Radschnellverbindung

Parkhaus für 400 Räder als Clou: Deutlich mehr Komfort für Radler am Langener Bahnhof

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Abstellflächen für Räder sind Mangelware rund um den Europaplatz; die begehrten Abstellboxen sind auf lange Sicht ausgebucht. Abhilfe schaffen soll ein Fahrradparkhaus mit 400 Plätzen für rund 600 000 Euro.

Die Radschnellverbindung von Darmstadt nach Frankfurt erfordert auch in Langen eine zeitgemäße Streckenführung, die sowohl sämtlichen Verkehrsteilnehmern als auch der Grundidee des schnellen Radler-Vorwärtskommens Rechnung trägt.

Langen – Als neuralgischer Punkt entpuppt sich der Bereich rund um den Bahnhof. Der Magistrat setzt dort auf ein von einem Heidelberger Fachbüro entwickeltes Konzept, das auf eine rundweg komfortablere Infrastruktur abzielt. Ein „Bonbon“: ein Parkhaus für circa 400 Räder.

Die zwischen der Stadt und der Rhein-Main-Südwest GmbH vereinbarte Planung sieht vor, dass die Radschnellverbindung von der Westseite der Liebigstraße her kommend in Höhe der Zufahrt zum Park-and-ride-Platz abbiegen und sodann auf einem neuen, vier Meter breiten Bordsteinradweg hinter den Buswartepositionen zum Bahnhofsvorplatz führen wird. Da Busse an dieser Stelle nur warten, aber Fahrgäste weder ein- noch aussteigen, kommt Radfahrern dort niemand in die Quere.

Vorsicht walten lassen müssen Radfahrer und Fußgänger laut Magistrat allerdings auch weiterhin auf dem gepflasterten Bahnhofsvorplatz. „Er soll als sogenannte Shared-Space-Fläche belassen werden“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Bedeutet: Einen markierten Radweg soll es auf diesem Abschnitt weiterhin nicht geben – niemandem wird Vorrang eingeräumt. „Freilich wird genau zu beobachten sein, ob dieses Modell in der Praxis funktioniert oder ob nachjustiert werden muss“, merkt Gebhardt an.

Die Bahnhofsanlage soll als Fahrradstraße ausgeschildert werden. Dort sollen Radler Vorfahrt haben, in beide Richtungen die gesamte Fahrbahnbreite nutzen und nebeneinander fahren dürfen. Autos blieben jedoch nicht außen vor. Für sie wäre die Bahnhofsanlage weiterhin eine Einbahnstraße in Richtung Süden.

Wegfallen müssten indes die rund 20 Längsparkplätze an der Westseite der Bahnhofsanlage. Als Ersatz bringen die Heidelberger Fachleute einen neuen Park-and-ride-Platz nördlich der bestehenden Autoabstellflächen ins Spiel. Unangetastet bliebe die Baumreihe an der Anlage. Die Kosten für diesen Abschnitt würden mit etwa 30 000 Euro im Rahmen bleiben; tragen würde diese vor allem das Land.

Verständigt hat sich der Magistrat in der jüngsten Sitzung auf den Bau eines Fahrradparkhauses. „Fakt ist, dass die knappen Flächen rund um den Europaplatz vor allem auf Auto-Pendler zugeschnitten sind“, sagt Gebhardt. „Die jetzige Gestaltung entstand 1997 im Zuge der S-Bahn-Einführung.“ Die zwischenzeitlich errichteten Radabstellanlagen reichten vorne und hinten nicht aus, der Bahnhofsvorplatz sei definitiv an der Kapazitätsgrenze angelangt. Klares Indiz: „Wer eine der begehrten, abschließbaren Fahrradboxen mieten will, muss sich auf jahrelanges Warten einrichten“, so Gebhardt.

Auf der Ostseite des Bahnhofs gibt es südlich des Park-and-ride-Platzes 40 Boxen. Hinzu kommen etwa 220 frei zugängliche Plätze zum Anschließen der Räder. In der Realität wird darüber hinaus praktisch jede geeignete Stelle genutzt, um Räder abzuschließen, so etwa die Zäune der Fahrradboxen. Das Konzept des Fachbüros beinhaltet ein Parkhaus, in dem rund 400 Räder wettergeschützt und diebstahlsicher abgestellt werden könnten. Gebaut werden soll es auf der Fläche der bisherigen Boxen, sprich in direkter Nähe zu den Bahnsteig-Zugängen. Für die Radlergroßgarage müssten circa 40 Autoparkplätze in Anspruch genommen werden, kosten würde sie schätzungsweise 600 000 Euro. „Mit den Investoren der geplanten Baugebiete an der Liebigstraße ist vereinbart, dass sie sich mit 110 000 Euro beteiligen. Abgesehen davon gibt es diverse Fördertöpfe, aus denen wir für das Parkhaus schöpfen könnten“, sagt der Rathaus-Chef.

Im Zuge der Umgestaltung könnten auch gleich die Taxistände neu geordnet werden. Gegenwärtig stehen Taxis ohne wirkliches System am Treppenaufgang der Fußgängerunterführung. Künftig sollen sie sich in Reih und Glied an zwei Seiten des Radparkhauses aufstellen, blieben somit weiter zentral und gut sichtbar.

Der derzeitige Park-and-ride-Platz direkt am Bahnhof verfügt über 64 Autostellplätze. 53 kommen auf einer Fläche hinzu, die sich im Norden anschließt und später angelegt wurde. Das Konzept sieht vor, die 37 verbleibenden Pkw-Stellplätze auf dem südlichen Teilstück nach dem Bau des Fahrradparkhauses und der Neuordnung der Taxi-Aufstellfläche ausschließlich für Kurzzeitparker vorzuhalten.

Sämtliche wegfallenden Parkplätze – „auch die an der Bahnhofsanlage und sogar die provisorischen Senkrechtparker an der Liebigstraße“, so Gebhardt – könnten durch eine neue Fläche für gut 70 Autos kompensiert werden, die im Norden ans bestehende Parkareal anschließen würde und der Stadt gehört. Die Investition für Neu- und Umbau der Park-and-ride-Plätze beziffert der Magistrat auf gut eine Million Euro. Diese Summe könnte wieder „reingeholt“ werden, sofern das Parken nicht mehr zum Nulltarif, sondern gegen Gebühr angeboten würde – diese Diskussion ist erst noch zu führen, auch unter dem Aspekt der finanziellen Gleichbehandlung von Auto- und Radfahrern.

Frieder Gebhardts Fazit: „Die Bahnhofsostseite als eigentliche Stadteingangsseite“ sollte möglichst vielen Langenern ein attraktives Angebot zum Umsteigen auf den Schienenverkehr bieten. Neben dem gut funktionierenden Busbahnhof solle der Schwerpunkt auf dem Fahrrad- und dem Pkw-Kurzzeitparken liegen. Das Konzept zur Umgestaltung des Bahnhofs-Areals beschäftigt am Mittwoch, 8. Mai, den Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr und am Donnerstag, 23. Mai, die Stadtverordnetenversammlung (jeweils ab 20 Uhr im Rathaus).

VON HOLGER BORCHARD 

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