"Ich habe es in den Sand gesetzt"

Lichtburg zum Abschied ausverkauft

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Die allerletzten Tickets, das allerletzte Popcorn: Kinobetreiber Bruno Ugazio hat zum Abschluss noch mal volles Haus in der Lichtburg, so richtig darüber freuen kann er sich aber nicht.

Am letzten Wochenende vor der Schließung der Lichtburg stürmen die Zuschauer noch mal ins Kino. Dessen bisheriger Betreiber gibt sich selbstkritisch und hofft, dass sich doch noch ein Nachfolger findet.

Langen – Die Nachricht, dass das Langener Kino seine Pforten am Sonntagabend schließt, hat sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt verbreitet. Ein spontaner Kinobesuch am Sonntag ist unmöglich: „Drachen zähmen leicht gemacht 2“ – ausgebucht, „Ostwind 2“ – ausgebucht. „The Green Book“ und „Captain Marvel“ – ebenfalls kein einziger Platz in der späten Sonntagabendvorstellung mehr zu ergattern.

Die Langener haben die Sitzplätze online gebucht und in dem kleinen Foyer an der Bahnstraße herrscht dichtes Gedränge. Drei Mädchen haben es sich mit etwas betrübten Gesichtern auf der Couch im Foyer bequem gemacht. „Wir wollten Ostwind sehen, aber wir müssen unsere Eltern anrufen, damit sie uns wieder abholen. Es ist ausverkauft. Blöd, jetzt müssen wir in eine andere Stadt fahren, um den Film noch zu sehen“, sagt eine der 14-Jährigen.

Alle Gäste, die gekommen sind, wollen noch mal das lauschige und gemütliche Kino besuchen. Der Verkauf von Popcorn und Getränken floriert, die drei Mitarbeiter hinter den beiden Kassen haben alle Hände zu tun. Und es gibt nur ein Thema: Ist es wahr, dass Kinobetreiber Bruno Ugazio für immer die Pforten schließen muss, weil das Kino in eine Insolvenz gelaufen ist? „Ja, es stimmt leider“, sagt der leidenschaftliche Cineast mindestens ein dutzend Mal.

Als er vor fünfeinhalb Jahren das Lichtburg Kino an der Bahnstraße übernommen hat, habe sich für ihn ein Traum erfüllt, erklärt der Schweizer. Er ist sehr traurig, dass er jetzt so plötzlich schließen muss: „Ich hätte gerne bis Ende Mai weiter gemacht und alle Gutscheine abgearbeitet, die die Leute noch haben. Das Kino wirft dafür auch genug ab. Das ist und war ja auch nie das Problem“, sagt Ugazio. Mit 50.000 Besuchern im Jahr trage sich der laufende Betrieb. „Ich bin einfach ein schlechter Geschäftsmann“, gibt er sich durchaus selbstkritisch, „der Umbau wurde zu teuer. Man hätte es Schritt für Schritt machen müssen. Aber das haben die strengen Brandschutzauflagen ja nicht erlaubt“, benennt Ugazio den Grund für das Aus. Und der ausbleibende Zuschuss der Filmförderung „wegen eines Formfehlers“ sei letztlich das entscheidende Geld, das fehle.

Dennoch blickt der Kinobetreiber jetzt nicht im Zorn zurück: „Ich bin 65 Jahre alt, ich hätte ohnehin irgendwann aufgehört. Ich bin mit nichts gekommen und gehe jetzt auch mit nichts. Was mir aber wirklich wahnsinnig leidtut und was auch kein schönes Gefühl ist: Ich hätte das Kino gerne in gute Hände weitergegeben und es würdig zu Ende gebracht. Die Säle sind jetzt renoviert, die Langener lieben es, es trifft mich schon, dass es so enden muss. Ich habe es in den Sand gesetzt.“

Aber der Kinobetreiber ist dennoch optimistisch, was die Zukunft der Lichtburg betrifft. Der Eigentümer des Gebäudes in der Bahnstraße 73b habe ihm gesagt, dass er das Kino für die Stadt erhalten wolle. „Ich habe ihm schon vier mögliche Interessenten vermittelt, ein fünfter hat jetzt bei mir angefragt. Es wäre schön, wenn es irgendjemand gibt, der das weiterführt, was ich hier begonnen habe“, hofft Bruno Ugazio.

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Martina Krüger ist unmittelbare Nachbarin und kommt am späten Sonntagnachmittag vorbei, um den Kino-Mann persönlich zu fragen, was eigentlich passiert ist. Sie kann es kaum fassen: „Das Kino gehört zum Charme dieser Stadt. Es wäre fatal, wenn es diesen Anlaufpunkt in Langen nicht mehr gibt“, sagt Krüger. „Vielleicht sollten wir eine Spendenaktion starten“, regt die Langenerin an.

Auch die Mitarbeiter sind verständlicherweise sehr traurig, als am Sonntagabend der zunächst einmal letzte Film auf der großen Leinwand gestartet wird: „Ich hoffe, dass sich doch noch eine Nachfolge ergibt. Wir sind ein so tolles Team, es macht einen solchen Spaß, hier zu arbeiten. Und das Kino ist natürlich auch wichtig für Langen“, sagt Michelle Seibert, die sich neben ihrem Studium ein paar Euro in der Lichtburg dazu verdient.

Vorerst müssen die Langener in die großen Kinos in Dramstadt, Frankfurt oder Offenbach oder aber in die kleinen Häuser in den Nachbarstädten Dreieich oder Rödermark ausweichen. Aber vielleicht tut sich ja doch noch was an der Bahnstraße ...

Von Nicole Jost

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