Initiative „Kitalos Langen“

Prekäre Situation in Langen: Eltern wollen demonstrieren

Kindertagesstätte Symbolbild
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Die Eltern wollen ihrem Ärger über fehlende Betreuungsplätze in Langen Luft machen.

Demo wegen der prekären Kita-Lage in Langen: Ordentlich „Rabatz“ wollen sie machen. Am Donnerstag, 10. September, tritt die Initiative „Kitalos Langen“ erstmals öffentlich in Erscheinung. 

  • In Langen sind viele Eltern verzweifelt.
  • Sie finden keinen Kita-Platz für ihr Kind.
  • Jetzt wollen sie mit einer Initiative endlich für Besserung beim Thema Kitas in Langen sorgen.

Langen – Ab 20 Uhr tagt in der Jahnhalle die Stadtverordnetenversammlung. Und die besorgten Eltern werden den Lokalpolitikern ab 19 Uhr auf dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz einen lautstarken Empfang bereiten – mit Trommeln, Rasseln und „allem, was sonst noch Lärm macht“, um Aufmerksamkeit auf die prekäre Betreuungssituation in Langen zu richten.

Langen: Eltern finden keinen Kita-Platz für ihr Kind

„Wir machen uns sichtbar, damit man uns nicht vergisst“, sagt Stephanie Pinke, die die Elterninitiative mitgegründet hat. Im Juli haben sich die Langenerin und ihr Ehemann, selbst Eltern von zwei kleinen Kindern, mit einer befreundeten Familie zusammengeschlossen. Mittlerweile steht „Kitalos Langen“ in Kontakt mit rund 100 Familien.

Nachdem die Gruppe in den vergangenen Wochen mit Flugblättern und in den Sozialen Netzwerken die Werbetrommel gerührt hat, folgt nun der erste öffentliche Auftritt. „Wir wollen zum ersten Mal präsent werden“, sagt Pinke, betont aber auch: „Wir wollen nicht auf Konfrontationskurs gehen, wir suchen den Dialog.“

Langen und die Kita-Suche: ZenJA machte Ausnahme - „Das war unser Glück“

Die 37-jährige Gymnasiallehrerin befindet sich aktuell in Elternzeit, ihr Mann arbeitet in Frankfurt als Projektmanager bei einem Automobilzulieferer. Vor zweieinhalb Jahren sind die Pinkes nach Langen gezogen. Familie, die mit der Kinderbetreuung hilft, haben sie hier nicht. Daher war der Plan, dass die drei Jahre alte Tochter ab dem diesjährigen Sommer eine Kita besucht, der anderthalbjährige Sohn ab Januar 2021 in die Betreuung geht und Mama Stephanie nach den Weihnachtsferien wieder arbeiten gehen kann. Doch die Tochter bekam keinen Kita-Platz.

Immerhin: Das Zentrum für Jung und Alt (ZenJA), wo die Kleine das U3-Betreuungsangebot „Taki-Haus“ besucht, machte eine Ausnahme und sagte der Familie zu, dass das Mädchen noch bis zum Sommer des nächsten Jahres bleiben darf. „Das ist eine unglaubliche Erleichterung für uns“, betont Stephanie Pinke. „Aber andere Familien haben dieses Glück nicht.“

Rund 500 Kinder (U3- und Ü3-Bereich) stehen in Langen auf der Kita-Warteliste, fast 30 Erzieher-Stellen sind nicht besetzt. „Wir fordern eine Verbesserung der Betreuungssituation und der Infrastruktur“, sagt Pinke. Auch müssten mehr Anreize geschaffen werden, „damit gute Erzieher nach Langen finden“. Und: „Wir wünschen uns, dass man nicht immer das Gefühl hat, dass man dafür kämpfen muss.“

Kita-Suche in Langen: „Vermissten Plätzen ein Gesicht geben“

Die Protestaktion auf dem Jahnplatz soll alledem Ausdruck verleihen. Neben Gegenständen, die Lärm machen, fordert „Kitalos Langen“ dazu auf, Plakate mitzubringen und das Wort „kitalos“ in ganz Langen mit Kreide auf die Bürgersteige zu schreiben. Auch sollen die Teilnehmer vergrößerte Fotos ihrer Kinder mitbringen, die am Eingang der Jahnhalle angebracht werden, „um den vermissten Plätzen ein Gesicht zu geben“.

Update:

Die Initiative weist auf folgendes hin: „Das Ordnungsamt hat uns informiert, dass Kreidebemalung auf öffentlichen Plätzen/ Straßen nicht gestattet ist. Bitte unbedingt darauf Rücksicht nehmen! Danke euch!Wir freuen uns auf eine friedliche und gelungene Demo!“

Die Organisatoren laden alle Betroffenen ein, teilzunehmen, „am besten als ganze Familie“. Während der Demo sind eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und der Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten. Auch appelliert die Initiative, auf dem Parkplatz auf die eigenen Kinder und fahrende Autos zu achten. Zur besseren Planung und zur Abstimmung mit dem Ordnungsamt bitten die Veranstalter um eine Anmeldung unter kitalos-langen@outlook.de.

Langen: Eltern suchen verzweifelt nach einem Kita-Platz

Gegen die geplante Erhöhung der Betreuungsgebühren, über die die Stadtverordneten am Donnerstag ebenfalls abstimmen, protestieren die Eltern übrigens nicht: „Wir sind nicht unbedingt für eine Erhöhung, wir wissen aber um die prekäre Situation in Langen“, sagt Pinke. „Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir darauf vertrauen, dass – wenn mehrheitlich dafür gestimmt wird – dieses ein guter Weg sein kann.“ (Von Manuel Schubert)

Infos im Internet

Unterdes unternimmt die SPD Langen einen neuen Anlauf in Sachen Natur-Kita. Sie schlägt vor, eine Kooperation mit der Kinder- und Jugendfarm (JuKi-Farm) auf deren zukünftigem Gelände zu prüfen.

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