Nach 45 Jahren

Kein Nachfolger gefunden: Rainer Schüller muss seinen Betrieb schließen

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Noch hängt das Firmenschild und auch Anrufe von Kunden auf der verzweifelten Suche nach einem Maler bekommt er weiterhin: Doch Rainer Schüller schließt seinen Betrieb, nachdem er keinen Nachfolger finden konnte.

Kurz vor seinem 73. Geburtstag endet sein Arbeitsleben: Nach knapp 45 Jahren schließt Rainer Schüller seinen Maler- und Lackierer-Fachbetrieb.

Langen – Das tut er in einem Alter, in dem andere schon lange im Ruhestand sind, mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge: Gerne hätte er den Betrieb, den er aufgebaut und lange Jahre erfolgreich geführt hat, an einen Nachfolger übergeben. Doch das klappte nicht.

Dabei war Schüller schon weiter als viele andere Kollegen, die vor der gleichen Problematik stehen: Er hatte einen potenziellen Nachfolger an der Hand; nach einem fast zweijährigen Übergangsprozess scheiterte die Übernahme dann aber doch noch. Weitersuchen mag der Malermeister, der auch durch seine Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) in Langen bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund, nun nicht mehr.

Dass viele Handwerksberufe heutzutage Schwierigkeiten haben, ausreichend Nachwuchs zu finden, liegt nach Schüllers Erfahrung an der Einstellung der jungen Menschen: „Sie wollen einen Job, in dem man sich nicht schmutzig macht und nicht hart körperlich arbeiten muss.“ Es fehle sowohl an Qualifikation als auch an Zuverlässigkeit.

Rainer Schüller weiß, wovon er spricht. Schon kurz nachdem er 1975 seinen Maler- und Lackierermeister machte, unterrichtete er an der August-Bebel-Schule in Offenbach: 15 Jahre lang übernahm er einen Tag pro Woche den fachpraktischen Unterricht für angehende Maler, „damals fast alles Jungs“. Er arbeitete in der Innung mit, war Regionalobermeister für den Bereich Offenbach und in etlichen Prüfungsausschüssen. „Wenn ich sehe, was heute für Arbeiten abgeliefert werden, die wären früher nie abgenommen worden. Heute werden alle Hühneraugen zugedrückt, um Leute auf dem Markt zu haben, die selbst ausbilden können.“

Natürlich seien die Anforderungen gestiegen. „Früher hieß es: Egal, wie du in der Schule warst, Maler und Lackierer geht immer. Der Beruf war eigentlich etwas verpönt. Aber ich war immer stolz, Maler zu sein. Ich bin immer mit Freude zur Arbeit gegangen“, betont Schüller. Doch auch heute noch sei es einer der leichter zu erlernenden Handwerksberufe. „Man sollte rechnen können, man sollte sich benehmen können.“ Und dennoch fehle es an geeigneten Bewerbern. „Es gibt etwas bessere oder ganz schlechte, aber keine guten.“

Ein Problem sei auch, dass heutzutage viele andere Handwerksbetriebe – beispielsweise Hausmeister-Service – Maler-, Lackierer- und Fassadenarbeiten anbieten. „Da gibt es durchaus auch Leute, die das können“, sagt Schüller. Aber eben nicht nur ...

Er selbst war im ganzen Bereich zwischen Frankfurt und Darmstadt aktiv; hat beispielsweise auf der damaligen US-Airbase am Frankfurter Flughafen beim Umbau des alten Towers in Büros mitgearbeitet. „Wir haben da sämtliche Putz- und Malerarbeiten ausgeführt.“ In besten Zeiten hatte sein Unternehmen 16 Mitarbeiter. „Reich werden kann man damit aber nicht“, nennt er einen weiteren Grund, der den potenziellen Nachwuchs abschreckt. Aber unter Umständen kommt man weit herum: So war Schüller 2002 für die Innung in China, um Vorträge über das deutsche Malerhandwerk zu halten. Urlaub war’s nicht, denn die Chinesen hatten ein straffes Programm zusammengestellt. Aber harte Arbeit war Schüller ja gewöhnt.

Von Markus Schaible

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