Eigentümer der Immobilie sucht potenziellen Betreiber

Langener Kino - Happy End wie im schönen Film?

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Trist und grau steht es da, das Kino, in dem Anfang März die Lichter ausgingen. Die Ampel verleitet zum Foto- und Wortspiel, denn die Eigentümer der Immobilie stricken daran, dass es grünes Licht für den Neustart gibt.

Was tut sich eigentlich in der Bahnstraße 73b? Bei Cineasten klingelt’s vermutlich sofort, wenn sie die Adresse hören – die Rede ist vom (ehemaligen) Lichtburg Cinema.

Langen – Der Lack ist dort ab momentan, eine hässliche Lücke erinnert an die Leuchtreklame, die Schaufenster, in denen die Filmplakate hingen, sind leer. „Unser Kino, unsere Stadt, unsere Stadtwerke“, lesen Passanten auf einem Werbeposter des Energieversorgers – schön wär’s! Dürfen die Leute darauf hoffen, irgendwann im Kino an der Einkaufsmeile wieder Filme sehen zu können? Schließlich gibt das Haus mit seinen drei für diesen Zweck hergerichteten Sälen doch gar nix Anders her. Die gute Nachricht: Der berühmte Silberstreif am Horizont zieht auf – losgelöst von dem laufenden Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Lichtburg-Betreiber Bruno Ugazio ist mittlerweile Bewegung in die Frage der Wiederbelebung gekommen.

Langen: Eigentümer in Gesprächen mit einem potenziellen Kinobetreiber

Die fünf Eigentümer der Immobilie stehen laut Auskunft ihres Sprechers Dr. Klaus Müller in aussichtsreichen Gesprächen mit einem potenziellen Kinobetreiber. Dieser bringe das entsprechende, professionelle Know-how mit und habe sich gerade erst vorige Woche – zum mittlerweile zweiten Mal – in Begleitung eines Bausachverständigen mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut gemacht. Musik in den Ohren dürfte allen Kinofreunden folgende Ansage Müllers sein: „Es ist das erklärte Ziel aller fünf Eigentümer, das Kino zu erhalten. Wir wollen das Haus weder verkaufen noch streben wir eine andere Nutzung an!“

Aus Sicht des Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Fabio Algari (Kanzlei hww/Frankfurt), steht Verhandlungen mit potenziellen Kinobetreibern nichts im Wege. „Diese Option ist den Eigentümern durch die schon im Mai erfolgte Rückübertragung der Kinoräume eröffnet worden.“ Ebenfalls in regem Kontakt mit den Eigentümern steht die Stadtverwaltung in Person von Kulturchef Joachim Kolbe. Jener verspricht, jede aus dem Rathaus mögliche Hilfestellung zu gewähren.

So weit, so optimistisch – der Teufel steckt freilich wie üblich im Detail. „Es ist noch ein Haufen Aufklärungsarbeit zu leisten“, fasst Klaus Müller vielsagend zusammen. Dabei hat er weniger die längst nicht ausgestandenen rechtlichen Verstrickungen im Sinn – Eigentümer und Insolvenzverwalter pflegen sachlich angemessene, aber abgesehen davon juristisch-unterkühlte Korrespondenz – als vielmehr baurechtliche Grundsatzfragen, die infolge der Lichtburg-Insolvenz zu klären seien. „Es geht um die bauliche Abnahme des Interieurs, um Elektrik, Brandschutz, Fluchtwege und Ähnliches“, präzisiert Müller.

"Kinobetrieb mit langfristiger Perspektive"

Der Verhandlungspartner und potenzielle Betreiber warte nunmehr auf eine Reihe von Unterlagen, die ihn in die Lage versetzen sollen, Haben und Soll zu kalkulieren und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse zu erstellen. „Jetzt ist aber erst mal Urlaubszeit“, schränkt Müller ein, wohlwissend, dass jeder lieber heute als morgen einen zeitnahmen Termin für den Kino-Neustart in der Zeitung lesen würde. „So weit sind wir noch nicht, aber es sieht nicht schlecht aus. Vielleicht kommen wir im letzten Quartal dieses Jahres entscheidend voran.“

Aus städtischem Blickwinkel bewertet, stimmen die jüngsten Signale ebenfalls optimistisch, wie Joachim Kolbe unterstreicht. „In jedem Fall sollten alle beeinflussbaren Umstände und vertraglichen Regelungen auf einen Kinobetrieb mit langfristiger Perspektive abzielen“, formuliert Kolbe schon mal seine Wunschvorstellung. „Eine Programmgestaltung, die das Langener Kino sein eigenes Profil entwickeln lässt, auf dass es beim Publikum ankommt und der Zuspruch stimmt, wäre aus meiner Sicht der Idealfall.“

Als „ganz am Ende der Liste stehend“ bezeichnet Kolbe die jüngst von den Jusos aufgebrachte Idee eines Bürger- oder Genossenschaftskinos. „Nicht, weil der Gedanke schlecht wäre, sondern weil das sehr, sehr schwierig ist“, urteilt er. „Kinobetrieb erfordert einen hohen Grad an Professionalität, Betriebswirtschaftswissen, Marketing und so weiter – ein ehrenamtlicher Verein könnte das aus dem Stand nicht leisten.“

VON HOLGER BORCHARD

Hier kommen sie, die guten Nachrichten, auf die Kinofreunde in Langen so sehnsüchtig warten: Wo Anfang März 2019 die Lichter ausgegangen sind, werden spätestens im neuen Jahr wieder Kinofilme über die Leinwand flimmern.

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