Rette Elliot

Horror-Diagnose für Kind (4): Teure Spezialtherapie ist letzte Hoffnung

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Setzen alle Hoffnung in die neue Immuntherapie: Mutter Katinka und Papa Sven Peiz haben eine Spendenaktion gestartet, um ihrem Sohn das Leben zu retten.

Horror-Diagnose für Elliot (4) aus Langen. Eine teure Spezialtherapie ist die letzte Hoffnung für den Jungen.

Langen – Ein Lächeln huscht über Elliots Gesicht. In seiner Mini-Polizeiuniform sieht er fast aus wie ein großer Ordnungshüter. In der Warnweste versinkt der Vierjährige zwar, aber das ist egal – schließlich darf er die Polizeistation in Langen erkunden und in das Polizeiauto hineinschauen. Am liebsten würde er gleich mit den Oberkommissaren Jesko Gandenberger und Mario Hehl auf Verbrecherjagd gehen, so wie er es zuhause beim Legospielen schon häufig geübt hat. „Denn wenn ich groß bin, möchte ich gerne Polizist werden“, sagt der Junge.

Doch der „Bösewicht“, den er dafür besiegen muss, bereitete ihm schlimme Bauchschmerzen: Ein Tumor, der zwischen den Wirbelkörpern seiner Wirbelsäule sitzt. Elliot leidet an einer seltenen Krebserkrankung, die nun überraschend zurückgekehrt ist. Seine Heilungschancen sind gering. Die Eltern Katinka und Sven Peiz setzen alle Hoffnung in eine Immuntherapie, die an einer New Yorker Klinik entwickelt wurde. Um sie zu finanzieren, sammelt die Familie Spenden.

Rette Elliot: Vierjähriger muss schon wieder gegen Krebs kämpfen

Das Perfide: Bereits zum zweiten Mal in seinem kurzen Leben muss der in Langen geborene Junge gegen den Krebs kämpfen. Im Sommer 2017, kurz vor Elliots drittem Geburtstag, stellen die Ärzte an der Frankfurter Uniklinik an seiner rechten Nebenniere einen zwölf Zentimeter großen Tumor fest, ein sogenanntes Neuroblastom (siehe Infokasten). Kurz zuvor war der Kleine mit dem Laufrad gestürzt. „Dabei stieß er sich den Lenker in den Bauch, erschrak sich und weinte, spielte dann aber weiter“, erzählt seine Mutter Katinka Peiz. Aber am nächsten Tag klagt Elliot über Bauchschmerzen, zur Sicherheit bringen ihn seine Eltern ins Krankenhaus. Sie denken an eine Blinddarmentzündung, doch die Schmerzen verursachte der Tumor – mit einem Volumen von mehr als einem halben Liter. Es ist ein Neuroblastom der Stufe vier, der Krebs hat schon „gestreut“, Metastasen im Knochenmark und in den Lymphknoten geschlagen. Für die Langener Familie ein Schock.

Es folgt eine schwere Zeit: Elliot liegt auf der Kinderkrebsstation der Frankfurter Uniklinik: Durch einen sogenannten Hickman-Katheter bekommt der Zweijährige die Chemotherapie verabreicht. Weil der Krebs sehr aggressiv ist, muss der Zweijährige sechs Blöcke der Hochrisiko-Therapie überstehen. „Schon nach dem ersten fielen Elliot die Haare aus, er kämpfte mit Übelkeit und Erbrechen, hatte Schmerzen und große Angst“, schildert seine Mutter. Doch die Strapazen scheinen Wirkung zu zeigen. Schnell wird der Tumor kleiner und Elliot fühlt sich besser. „Wir waren erleichtert und dachten: Elliot schafft das, wir schaffen das!“, erinnert sich Peiz. Im November 2017 operieren die Ärzte Elliot, nehmen den Tumor und seine rechte Nebenniere heraus. Anschließend muss er noch eine Stammzellentransplantation überstehen. Bei einer Größe von 1,08 Meter wiegt er nur noch elf Kilo.

