Unabhängigen Gutachter gefordert

Kiesabbau am Langener Waldsee: Streit ist wieder neu entfacht

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Kiesabbau am Langener Waldsee: Der Streit ist wieder neu entfacht.

Die Demonstration „Hände weg vom Bannwald“ vom 16. März hat den erbitterten Streit zwischen Gegnern und Befürwortern des Kiesabbaus am Langener Waldsee wieder einmal befeuert.

Langen – Dass sich sowohl der Langener Magistrat als auch das Regierungspräsidium Darmstadt zu Stellungnahmen veranlasst sahen, zeigt in den Augen des Aktionsbündnisses Langener Bannwald, „dass dem Thema Waldschutz langsam die gebührende Aufmerksamkeit zuteilwird“.

Die beiden Behörden würden dabei „mit intransparenten, für die Bürger nicht nachvollziehbaren Zahlen um sich werfen, um die Praxis der fortwährenden Ausbeutung der Natur zu rechtfertigen“, kritisiert das Aktionsbündnis in einer Antwort. Der „einzige erhellende Aspekt“ sei, „wie viel die Gesundheit der umliegenden Bevölkerung und die Intaktheit des Ökosystems Wald der Stadt Langen wert ist: jährlich 800.000 Euro“.

100 Arbeitsplätze bei der Firma Sehring

Auf die von Behördenseite herausgestellten 100 Arbeitsplätze bei der Firma Sehring entgegnen die Abbaugegner: „Ein Unternehmen, das knappe Ressourcen fördert und vertreibt, ist selbst dafür verantwortlich, den langfristigen Fortbestand des Unternehmens und damit den Erhalt der Arbeitsplätze auf andere Weise zu sichern als dadurch, sich auf die Zusicherung immer neuer Ausbeutungsflächen zu verlassen.“ Und der Sprecherkreis des Aktionsbündnisses mit Matthias Rohrbach, Jaqueline Herth und Luis Martini fragt: „Wie viele Arbeitsplätze sind zudem in der Forstwirtschaft und ähnlichen Bereichen durch den Verlust von Wald in ganz Hessen bedroht oder bereits weggefallen? Wie viele Arbeitsplätze entstehen, wenn der sozialökologische Gesellschaftsumbau mal konsequent angegangen wird?“

Wer im Angesicht der globalen Klima- und Umweltkatastrophen ständig weiter versuche, die Zukunft des Planeten gegen Geld und Arbeitsplätze aufzuwiegen und Raubbau an der Natur als dem Gemeinwohl dienlich verkläre, habe vermutlich schon länger nicht mehr den Blick über den Tellerrand gerichtet.

"Dort entstehen keine zusammenhängenden Ökosysteme"

Die Schaffung sogenannter Biotope und Aufforstungsbemühungen an verschiedenen Orten rund ums Rhein-Main-Gebiet als Ausgleich zum Bannwaldverlust vor Ort hinzustellen, ist nach Ansicht des Aktionsbündnisses unlauter: „Dort entstehen keine zusammenhängenden Ökosysteme, die dem wegfallenden Wald gleichwertig sind. Wälder in und um unsere Ballungsräume sind nicht durch gestückelte Aufforstungen in der Peripherie zu ersetzen.“

Wenn die Firma Sehring ihren Renaturierungs- und Rekultivierungsverpflichtungen angeblich in vorbildlichem Maße nachkomme, sollte es nach Ansicht von Rohrbach, Herth und Martini „kein Problem sein, dies durch einen unabhängigen Gutachter – ausgewählt in Kooperation von Stadt, RP und Aktionsbündnis Langener Bannwald – bestätigen zu lassen“. Dass die Natur sich nicht an Pläne und Vorschriften hält, sei dem Aktionsbündnis durchaus bekannt. „Daher machen wir uns für ein strengeres Waldgesetz und eine Reform des Bergrechtes stark.“

Jederzeit bereit für Gespräche mit dem Magistrat

Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) male ein seltsames Bild ihres Kompetenzbereiches, wenn sie sich in der Bannwaldproblematik einfach mit Verweis auf ihren Vorgänger aus der Verantwortung ziehe, kritisieren die Abbaugegner: „Eine Demokratie lebt schließlich davon, Entscheidungen anpassen und revidieren zu können.“

Rohrbach, Herth und Martini betonen, dass sie jederzeit bereit seien, Gesprächstermine mit dem Magistrat und dem Regierungspräsidium zu vereinbaren, um sich über Ansichten und Ideen auszutauschen. (ble)

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