Gut, schlechter, Liebigstraße

Straßenzustandskataster auf neuesten Stand gebracht

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Stoßdämpfer-Teststrecke: Die Liebigstraße zwischen Bahnhof und Neurott führt die Hitparade der Sanierungsfälle an. Immerhin: 2020 soll die Piste – unter kräftigem Zutun der dortigen Bauträger – runderneuert werden.

Exakt 243 Straßen, benamt von A wie Adolph-Kolping- bis Z wie Zinkeysen, bilden aktuell das 130 Kilometer lange städtische Verkehrswegenetz.

Langen –  Acht Prozent der Straßen – nach Adam Riese also circa 20 an der Zahl – sind in einem derart abgerockten Zustand, dass sie lieber heute als morgen grundhaft erneuert werden sollten. So zumindest empfiehlt es das frisch überarbeitete Straßenzustandskataster.

Den Stadtverordneten, die sich am Mittwoch, 14. August, im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr (Rathaus, 20 Uhr), erstmals mit den aktualisierten Zustandsbeschreibungen befassen werden, dient das Kataster als Prioritätenliste, an der sich die Bewilligung von Geldern für den Straßenunterhalt orientiert. Das Budget ist nach wie vor überschaubar, sodass Carsten Weise, Leiter des zuständigen Fachbereichs im Rathaus, die Perspektive für 2020 schon mal absteckt: „Wenn es gelingt, die Liebigstraße zu sanieren, ist viel gewonnen – viel mehr Spielraum wird dann aber auch nicht bleiben.“

Wieso die Liebigstraße? Sie ist Spitzenreiter der Kategorie „sehr schlecht“, die die acht Prozent der „vordringlich und überfällig zu sanierenden“ Straßen subsumiert. Weitere Beispiele wären die Rheinstraße und die Schafgasse. Allerdings haben diese für den innerstädtischen Verkehrsfluss untergeordnete Bedeutung, was für die Priorisierung eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Bewertungen von Note eins (sehr gut) bis acht (sehr schlecht) haben Fachleute der Darmstädter Durth Roos Consulting GmbH vergeben. Die Externen waren im Auftrag der Kommunalen Betriebe Langen (KBL) mehrere Wochen unterwegs, um das Straßennetz inklusive Gehwegen, städtischen Parkplätzen und weiteren öffentlichen Verkehrsflächen unter die Lupe zu nehmen. Resultat: Mehr als die Hälfte der Pisten gehen als gut (22 Prozent) beziehungsweise mittelmäßig (34) durch, ein Drittel erhielt die Einstufung „schlecht“.

Letzteres klingt happig, doch kurioserweise wies der Zustandsbericht von 2013 noch mehr als die Hälfte aller Langener Straßen als schlecht aus. „Die durchaus erfreuliche Wahrnehmungsverschiebung dürfte auch damit zusammenhängen, dass Straßen an der Schwelle von mittelmäßig und schlecht von Ausbesserungsarbeiten profitiert haben“, merkt Bürgermeister Frieder Gebhardt an. Schließlich stehe die Stadt permanent in der Verkehrssicherungspflicht, mit der Folge, dass die KBL ganzjährig zum Werkzeug griffen, um größere Schäden auszubessern. „Außerdem basiert die Bewertung auf visuellen Merkmalen und da gibt es immer Spielräume“, fügt Gebhardt hinzu.

Einen weiteren erfreulichen Sprung gibt es beim Anteil der sehr guten Straßen, der von 0,3 Prozent 2013 auf nun 6,6 Prozent gestiegen ist. Die Erklärung ist naheliegend und schlüssig: Die rege Bautätigkeit, gerade im Norden, hat Langen nicht nur neue Häuser, sondern auch neue Straßen beschert.

Die Katasteruntersuchungen werden mit „rathausinternen Bordmitteln“ alle zwei Jahre aktualisiert und im Fünfjahresrhythmus im großen Rahmen niedergelegt und veröffentlicht. Mit den Darmstädtern hat die Stadt im Übrigen neue Fachpartner an Bord, deren Vorgehen Gebhardt überzeugt. „Die Inaugenscheinnahme vor Ort liefert präzise, verlässliche Entscheidungsgrundlagen.“ In der Vergangenheit sei es gängig und allgemein anerkannt gewesen, den Zustand einer Straße anhand von Parametern wie deren Alter oder der Verkehrsdichte statistisch hochzurechnen.

VON HOLGER BORCHARD

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