Geringe Kosten, großer Nutzen

Langen hofft, noch Teil der Regionaltangente West zu werden

Langen - Die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung für den Südabschnitt der Regionaltangente West geht dem Ende zu – noch ist Langen bei der Planung der neuen Bahnverbindung außen vor. Doch das könnte sich noch (rechtzeitig) ändern. Von Markus Schaible 

Immer mehr gewichtige Stimmen fordern eine Anbindung der Stadt. Und eine Untersuchung der Deutschen Bahn besagt, dass sie kostengünstig und bahnbetrieblich möglich ist. „Die Regionaltangente West ist eine geplante Regionalstadtbahn-Verbindung im Rhein-Main-Gebiet. Durch sie soll eine direkte Verbindung zwischen dem Hochtaunuskreis (Bad Homburg, Oberursel und Steinbach), dem Main-Taunus-Kreis (Eschborn und Sulzbach), Frankfurt Höchst, dem Flughafen Frankfurt am Main und dem Kreis Offenbach (Neu-Isenburg und Dreieich) entstehen.“ So steht es unter der Rubrik „Daten und Fakten“ auf der Internetseite der RTW zu lesen – kurz und bündig zusammengefasst. Dahinter verbirgt sich das wohl ambitionierteste Projekt im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Hessen seit Langem. Doch dieses hat nach Ansicht nicht nur der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung in Langen, sondern auch vieler unmittelbar Beteiligter noch ein großes Manko: Die Trasse soll im Süden in Buchschlag enden – somit fehlen drei entscheidende Kilometer bis nach Langen.

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre wird über die Regionaltangente nachgedacht, aktuell befindet sich das Vorhaben aber in einer überaus wichtigen Phase: Für den Südabschnitt läuft die „Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“, für den Nordabschnitt bereits die Planfeststellung. Insofern ist aus Langener Sicht ein Handeln dringend erforderlich, bevor planungsrechtliche Fakten geschaffen wurden. Und deshalb wurden in den vergangenen Wochen auch viele und intensive Gespräche geführt.

Im Mai 2014 war es, als die damaligen Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr ziemlich unverblümt mitteilten, dass eine Verlängerung der Bahn nach Langen – unter anderem wegen hoher Kosten für neue Gleisanlagen – relativ utopisch sei. Doch eine neue verkehrstechnische Untersuchung der Deutschen Bahn, von Langens Stadtverordneten vergangenen August einstimmig in Auftrag gegeben, besagt, wie Erster Stadtrat Stefan Löbig bestätigt: Die Verlängerung ist möglich, es gibt sogar verschiedene Varianten. Und eine davon wäre relativ günstig zu realisieren: Die Nutzung der bestehenden S-Bahn-Trasse – trotz unterschiedlicher Fahrtgeschwindigkeiten von S-Bahn- und RTW-Zügen. Dabei wäre auch eine spätere Durchbindung der RTW auf die Dreieichbahn (wie sie in Dreieich gewünscht wird, weshalb es dort Vorbehalte gegen die Langener Pläne gibt) weiterhin möglich.

Zwei Hauptargumente führen die Befürworter einer Süd-Verlängerung an: Zum einen verfügt Langen über ein großes Nutzerpotenzial (Bevölkerung und Arbeitnehmer), zum anderen kann über den Regionalbahnhalt der Bereich zwischen Darmstadt und Heidelberg problemlos an die RTW angeschlossen werden, was noch einmal viele potenzielle Fahrgäste bedeutet. Dazu kommt noch, dass überaus viele Langener am Flughafen arbeiten.

Frank Achenbach, der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Offenbach, ist einer von den Befürwortern der Verlängerung. „Ich kann es nicht nachvollziehen, warum Langen nicht Teil der RTW sein sollte.“ Man müsse sich nur mal die Unternehmensstruktur und die städtebauliche Entwicklung ansehen. Die Stadt strebe ein weiteres enormes Bevölkerungswachstum an und bei der Wirtschaft sei „richtig Schwung drin“. Langen habe zwei unternehmens- und innenstadtnahe Haltestellen – „so was haben Neu-Isenburg und Dreieich nicht“. Dazu komme die Internationalität zahlreicher Unternehmen – „viele stehen eng mit dem Flughafen in Verbindung“.

Die RTW werde als neue Art der ÖPNV-Verbindung am Anfang nicht der absolute Selbstläufer sein, so Achenbach. „Die Menschen müssen diese Art der Verbindung erst lernen.“ Und gerade der Südabschnitt benötige ein hohes Kundenpotenzial, wozu Langen einen bedeutenden Teil beitragen könne.

Für Achenbach ist klar: Die RTW macht nur mit Langen Sinn. Deshalb werde die IHK Offenbach auch gemeinsam mit der IHK Frankfurt eine Stellungnahme abgeben, die ganz klar fordere, der Stadt Langen noch etwas Zeit zu lassen, um weitere Untersuchungen vorzulegen. Denn die Nutzen-Kosten-Untersuchung liegt noch nicht vor. Eine solche lässt die RTW-Gesellschaft aktuell für den Südabschnitt erstellen – „wir haben die Firma beauftragt, sie zusätzlich um Langen zu erweitern“, erklärt Stadtrat Löbig. Parallel werde die Stadt innerhalb der aktuell laufenden Fristen ebenfalls eine Stellungnahme abgeben; diese hat allerdings weniger Gewicht, da Langen nicht als unmittelbar betroffen gilt.

Die Strecke der Regionaltangente West soll von Buchschlag bis nach Bad Homburg reichen. Aus Sicht (nicht nur) der Stadt Langen wäre die Verlängerung um drei Kilometer nach Süden aber überaus sinnvoll.

Bei der RTW Planungsgesellschaft ist man erfreut über die Langener Initiative: „Ich begrüße es sehr, dass es substanziell angegangen wird“, sagt Geschäftsführer Horst Amann. Eine Verlängerung sei ein „hochinteressantes Thema“. Allerdings sagt er auch: „Dazu brauchen wir eine politische Entscheidung.“ Die Gesellschaft habe „einen klaren Auftrag, der ist auch sinnvoll“. Und neben Langen gebe es noch andere Bereiche wie die Nordweststadt Frankfurt oder Bad Soden, die (noch) nicht berücksichtigt seien. Dennoch stehe die Gesellschaft „Gewehr bei Fuß“ für die Planung einer eventuellen Verlängerung. Die Initiative dazu müsse allerdings vom Kreis Offenbach als Mitgesellschafter kommen. Langen selbst ist nicht Mitglied der Gesellschaft – würde die Stadt beitreten, „würde das mit Sicherheit nicht schaden“, sagt Amann.
Beim Kreis jedoch ist man derzeit überaus zurückhaltend: „Wir bringen uns – wie die anderen Gesellschafter auch – im derzeitigen Verfahren nicht mit einer Stellungnahme ein“, sagt Sprecherin Ursula Luh.

Sollte die Nutzen-Kosten-Untersuchung einen positiven Effekt der Verlängerung nachweisen, könne sie "im Gesamtinteresse des Projektes und überhaupt eines vernünftigen ÖPNV, der heute wichtiger ist denn je" sein, sagt Amann. Es gelte aber: „Mit dem, was derzeit geplant wird, verbauen wir nichts“. Oberstes Gebot sei, dass das Projekt RTW jetzt endlich aus der Planungsphase herauskomme und umgesetzt werde.

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Rubriklistenbild: © dpa

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