Spaß an Kinderrechten

Langener Grundschulkinder lernen spielerisch ihre Rechte

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Mit knallbunten Nachrichten verschönerten die Kinder am Fest zur Feier des Grundgesetzes den Innenhof des Langener Juz. An den „Demokratiesäulen“ hinterließen sie ihre Handabdrücke oder malten nach Lust und Laune.

Das Grundgesetz feiert 70. Geburtstag. Doch Kinderrechte sucht man darin vergeblich. Auf diesen Umstand machte ein großes Fest für Langener Grundschulkinder aufmerksam. Im Jugendzentrum beschäftigten sich die Schüler spielerisch mit der Verfassung und ihren Rechten.

Langen – Zwei Schokolinsen reicht Leonie Borst, Mitglied des Langener Jugendforums, dem Mädchen am Mitmachstand: „Mit einem stimmst du für das Kinderrecht ab, das dir am wichtigsten ist. Das andere darfst du essen“, erklärt sie. Die Schraubgläser auf dem Tisch sind mit den Kinderrechten beschriftet (siehe Kasten). Das Glas zum Recht auf Schutz vor Gewalt ist schon gut gefüllt. Das Mädchen überlegt kurz und wirft die Süßigkeit dann in das Glas mit der Aufschrift „Recht auf gesunde Ernährung“, bevor es die Süßigkeit verputzt. Die Aktion vom Team Grundgesetz, das sich im Frühjahr 2018 unter dem Dach des Programms „Demokratie leben“ gegründet hat, ist eine von vielen, an denen die Kinder ihre Rechte spielerisch kennenlernen.

Neben dem Bundesprogramm, in Zusammenarbeit mit dem Awo-Kreisverband, ist der gemeinnützige Verein Makista involviert, der sich seit 2000 dafür engagiert, dass die UN-Kinderrechtskonvention umgesetzt wird. An weiteren Stationen können die Kinder Stoffbeutel gestalten oder Säulen im Juz-Innenhof bemalen. Auf Vordrucken dürfen die Grundschulkinder aufschreiben, warum ihnen Kinderrechte wichtig sind, und die Schablone – als Teil einer langen Girlande – bunt ausmalen. Ein Junge hat als Begründung notiert: „Zeit zum extra spielen.“

Es ist nicht ganz einfach, den Grundschülern die komplexen Themen Grundgesetz und Kinderrechte, die an diesem Vormittag gefeiert werden, zu vermitteln. In der nur vier Jahre nach Kriegsende aufgesetzten Verfassung war das Thema noch nicht präsent. „Rechte für Kinder kommen darin bislang immer noch nicht vor“, erklärt Verone Schöninger, Vorsitzende des Kinderschutzbund-Landesverbands. „Das ist ein großer Nachteil“, meint Erster Stadtrat Stefan Löbig.

Auf Augenhöhe vermittelt den Grundschülern das Team Grundgesetz die Materie. Fast alle der siebenköpfigen Gruppe sind auch im Jugendforum engagiert sind. „Wir wollen, dass eure Rechte und Wünsche umgesetzt werden – und dass die Erwachsenen sie ernst nehmen“, erklärt die 14-jährige Leonie Borst. Die Gruppe verteilt Grundgesetz-Hefte mit der Schubkarre oder bringt Erwachsene mit Fragen nach Gesetzesartikeln in die Bredouille. „In der Schule lernen wir wenig darüber“, begründen die Jugendlichen ihr Engagement. „Und es macht ganz viel Spaß“, ergänzt ein Mädchen.

Auch die Albert-Schweitzer-, Sonnenblumen- und Janusz-Korczak-Schule sind mit eigenen Ständen vertreten. Die Kinder haben sich mit ihren Rechten beschäftigt und Plakate gestaltet. Die Korczak-Schule mit Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ ist besonders für das Thema sensibilisiert – denn sie ist seit 2018 auf dem Weg zur „Kinderrechte- und Demokratieschule“. Ein Plakat beschreibt die Lage eines behinderten Schülers, der schon länger nicht mehr zum Unterricht kommen kann – denn die Krankenkasse zahlt seine Pflegeassistenz nicht mehr. „Tobias, du fehlst uns“, schreiben ihm seine Mitschüler. „Ihm wird das Recht auf Bildung versagt“, betont die kommissarische Schulleiterin Iris Radloff. Nur ein lokales Beispiel dafür, dass Kinderrechte nicht selbstverständlich sind, sondern erkämpft werden müssen.

Von Julia Radgen

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