Bekenntnis zur Altstadt

Sparkasse in Langen - Neue Nutzung für das Stammhaus der Bank

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Innerlich und äußerlich fit für die Zukunft: Das Stammhaus der Sparkasse am Wilhelm-Leuschner-Platz wird für rund eine Million Euro aufgehübscht und umgebaut.

Erst die Schließung der Geschäftsstelle, dann Bauarbeiten am Gebäude am Wilhelm-Leuschner-Platz – logisch, dass da Gerüchte aufkommen. Doch Walter Metzger, Sprecher der Sparkasse Langen-Seligenstadt, sagt ganz klar: „Die Sparkasse verabschiedet sich nicht aus der Langener Altstadt.“

Langen – Allerdings ändert das Geldinstitut die Nutzung. Das 1887 erbaute Gebäude mit der Adresse Wilhelm-Leuschner-Platz 8 (früher: Ludwigsplatz) hat in der Geschichte der Sparkasse eine große Bedeutung: Bis zum 23. Oktober 1973 war es die Hauptstelle der damaligen, 1844 gegründeten Bezirkssparkasse Langen, dann erfolgte der Umzug in den Neubau an der Zimmerstraße. Deshalb habe in allen Gremien Einigkeit geherrscht: „Verwaltungsrat und Vorstand bekennen sich ausdrücklich dazu, das Stammhaus aufzuwerten“, betont Metzger. In Kürze sollen dort ein neues Vermögensmanagement-Center sowie ein digitales Beratungscenter entstehen.

Doch noch einmal zurück in die Vergangenheit: Im Jahr 1954 entstand ein Anbau mit einer Schalterhalle, die bis vor Kurzem auch als solche genutzt wurde. „Von hier aus wurden damals die Geschäfte im kompletten Westkreis und Dietzenbach gesteuert“, sagt Metzger beim Ortstermin. Mitte der 1950er Jahre gab es nur noch eine Hauptzweigstelle in Neu-Isenburg sowie je eine Nebenzweigstelle in Egelsbach und Sprendlingen, ab 1957 auch in Dietzenbach. Erst Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre wurde das Zweigstellennetz ausgebaut. „Damals gab es den Spruch: Wo ein Tante-Emma-Laden rausgeht, geht eine Sparkassen-Zweigstelle rein“, erinnert sich Metzger.

Lang ist’s her: Das Haus im Jahr 1919 noch mit Klinkerfassade (wie das benachbarte Wohnhaus heute noch), daneben das Germania Denkmal.

Nach dem Bezug des Gebäudes an der Zimmerstraße blieb das Stammhaus als Geschäftsstelle in Betrieb. Gerade in jüngerer Zeit ließ durch Internetbanking & Co. der Besuch von Kunden aber stark nach. Die Schalterzeiten wurden nach und nach reduziert auf zuletzt noch drei Vor- und zwei Nachmittage in der Woche. „Doch am Ende sind an manchen Tagen noch drei Kunden gekommen“, berichtet Metzger. Das mache nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn, es sei auch den Mitarbeitern nicht zuzumuten. „Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten“, sagt der Sparkassen-Sprecher. Zumal sich gezeigt habe, dass – anders als vielfach gedacht – auch ältere Menschen der neuen Technik gegenüber sehr aufgeschlossen seien.

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Auch die Geschäftsstelle an der Ecke Bahn-/Friedrichstraße werde in Kürze geschlossen, kündigt Metzger an. Dieser Standort solle (unter anderem bedingt durch die schlechten Parkmöglichkeiten) sogar ganz aufgegeben werden. Dafür stehe aber schon fest, dass nach der Fertigstellung des neuen Ladenzentrums an der Liebigstraße eine SB-Stelle eingerichtet wird – wie am Wernerplatz gemeinsam mit der Volksbank Dreieich.

Die Selbstbedienungs-Geräte dürften auch das sein, was im Stammhaus künftig am stärksten frequentiert wird. Doch es wird auch weiterhin Kundenverkehr geben, dann aber nur noch nach voriger Terminabsprache: Mitte Oktober eröffnet das Vermögensmanagement-Center für Langen und Egelsbach am Leuschner-Platz. Mindestens sechs Betreuer werden dann umfangreiche Kundenberatungen anbieten.

Beraten wird von dort aus zudem bald auf anderen Wegen: In der Altstadt wird eine ganz neue Einheit für die Kundenbetreuung auf elektronischen Wegen geschaffen. Das digitale Beratungscenter mit zunächst fünf Betreuern tritt mit den Kunden telefonisch oder per Videoübertragung via Computer, Tablet oder Ähnlichem in Kontakt – und nutzt dabei auch Screensharing und Co-Browsing (Berater und Kunde sehen auf ihren jeweiligen Bildschirmen das gleiche). „Eine Zukunftsphilosophie, die von den Kunden immer stärker nachgefragt wird“, sagt Metzger.

Neben diesen beiden Beratungsabteilungen finden auch die Mitarbeiter der Verwaltung ihren Platz im Stammhaus. Das wird im Augenblick saniert und für die neuen Anforderungen fit gemacht. Insgesamt investiert die Sparkasse Langen-Seligenstadt in der Altstadt rund eine Million Euro.

Markus Schaible

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