Zwei Ableger mitten im mecklenburgischen Seenidyll

Hessens Langen ist nicht das einzige Langen

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Im Westen der Sternberger Seenlandschaft liegen Langen Brütz und Langen Jarchow; Schwerin schließt sich links unterhalb des Kartenausschnitts an. 

Kennen Sie Langen? Auf geht’s zu einer weiteren Reise mit dem Finger auf der Landkarte. Die heutige führt hoch in den Nordosten Deutschlands, nach Mecklenburg-Vorpommern, zu zwei Namensvettern, denen theoretisch unser Mitleid gelten dürfte. 

Langen – Sie sind nämlich vergleichsweise winzig, sind weit entfernt davon, sich Stadt nennen zu dürfen, und haben nicht mal ein eigenes Wappen. Die Rede ist von Langen Jarchow (Postleitzahl 19412) beziehungsweise Langen Brütz (19067), zu finden im Landkreis Ludwigslust-Parchim – mitten im Naturpark Sternberger Seenland. Und damit sind wir auch schon bei dem Pfund, mit dem beide Ortschaften beziehungsweise Ortsteile wuchern können und das Masse, Titel oder Wappen locker kompensiert: mecklenburgische Seenlandschaft vom Allerfeinsten im Überfluss.

Über den Daumen gepeilt sechseinhalb bis sieben Stunden muss man im Auto sitzen und dabei schlappe 650 Kilometer zurücklegen, bis man die Zielorte nordöstlich der Landeshauptstadt Schwerin erreicht hat. Die letzten Kilometer folgen der alten hanseatischen Handelsroute Schwerin-Güstrow ins Herz der Sternberger Seenlandschaft mit ihren 90 kleineren und größeren Seen sowie Flüssen. Sternberg ist denn auch neben Warin und Bruel die nächstgrößere Stadt im Umfeld: Auf halber Strecke zwischen Schwerin und Güstrow gelegen, beschert der „staatlich anerkannte Erholungsort“ als Verwaltungssitz unseren beiden Langen-Namensvettern das abgebildete Landkreis-Wappen – geht doch!

Großes Naturschutzgebiet

Gerade mal zehn Kilometer sind’s von Langen Brütz bis Schwerin. Der Ort, der zum Jahreswechsel 480 Einwohner zählte, liegt in der malerischen Endmoränenlandschaft des Warnowtals, höchste Erhebung weit und breit ist der Uhuberg (90 Meter über NN). Und – man lese und staune: 39 Prozent der Gemeinde sind Natur- oder Landschaftsschutzgebiet.

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Langen Brütz und Kritzow. Langen Brütz wird anno 1335 als „Bruseuitz in terra Selesen“ erstmals urkundlich erwähnt. Kritzow bereits 1317. Fünfeinhalb Jahrhunderte später fällt das halbe Dorf dem großen Brand von 1897 zum Opfer. Der Zusammenschluss von Langen Brütz und Kritzow datiert aus dem Jahr des denkwürdigsten aller Fußballspiele zwischen einer bundesdeutschen und einer DDR-Auswahl, sprich 1974.

Noch ein paar Kilometer weiter nördlich von Schwerin als Langen Brütz gelegen ist Langen Jarchow. Zum 1. Januar 2016 fusionierte der Ort mit dem Nachbarn Zahrensdorf und bildet seither die Gemeinde Kloster Tempzin. Dieser gehörten zum Jahreswechsel 557 Einwohner an. In der Nähe wurde ein Urnenfeld aus der älteren Eisenzeit entdeckt. Auch ein Gräberfeld aus der spätrömischen Eisenzeit wurde freigelegt – dort fanden Forscher die „Spange von Häven“.

Von Holger Borchard 

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