Apothekenkunden protestieren per Unterschrift

Umsteigeprobleme, lange Wartezeiten etc.: Hundertfachen Bus-Frust gebündelt

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Hundertfachen Bus-Frust gebündelt - Apothekenkunden protestieren per Unterschrift

Vieles, was sich im innerstädtischen Busverkehr mit dem Fahrplanwechsel Anfang Juli verändert hat, ist den Nutzern – vor allem der älteren Generation – sauer aufgestoßen.

Langen – Mühseliges Umsteigen, längere Wartezeiten und rund um den Knotenpunkt Bahnhof beschwerliche Lauferei sind auch unserer Zeitung gegenüber wiederholt beklagt worden. In gut zwei Wochen, Mitte Dezember, steht nun wieder ein (kleiner) Fahrplanwechsel an und die Stadtwerke als Auftraggeber des innerstädtischen Busverkehrs haben „Nachjustierungen“ in Aussicht gestellt. Insofern darf man gespannt darauf sein, wie diese ausfallen, vor allem aber darauf, wie das Ganze bei den Nutzern ankommt.

Klar ist: Was ab Dezember an Verbesserungen greifen soll, ist längst in die Wege geleitet worden. Wenn aber der Aufsichtsrat der Stadtwerke am morgigen Donnerstag zur turnusgemäßen Sitzung zusammenkommt, kann es nix schaden, sich trotzdem noch mal mit dem Unmut der busfahrenden Kundschaft auseinanderzusetzen, denn auch zum Frühjahr 2020 kann wieder sinnvoll „nachjustiert“ werden. Wertvolle Hinweise liefert eine Sammlung, die über die vergangenen Monate in der Apotheke am Bahnhof herangewachsen ist. Mehr als 100 Kunden im Alter von 16 bis 90 Jahren haben ihrem Unmut Luft gemacht und fordern per Unterschrift Nachbesserungen.

„Wir haben von vielen unserer Kunden zu hören bekommen, wie problematisch die Veränderungen des Busverkehrs für sie seien“, schildert das Apotheker-Ehepaar Agnes und Emilio Cisternas. Die latente Unzufriedenheit bewog beide dazu, Listen auszulegen, in denen die Unterzeichner stichpunktartig ihre Kritik formulieren konnten.

Im Folgenden die wesentlichen Kritikpunkte an den drei Stadtbuslinien:

Linie 71

- Umsteigeprobleme, ungünstige Takte, daraus resultierend lange Wartezeiten.

- Unlogische, viel zu umwegreiche Streckenführung durchs Nordend – „mehr als 20 Haltestellen von Langen bis ins Egelsbacher Brühl“).

- Nicht altersgerechte Haltestelle (In den Tannen).

- Schlechte Anbindung der Bahnstraße samstags; wer auf den Steinberg will, muss durch die City gondeln.

- Hinweis eines Busfahrers: In Egelsbach sind die Straßen (Leipziger, Schul-, Weedstraße) ohnehin sehr eng. Versperren Falschparker den Weg, ist die Fahrplaneinhaltung reine Utopie.

Linie 72

- Viele Klagen aus dem Hochhaus Feldbergstraße wegen der weiter weg verlegten Haltestelle.

- „Stündlicher Takt ist eine Katastrophe“; Fahrten zum Friedhof und selbst in die Bahnstraße umständlich.

- „Bitte dringend zurück zur alten Route“ (Mehrfach-Appell).

- Der Bus sollte den Bahnhof direkt über die Bahnstraße ansteuern, alles andere ist für Personen mit Rollator eine Zumutung.

- Warum fiel die Haltestelle Nordend (Kindergarten) weg?

- Lange Wartezeit an der Koberstadt (18 min), Passagiere müssen im Freien warten.

- Haltestelle Lutherplatz: Ältere Menschen haben Probleme beim Einsteigen.

Linie 75

- Umsteigeprobleme, lange Wartezeiten, „Stundentakt ist zu wenig, 30-Minuten-Takt absolut notwendig“.

- Von der Bahnhofs-Ostseite auf die Westseite zu kommen ist mit Rollator kompliziert bis unmöglich (Winter), erst recht, wenn wie so oft der Bahnhofsaufzug kaputt ist.

„Der größte Teil der Unterzeichner ist in seiner Mobilität eingeschränkt“, merkt Emilio Cisternas an. „Obwohl uns klar ist, dass für dieses Jahr der Bus im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren ist, wollen wir den Entscheidern das Echo unserer Kundschaft gerne als Zusatzinfo an die Hand geben – in der Hoffnung, dass es zur Problemlösung beiträgt.“ Die Listen wollen die Cisternas zeitnah Bürgermeister Frieder Gebhardt und Erstem Stadtrat Stefan Löbig übergeben.

VON HOLGER BORCHARD

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