Wo Geschichte auf Gegenwart trifft

Neuer Gedenkstein auf Wilhelm-Leuschner-Platz unterstreicht historische Bedeutung

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Feierliche Enthüllung: Gemeinsam übergeben (von links) der Heimatkundige Reinhold Werner, Erster Stadtrat Stefan Löbig, Stadtarchivar Heribert Gött und VVV-Vorsitzender Walter Metzger den Findling mit der historischen Tafel seiner öffentlichen Bestimmung.

Der Wilhelm-Leuschner-Platz liegt mitten in der Altstadt. Am Fuße der Stadtkirche lädt er nicht nur jeden Samstag zum regen Markttreiben und alljährlich zum Ebbelwoifest ein, er erzählt auch historische Geschichten.

Langen – Um die Langener sowie Besucher des Platzes auf die geschichtliche Dimension des Orts aufmerksam zu machen, wurde nun ein Gedenkstein für Langens historisches Herz enthüllt.

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) hat mit Unterstützung der Kommunalen Betriebe (KBL) und der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH einen Findling mit einer Gedenktafel versehen. Ähnliche Hinweise zu historischen Stätten gibt es mehrfach in der Stadt. Die Informationstafeln wurden auf Initiative der Heimatkundigen und Kulturpreisträger Heribert Gött, Gerd Grein, Peter Holle, Frank Oppermann sowie Reinhold Werner angebracht.

„Mit diesem neuen Stein möchten wir ein weiteres Stück Geschichte in die Stadt bringen“, fasst VVV-Vorsitzender Walter Metzger in seinem Grußwort zur offiziellen Enthüllung die Intension der Urheber zusammen. „Dass der Wilhelm-Leuschner-Platz als Herzstück Langens mit seiner historischen Vergangenheit der nächste Ort ist, den ein solcher Gedenkstein zieren sollte, lag nahe.“

Erster Stadtrat Stefan Löbig gibt einen kurzen historischen Abriss zur Geschichte des heutigen Wilhelm-Leuschner-Platzes und erinnert: „Einst hieß er Kirchplatz – in Anlehnung an die dort errichtete Jakobskirche aus dem 16. Jahrhundert, ihres Zeichens Vorgängerin der heutigen Stadtkirche.“

Der Neubau der Kirche war beileibe nicht die einzige architektonische Veränderung. So wurde zum Beispiel das mittelalterliche Rathaus aus dem 15. Jahrhundert anno 1845 bei einem Brand zerstört. Das neu errichtete Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite dient heute als Stadtmuseum und Standesamt. Der Vierröhrenbrunnen aus der Renaissance ist das einzige Werk, das alle Veränderungen am und um den Platz unbeschadet überstanden hat. War er einst für die Trinkwasserversorgung der Langener unentbehrlich, so bedient er heute einmal im Jahr Freunde des Apfelweins mit dem hessischen Nationalgetränk – ab Freitag ist’s wieder so weit ...

Immer wieder geschehe es am Wilhelm-Leuschner-Platz, dass Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen, spinnt Stefan Löbig den Erzählfaden weiter. Kulturpreisträger und Stadtarchivar Heribert Gött ergänzt, dass der Platz abgesehen von seiner historischen eben auch eine lebendige, pulsierende Seite habe: „Hier schlägt das wahre Herz unseres Städtchens, hier wird ‚gedaaft‘, getrunken und gesungen.“

Wer sich über den historischen Ort erkundigen möchte, an dem die Langener trinken und singen, hat mit dem nun enthüllten Gedenkstein eine Anlaufstelle. „Der Findling vom Steinberg hielt einige Jahre seinen Dornröschenschlaf auf dem Bauhof. Jetzt hat er etwas zu erzählen – und das nicht nur auf Deutsch, sondern auch in Englisch und Französisch“, stellt Löbig fest.

Zusammen mit Gött und Metzger enthüllt der Erste Stadtrat, begleitet vom Bläsertrio der Musikschule, den Gedenkstein. Platziert wird er mit Blickrichtung zur Stadtkirche. Um ihn herum liegen einige Platten, die aus der früheren Umrandung des Sterzbachs in der Bachgasse stammen.

Heribert Gött, seines Zeichens pensionierter Deutschlehrer der Dreieichschule, beschließt den Festakt mit einem Goethe-Zitat. Der Dichterfürst war zeitlebens ein gern gesehener Gast in Langen. Gött zitiert aus Goethes Meisterwerk „Faust“ und lässt passend dazu den Blick über Langens Alststadt-Herz schweifen: „Hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“

von Julia Lotz

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