Von der SSG in die Bundesliga

Zwei Jungfußballerinnen gehen ihren Weg und träumen vom Nationalteam

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Leonie Gosch (links) im Zweikampf. Die 14-Jährige spielt in der U 16-Mannschaft des 1. FFC Frankfurt.

Pass, Schuss, Tor: Auf dem Spielfeld haben Nele Kegler und Leonie Gosch das Heft in der Hand. Seit mehr als neun Jahren spielen die Langenerinnen Fußball – nun sind sie auf bestem Weg, in große Fußstapfen zu treten.

Langen – Beide zählen zu den 16 Kickerinnen des Hessenkaders, der dieser Tage um den Länderpokal gespielt hat. Der Wettbewerb der Verbände der Bundesländer stellt zugleich die Sichtung für die Jahrgangs-Nationalteams dar.

Angefangen hat alles 2010 bei der SSG Langen. Unter Trainer Gianluca Strada macht das Duo die ersten Schritte mit dem Ball. Nach der Saison bei den Bambini sollen beide in die Mädchenmannschaft aufrücken. „Doch das wollten sie einfach nicht. Also sind sie direkt bei mir ins Jungenteam eingestiegen – und sie wussten, sich zu behaupten“, erzählt Strada.

Der Coach erkennt seinerzeit schon, dass Kegler und Gosch besonderen Fußball spielen und enormes Potenzial haben. Bis zur D-Jugend spielen Kegler und Gosch ausschließlich in Jungenmannschaften, helfen aber gelegentlich auch im Mädchenteam der SSG aus: „Damals war die Umstellung von den Jungs zu den Mädchen immer wieder groß“, stellen sie unisono fest.

Nach der vierten Klasse wechselt Nele Kegler nicht auf eine weiterführende Schule in Langen, sondern direkt auf die Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt – eine Sport- und Eliteschule des Fußballs. Neben dem Schulalltag steht dort drei Mal in der Woche Fußball auf dem Programm. „Durch den vielen Sport kann ich noch mehr Erfahrungen sammeln und mich immer weiter steigern“, weiß Kegler. Unter Trainer Niko Arnautis, der seit zwei Jahren den 1. FFC Frankfurt in der 1. Frauen-Bundesliga führt, profitiert sie von den besten Voraussetzungen. Ein knappes Jahr später zieht es auch Gosch an die Frankfurter Schule.

Mit der Zeit sammelt das Duo viel Erfahrung und nimmt jährlich am Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ teil. Die Gegner in der hessischen Umgebung besiegt ihr Schulteam stets mühelos und nimmt daher ausnahmslos an den Bundesfinals teil. Ein Höhepunkt ist der Gewinn des deutschen Schulmeister-Titels 2016 in Bad Blankenburg. Die Neuntklässlerinnen sind sich jedoch einig: „Das jüngste Bundesfinale in Berlin war auch sehr eindrucksvoll.“

Zur Saison 2015/16 werden die Langenerinnen in die Regionalauswahl Frankfurt berufen und nehmen unter Auswahltrainer Giuseppe Conigliaro an mehreren Vergleichen mit hessischen Stützpunkten teil. Dank der guten Ausbildung bei der SSG Langen wird anno 2016 der 1. FFC Frankfurt auf die Ausnahmespielerinnen aufmerksam. Noch im selben Jahr wechseln beide zum erfolgreichsten Frauenfußballklub Europas an den Main. In der U 15-Hessenliga kristallisiert sich das Duo schnell als starker Sturm heraus. Durch die langjährige Vertrautheit miteinander geht’s vorm Tor gerne ruck, zuck: Flanke – Doppelpass – Abschluss und Tor!

Zurzeit spielt Leonie Gosch in der U 16-Mannschaft des 1. FFC Frankfurt und mischt als Stammspielerin die Hessenliga auf. Nele Kegler hat vor einigen Monaten die Möglichkeit bekommen, im U17-Bundesligateam zu trainieren. Bei einigen Testspielen zeigte sie bereits starke Leistungen und wartet nun auf ihren ersten Bundesligaeinsatz.

Das Zweitspielrecht beider Fußballerinnen liegt freilich bis heute bei Langener Fußballvereinen. 2016 wechselt Gosch von der SSG zum 1. FC Langen. Im vergangenen Jahr folgt ihr auch Kegler – die Wege der beiden scheinen sich nicht zu trennen.

Stammgast ist das Tandem ebenfalls in der Auswahl des Hessischen Fußballverbands. Kegler wird ab 2016 zunächst zu den Lehrgängen der U 12 berufen, ab 2017 zu jenen der U 14. Gosch stößt 2018 hinzu. Oft nehmen beide mehrmals im Monat den Weg zum Stützpunkt nach Grünberg auf sich, wo sie sich Woche für Woche neben mehr als 50 Kickerinnen behaupten müssen. Aktuell spielen beide in der U 16-Hessenauswahl, womit sie dauerhaft unter Beobachtung und den Fittichen von Verbandstrainerin Barbara Wolinski stehen.

Das Ziel aller Nominierten ist die Teilnahme am DFB-Länderpokal, der alljährlich in Duisburg ausgetragen wird. Es ist die höchste Ebene, die eine Jungfußballerin in Hessen erreichen kann. Während die 16 Bundesländer ihren Sieger ermitteln, geschieht das Entscheidende am Spielfeldrand: Die Bundestrainerin ist mit ihrem Trainerstab vor Ort und sichtet Spielerinnen für die Nationalkader – der Traum jeder Fußballerin.

Erst vor wenigen Wochen hatten die Langenerinnen erfahren, dass sie beim Länderpokal 2019 im Hessenkader stehen werden und mit Beginn der Osterferien um den Titel kämpfen dürfen: „Es ist wirklich eine Ehre, da mitzuspielen und sich mit den Besten der Besten zu messen“, freuen sich beide. „Unser großes Ziel ist aber natürlich, einmal das Trikot mit dem Bundesadler tragen zu dürfen“, sind sich die Freundinnen wieder mal einig.

Von Moritz Kegler

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