Dreieichschule Langen

Wie es ist, während der Corona-Krise Abitur-Prüfungen zu schreiben

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Abitur-Prüfungen während Corona: Moritz Kegler hat es an der Dreieichschule Langen miterlebt.

Unser Mitarbeiter Moritz Kegler hat mitten in der Corona-Krise an der Dreieichschule Langen seine Abitur-Prüfungen geschrieben. Ein Erfahrungsbericht. 

  • Trotz Corona-Krise fanden an der Dreieichschule Langen die Abiturprüfungen statt
  • Unser Mitarbeiter Moritz Kegler berichtet von seinen Erfahrungen
  • Die Schule traf große Sicherheitsvorkehrungen

Langen – Sind wir mal ehrlich: Hätte mir jemand Mitte Januar – als ich dann mal so richtig mit der Vorbereitung für das Abitur 2020 begonnen habe – gesagt, unter welchen Umständen dieses stattfinden wird, hätte ich das wahrscheinlich niemals geglaubt. Aber der Reihe nach.

Gehen wir einmal drei Wochen zurück. Ich bin einer der 129 Abiturienten, die in diesem Jahr an der Dreieichschule ihr Abitur ablegen möchten. Seit Wochen oder sogar Monaten bereiten wir uns auf den großen Abschluss unserer Schullaufbahn vor. So langsam beginnt die heiße Phase: Im Unterricht werden die letzten Themenkomplexe wiederholt und sich mit alten Prüfungen auf den großen Tag vorbereitet. „Sammelt bitte letzte Fragen, die wir dann nächste Woche klären können“, heißt es von den Lehrern. Doch aus einigen Ecken hört man schon: „Corona!? Wer weiß, wie lange die Schule noch geöffnet bleibt?“ Ich bin mir aber noch absolut sicher, dass dem Unterricht und dem Abitur nichts im Wege steht.

Über die Woche hinweg häufen sich jedoch die Rufe und Meinungen, dass eine Unterbrechung des Schulbetriebes immer näher rückt. Am Donnerstag, 12. März, platzt dann die erste Bombe. „Wir stellen alle Abiturienten ab Montag vom Unterricht frei“, heißt es aus dem Kultusministerium. Die Möglichkeit, letzte Vorbereitungen im Kurs mit den entsprechenden Lehrern durchzugehen, ist damit Geschichte. Und gemeinschaftliches Lernen ist von jetzt an auch nicht mehr möglich. Nun kommen in mir auch die ersten Zweifel auf. Den zahlreichen „Fake News“, die eine angebliche Verschiebung der Abiturprüfungen prophezeien, schenke ich natürlich keinen Glauben, aber was wäre wenn …? Die Meinungen darüber gehen unter meinen Mit-Abiturienten weit auseinander.

Abiturprüfungen während Corona: 129 Abiturienten in Langen

Nun gut, wir stellen uns erst einmal darauf ein, dass die Prüfungen in der nächsten Woche beginnen. Es wird sich also ausschließlich Zuhause aufgehalten, alle Kräfte werden in die Vorbereitungen auf das Abitur gesteckt – mit einem Auge aber irgendwie immer bei den sich überschlagenden Ereignissen. Das nagt natürlich an der Konzentration. Und da stelle ich mir immer wieder die Frage: Können die Prüfungen in dieser Situation überhaupt in einem vertretbaren Rahmen stattfinden?

Am Morgen des Mittwochs, 18. März, also ziemlich genau 24 Stunden vor meinem ersten Abiturtermin, ist den Medien plötzlich zu entnehmen, dass der Prüfungsstart nun doch auf der Kippe steht. „Der Beginn des Abiturs in Hessen wird erneut verhandelt.“ Von da an bin ich mir sicher: Jetzt war’s das. Jetzt werden die Prüfungen verlegt. Doch um halb fünf, also geschlagene 15 Stunden vor dem Startschuss, heißt es in einem Tweet aus Wiesbaden: „Die morgen startenden Abiturprüfungen finden statt! Auf entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ist zu achten.“ Und damit hat das Kopfzerbrechen ein Ende. Glücklicherweise?!

Am darauffolgenden Tag ergibt sich zunächst ein surreales Bild: Alle Englisch-Abiturienten treffen sich auf dem Schulhof des Gymnasiums. Die einzelnen Prüfungsgruppen mit jeweils maximal elf Schülern stellen sich in mehreren Reihen mit zwei Metern Abstand in alle Richtungen – was in dieser Situation natürlich ziemlich schwerfällt – auf dem Schulhof auf. Jeder Prüfling wird von der Schulleitung befragt, ob er auch wirklich gesund ist und keine Erkältungssymptome aufweist. Nachdem alle Jacken und Rucksäcke auf dem Gang verstaut sind, geht es in den Prüfungsraum. Dort wurde alles Nötige desinfiziert und die Tische sind mit jeweils zwei Metern Abstand im Raum verteilt.

Wegen Corona: Große Sicherheitsvorkehrungen bei Abiturprüfungen in Langen

Aber mal davon abgesehen laufen die Prüfungen nach Plan. Der Sicherheitsabstand soll wie nur irgendwie möglich eingehalten werden. Und nach fünf Stunden büffeln lautet die Parole, sofort nach Hause zu gehen. Der Austausch mit Freunden muss dann eben auf digitalem Wege erfolgen. Mit diesem Prozedere haben wir bis jetzt sechs Prüfungstage überstanden – und nach aktueller Kenntnis hat sich kein Prüfling während des Abiturs mit dem Virus angesteckt. Ehrlich gesagt hatte ich auch niemals wirklich Angst davor.

Bin ich jetzt, als einer der wenigen Abiturienten in Hessen, die bereits vor drei Tagen ihre letzte schriftliche Abiturprüfung abgelegt haben, erleichtert? Natürlich! Finde ich gut, dass das Abi trotz dieser außergewöhnlichen Situation stattfindet? Irgendwie schon! Denn die Folgen einer Verschiebung oder gar Absage wären so weitreichend, dass ich mir diese absolut nicht ausmalen möchte. Mit den herrschenden Sicherheitsvorkehrungen kann man sich arrangieren und das Ansteckungsrisiko kann auf ein Mindestmaß reduziert werden. Selbstverständlich ist das für alle ein enormer Aufwand und erfordert von wirklich jedem Beteiligten unglaublich große Disziplin.

Gerade die finale Vorbereitungsphase war doch von vielen Momenten der Unsicherheit, Zweifeln und teilweise auch Bedenken geprägt. Aber letztendlich sind wir doch alle froh, unsere schriftlichen Abiturprüfungen hinter uns zu haben – auch wenn diese in 2020 auf eine sehr spezielle und absolut einmalige Weise über die Bühne gebracht und in der nächsten Woche hoffentlich gut zu Ende gehen werden.

VON MORITZ KEGLER

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