Junge Leute werben junge Leute

Stadtverwaltung in Langen setzt auf die Überzeugungskraft ihrer Azubis

+
Das Pferd mal andersrum aufgezäumt: Auszubildende aus dem städtischen Verwaltungsbereich werben um Nachwuchskräfte. Die aktuelle Kampagne ist das Produkt monatelanger Teamarbeit.

Um qualifiziertes Personal ins Boot zu holen, geht man im Langener Rathaus neue Wege: Der eigene Nachwuchs rührt auf dem Ausbildungsmarkt die Werbetrommel. 

Langen – Die städtischen Azubis aus dem Verwaltungsbereich haben über Wochen und Monate an der Kampagne „Dein Weg ins Berufsleben bei der Stadtverwaltung“ gefeilt. Nun, mit Ende der Sommerferien, soll diese ihre öffentliche Wirksamkeit entfalten – Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass sich die Zielgruppe der jungen Leute im Zweifelsfall von Gleichaltrigen mehr angesprochen fühlt, als von Stellenanzeigen und Personalbüro-Dekreten herkömmlicher Machart.

Es gab Zeiten, da mussten junge Leute auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle Klinken putzen. Heute läuft’s eher umgekehrt – wovon Regina Braun, Ausbildungsleiterin bei der Stadt, ein Liedchen zu singen vermag. „Inzwischen buhlen Arbeitgeber um den Nachwuchs, der zu großen Teilen lieber gleich von der Schule ins Studium wechselt, als eine Lehre zu beginnen“, schildert Braun ihre Erfahrungen. Löse man die Gleichung dann noch über Variablen wie Wollen und Können auf, bleibe gemeinhin eine überschaubare Endauswahl: „50 Kandidaten sind beim letzten Mal infrage gekommen – gerade mal 25 von ihnen haben sich tatsächlich vorgestellt“, nennt Braun ernüchternde Zahlen.

„Marketing-Offensive“ aus dem eigenen Stall

Kein Wunder also, dass man im Rathaus in die „Marketing-Offensive“ aus dem eigenen Stall große Hoffnungen setzt. Im Rahmen ihrer wöchentlichen Kampagnentreffen haben die Rathaus-Azubis Ansprache-Strategien entwickelt, Fotos geschossen und schließlich Flyer und Werbeplakate entworfen, die nun im Stadtgebiet verteilt und plakatiert werden. Kurz und prägnant sollen diese deutlich machen, wie „Dein Weg ins Berufsleben bei der Stadtverwaltung“ aussehen kann. Natürlich geht das Material ebenfalls zur Verteilung an Schulen, und zwar in Langen und Dreieich.

Das Plakat zur Werbekampagne der Azubis.

Parallel werden die Stadt-Azubis persönliche Kontakte zu den Schulen knüpfen, um den Jahrgängen neun bis elf die Ausbildung in der Verwaltung schmackhaft zu machen und Fragen zu beantworten. So hat sich beispielsweise Noa Giulia Macaluso, die im Rathaus im zweiten Jahr zur Verwaltungsfachangestellten ausgebildet wird, über die Initiative „Ausbildungsbotschafter“ der Industrie- und Handelskammer Offenbach auf Schulbesuche vorbereiten lassen.

„Das ist eine vorbildliche Initiative“

Die Frische und die Freude am Tun, die „sein“ Nachwuchs bei der Kampagne an den Tag legt, stimmen Bürgermeister Frieder Gebhardt stolz und zuversichtlich. „Das ist eine vorbildliche Initiative. Ihre jungen Macher verleihen dem Ganzen Authentizität – und hoffentlich den gewünschten Erfolg!“

Die Werber zielen bereits auf das nächste Jahrzehnt ab. Zum 1. August beziehungsweise 1. September 2020 wird die Stadtverwaltung in der Lage sein, maximal 54 Ausbildungs- und Praktikumsstellen vorzuhalten – im Einzelnen für künftige Verwaltungsfachangestellte und Beamte (Studiengang Bachelor of Arts – Public Administration), Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste sowie Fachkräfte für Veranstaltungstechnik. Einen Schwerpunkt im Ausbildungsangebot bilden die Kitas. Aus gutem Grund: „Für sie sucht die Stadt ständig qualifiziertes Personal“, sagt Gebhardt. Sowohl dort als auch in der Flüchtlings- und Obdachlosenhilfe, beim Brand- und Zivilschutz sowie in Kultur und Sport werden ferner Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr mit offenen Armen empfangen.

Holger Borchard

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare