal nicht klappt, kann man es immer noch verbrennen“, sagt er fröhlich.

Diese hungrigen Schnäbelchen gehören den Rotschwänzchenjungen, die mit ihren Eltern zuletzt zu Gast waren. Für Schlerf und seine Frau eine Überraschung: Die Singvögel brüteten nämlich im Futterhäuschen, das noch anstelle des Nisthauses hing.

Feuerholz sind seine Werke aber längst nicht mehr. Seien es die filigranen Krippenfiguren, die er in seiner kleinen Werkstatt in der Garage des Langener Wohnhauses schnitzt, oder eben die Vogelhäuschen und Insektenhotels. In letzteren warten in der einen Etage Bambusröhrchen auf krabbelige Besucher, in einer anderen stehen Tannenzapfen für Ohrwürmer und Käfer bereit. „Da drin gibt’s für jeden was“, sagt der Erbauer stolz. Auch ein Futterhäuschen für Eichhörnchen hat er schon gebaut. Dabei schreckt Schlerf auch nicht davor zurück, etwas zu tüfteln, bis die Konstruktion auch praktikabel ist. Die ersten Bambusstäbe, die er in eine Behausung übereinandergestapelt eingearbeitet hat, haben Vögel herausgezogen. „Jetzt geht das nicht mehr, ich habe sie an der Rückseite des Häuschens festgeklebt.“

Vogelhäuschen für den Eigenbedarf

Seine ersten Vogelhäuschen baute Schlerf für den Eigenbedarf. Eines hängt vor der Garage, in der er werkelt, ein zweites auf der Veranda. Mittlerweile verkauft er seine Häuschen aber auch. Die Aufträge kommen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Sie kosten je nach Aufwand ab 100 Euro aufwärts. Es spricht sich herum: Wer ein besonders schönes Vogelhäuschen will, ist bei Schlerf richtig. Kürzlich fertigte er zum Beispiel ein rotes Exemplar mit auffälligem Schrägdach an. Einen langweiligen braunen Unterstand mit Dach und Stange gibt es bei Schlerf nicht: Seine Werke kommen nicht ohne Balkon aus und bieten viel Platz für die Vögel. „Hier passt die ganze Familie rein“, sagt der Bastler über das Futterhäuschen, in dem die Rotschwänzchen nisten. Eigentlich tauschen Schlerf und seine Frau es rechtzeitig gegen die Nistvariante aus. Aber das störte die Singvogel-Familie anscheinend nicht. Hingucker aller Häuschen sind kleine Details: Zum Beispiel ein Mini-Holzstapel vor dem Fenster, wie er vor Almhütten oft zu finden ist, oder die Fliesen auf dem Boden.

Auf eine Erfindung ist Schlerf besonders stolz: Seine Vogelhäuschen kommen mit einer herausnehmbaren Schublade über dem Boden daher. „So kann man das Vogelhäuschen super sauber machen, wenn die Vögel weg sind“, erklärt er. „So etwas habe ich noch nicht gesehen, das sollte ich mir vielleicht mal patentieren lassen“, sagt der Bastler. Im geräumigen Domizil residierten die letzten Gäste von Schlerf – das Rotschwänzen-Brutpaar mit seinen Jungen – 14 Tage lang. Schlerf kann sich gut vorstellen, dass die Vögel zurückkehren: „Ich glaube, die haben sich ganz wohlgefühlt.“ Es könnte nur sein, dass sie dann in einem anderen Häuschen übernachten.

Kontakt

Wer sich für ein Werk von Helmut Schlerf interessiert, erreicht ihn unter 27429.

Von Julia Radgen

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare