Selbst mit der Gießkanne aushelfen

Grüne regen private Baumbewässerung an

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Gut versorgt: Der Baum vor dem Regionalbüro von Katy Walther darf sich auf regelmäßige Wassergabe verlassen. Auch Fraktionschef Jens Duffner gießt mit.

Die Aussagen der Grünen hatten hohe Wellen geschlagen: Die Stadtverordnetenfraktion bemängelte überall in Langen sterbende Bäume: Durch Trockenheit, verhängnisvolle Wetterschutz-Schilfmatten und Drahtschlingen, die die Rinde beschädigen.

Langen – Die Grünen übten Kritik an der Baumpflege durch die Kommunalen Betriebe Langen (KBL). Die kümmerten sich zu wenig um die Bäume. Viele der Schäden seien „hausgemacht und vermeidbar“. Die KBL-Antwort folgte auf dem Fuße: Der Klimawandel hinterlasse seine Spuren, die Mitarbeiter täten, was sie könnten, und man sei vom Etat für die Grünpflege abhängig – erwiderte KBL-Chef Manfred Pusdrowski.

Dafür haben die Grünen Verständnis. „Es ging uns auch nicht darum, den kommunalen Mitarbeitern vors Schienbein zu treten, es geht uns um die Bäume“, betont Jens Duffner, Vorsitzender der Grünen-Stadtverordnetenfraktion. Die Grünen wollten auf das Thema aufmerksam machen und Lösungen aufzeigen. Deshalb haben sie gegrübelt, wie man die Situation kurzfristig verbessern kann – und rufen Bürger und Geschäfte nun zu privaten Gießpatenschaften auf. „Viele Privatleute kümmern sich bereits um die Bäume vor ihrer Tür, das lesen wir auch immer wieder in den sozialen Netzwerken“, sagt Duffner. „Es wäre gut, wenn wir diese Informationen bündeln und für alle sichtbar machen könnten“, meint der Fraktionschef.

Duffner stellt sich beispielsweise vor, dass Baumpaten ihre Fürsorge durch ein Schild kennzeichnen. Auf diese Weise könnte man die KBL entlasten und gleichzeitig das bürgerschaftliche Engagement in Langen stärken – so die Idee der Fraktion. Denn die Aktion ist keinesfalls als Affront gegen die Profi-Baumpfleger der Kommunalen Betriebe gedacht, sondern als Ergänzung. „Bei den heißen Sommermonaten, die wir letztes Jahr hatten und die ja durch den Klimawandel wieder auf uns zukommen, leiden die Pflanzen. Der Regen reicht schon lange nicht mehr aus und die KBL kommen mit dem Bewässern nicht mehr hinterher. Da braucht es private Initiative, damit die Stadtbäume mit ausreichend Wasser versorgt werden“, meint auch die grüne Landtagsabgeordnete für den Westkreis, Katy Walther.

Weil sie nicht nur den Zeigefinger erheben, sondern mit gutem Beispiel vorangehen möchten, haben die Langener Grünen gemeinsam mit Walther die Patenschaft für den Baum vor deren Regionalbüro in der Bahnstraße übernommen. „Ich werde in diesem Sommer zusätzlich gegossen“, steht auf dem Schild, das an dem Vorreiter-Patenbäumchen befestigt ist. Drei bis vier Ladungen Wasser braucht es regelmäßig. „Wir hoffen natürlich, dass weitere Bürger diesem Beispiel folgen und für Pflanzinseln vor ihrer Haustür ebenfalls eine Gießpatenschaft übernehmen“, sagt Duffner. „Wir hoffen, dass wir viele Nachahmer finden.“ Auch an den Verkehrs- und Verschönerungsverein, dem die Bepflanzung der Stadt am Herzen liegt, wollen die Grünen das Projekt herantragen.

Nichtsdestotrotz wolle die Fraktion das Thema in den nächsten Haushaltsberatungen wieder auf die Tagesordnung setzen. Die KBL müsse in die Lage versetzt werden, sich so um die städtischen Bäume zu kümmern, dass sie in Hitzeperioden keinen Schaden nehmen. „Wir wollen die Haushaltskürzung an dieser Stelle zurücknehmen und an anderer Stelle kompensieren“, sagt Duffner. Zuletzt wurde das Budget für die Grünpflege aus dem Sparzwang heraus um 55 000 Euro gekürzt. Zudem will Walther das Patenschaftsprojekt in den Kreis tragen. „Ich möchte anregen, dass auch andere grüne Ortsverbände die Initiative übernehmen“, sagt sie. Denn Langen ist mit dem Problem nicht allein.

VON JULIA RADGEN

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