Rette Elliot: Mutter erhält Hiobsbotschaft auf der Arbeit

Doch dann hat Elliot es scheinbar geschafft. Im Frühjahr 2018 gilt er als tumorfrei: Er hat den Bösewicht besiegt und kann sogar in den Kindergarten gehen – sein großer Wunsch. „Wir dachten, wir haben es hinter uns“, sagt Peiz, „und starten in unser normales Leben.“ Elliot musste zwar zu Kontrolluntersuchungen, aber konnte ohne Katheter endlich ins Schwimmbad, spielte Ball, war zum Reiten angemeldet.

Im März erhält Peiz, die in Langen als Ergotherapeutin arbeitet, die Hiobsbotschaft auf der Arbeit: Bei einem routinemäßigen MRT haben die Ärzte eine auffällige Stelle entdeckt. Die schlimmste Befürchtung der Eltern bestätigt sich: Der Krebs ist zurück. Der Tumor ist zwar kleiner, aber er sitzt an einer gefährlichen Stelle – nahe dem Rückenmark am Spinalkanal, weshalb die Gefahr einer Querschnittslähmung besteht. Elliot schien es vor den Ärzten zu wissen. Wenige Woche zuvor hat er beim Legospielen gesagt: „Mama, ich glaube, der Tumor ist wieder da!“. „Doch die Kontrolluntersuchungen liefen bis dato gut und auch die Ärzte waren optimistisch“, sagt Peiz.

Großer Tag für Elliot: Kurz nach dem Start der Spendenaktion lud die Langener Polizei den Vierjährigen auf die Wache ein. Mit den Oberkommissaren Jesko Gandenberger (links) und Mario Hehl schlüpfte er in seine Traumrolle.

Elliot muss wieder zur Chemotherapie

Aktuell muss Elliot wieder eine Chemotherapie über sich ergehen lassen. Er wird innerhalb einer wissenschaftlichen Studie behandelt – und wurde in den experimentellen Teil gelost. „Das Team der Uniklinik ist toll und hat uns da seit 2017 psychisch durchgewuppt, doch jetzt sagen die Ärzte, dass sie Elliot mit dieser Behandlung nicht heilen können“, erzählt Peiz. Schon als es ihrem Sohn wieder besser geht, recherchieren die Eltern aber, welche Behandlungsmöglichkeiten es im Falle eines Rückfalls gibt. „Man hat das jeden Tag im Hinterkopf“, sagt die Mutter. Sie und ihr Mann lesen viele Studien und tauschen sich online mit betroffenen Eltern weltweit aus. Dann stoßen sie auf eine neue Immuntherapie: Dabei soll das Immunsystem lernen, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.

Sie wird in einer Klinik in New York angewandt, die auf das Neuroblastom spezialisiert ist. Nach der erfolgreichen Therapie wird ein Impfstoff verabreicht. Aber die Behandlungskosten sind unglaublich hoch: Die Therapie kostet 200. 000 Euro, der Impfstoff noch einmal dasselbe. „Für meinen Mann und mich war klar, wir müssen das machen! Es ist die beste Chance, die unser Sohn hat“, sagt Peiz. Mit den in Deutschland verfügbaren Therapien liegt die Prognose für Elliot bei zehn Prozent. Durch ihr Netzwerk zu betroffenen Eltern kennt die Familie Beispiele, die ihnen Hoffnungen machen: „Wir wissen von Kindern, die in New York behandelt wurden und heute acht Jahre alt sind – und gesund“, sagt Peiz. Weil die Summe viel zu hoch ist, um sie alleine aufzubringen, hat die Familie die Spendenaktion gestartet und hofft nun, dass schnell genügend Geld für Elliots Therapie zusammenkommt. Damit er mit sieben zur Schule gehen kann, wie er es vorhat. Und später wirklich als Polizist auf Verbrecherjagd gehen kann.

Spenden

Um Elliots Behandlung zu finanzieren, sammeln die Eltern Spenden auf rette-elliot.de. Überweisungen können auf das Konto des Vereins für krebskranke und chronisch kranke Kinder mit der IBAN DE79 5085 0150 0000 7813 20 (Verwendungszweck „Elliot“) oder unter www.paypal.me/retteelliot gezahlt werden.

VON JULIA RADGEN

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