Auf den Spuren einer Kostbarkeit 

Weltenbummler Klaus Wolff spricht über die antike Weihrauchstraße und Reise-Erlebnisse

Mittlerweile in Schutt und Asche: Der Hadriansbogen im syrischen Palmyra wurde 2015 von Terroristen des IS zerstört. Der Bildervortrag von Klaus Wolff sei „eine Reise in die Vergangenheit“ – denn viele Stätten gibt es nicht mehr.
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Mittlerweile in Schutt und Asche: Der Hadriansbogen im syrischen Palmyra wurde 2015 von Terroristen des IS zerstört. Der Bildervortrag von Klaus Wolff sei „eine Reise in die Vergangenheit“ – denn viele Stätten gibt es nicht mehr.

Weihrauch ist den meisten als liturgisches Element in christlichen Gottesdiensten ein Begriff, doch er soll auch gegen Rheuma, Asthma und Darmentzündungen helfen.

Langen – In der Antike und im Altertum war das Baumharz für unterschiedlichste Rituale bedeutsam, seine wichtigste Handelsroute führte vom Oman und Jemen über Saudi-Arabien nach Jordanien und weiter nach Ägypten und Syrien. Einer, der diese Länder vielfach bereist hat, ist Klaus Wolff.

Der 83-jährige Langener war 1975 zum ersten Mal in Jordanien. „Damals gab es keine Touristenschwemme“, sagt Wolff. In den 80ern besuchte er mehrfach Syrien. „Zuletzt war ich 2011 dort, bevor der Krieg ausbrach“, sagt er. Seine vielen Reisen führten Wolff auch auf die Arabische Halbinsel und die Spuren der antiken Weihrauchstraße, über die er in Kürze einen mit Fotos bebilderten Vortrag in der Bücherei hält (siehe Hinweis).

Indien ist eigentlich sein „Steckenpferd“, sagt Wolff. Das Land besuchte er schon 37 Mal, von seinen Eindrücken erzählte er vor einem Jahr in der Stadtbücherei. „Indien ist für mich ein Stück Heimat geworden“, sagt der Rentner. Auf gut 80 bereiste Länder bringt es der studierte Soziologe, der lange in der angewandten Sozialwissenschaft gearbeitet hat, aber auch an der Schulsozial- und Erwachsenenarbeit an der Volkshochschule. Dort hat er ebenfalls Reisen organisiert, aber vor allem privat packte er gerne die Koffer. Das sieht man: An seiner großen Bücherwand reihen sich Bände über ferne und exotische Reiseziele und ihre Kulturgeschichte aneinander, an den Wänden hängen Bilder und Masken, die Wolff von Reisen mitgebracht hat. Ein Beistelltisch, verziert mit kleinen Elefanten, ist ein Andenken von einem Urlaub im ehemaligen Burma, dem heutigen Myanmar, und von einer Jemen-Reise hat sich Wolff einen kleinen Weihrauchofen mitgebracht. Mit Holzkohle wird das „heilige Räucherwerk“ darin entzündet. Auch wenn er gesteht: „Mich hat der Geruch von Weihrauch aber nicht so angesprochen.“

Beeindruckendes Bauwerk: Die Ummayeden-Moschee in Damaskus besticht vor allem durch ihre reiche Ornamentik. Sie ist eine der ältesten der Welt. 

In der Zeit jedoch, in die Wolff seine Zuhörer entführen will, war das getrocknete Baumharz von braun-gelber bis rötlich-brauner Farbe hoch geschätzt. Es wurde im Süd-Oman gewonnen, der den Bäumen ein optimales Klima bot. „Ein Kilo Weihrauch hat im alten Rom soviel gekostet wie ein Kilo Gold“, weiß Wolff. Einige der Ziele, die er besucht hat und den Zuhörern vorstellt, liegen mittlerweile allerdings in Schutt und Asche. Von den beeindruckenden Stätten, die der Langener im Jemen und in Syrien besucht hat, kann Wolff seinen Zuhörern nur noch Fotos zeigen – so wie vom rund 2000 Jahre alten Triumphbogen in der syrischen Stadt Palmyra, den die Terrormiliz IS gesprengt hat. „Die Bilder vom zerstörten Palmyra zu sehen, tut wirklich weh. Von diesen historisch bedeutsamen Orten ist so gut wie nichts mehr da“, sagt Wolff traurig. Sein Vortrag sei daher teilweise „eine Reise in die Vergangenheit.“

Neben Wissenswertem über die antike Weihrauchstraße – neben der Seidenstraße eine der wichtigsten Handelsrouten ihrer Zeit – und die antiken Kulturvölker der Nabatäer und Palmyrener spricht Wolff auch über persönliche Erlebnisse und Höhepunkte auf den vielen Reisen. „Am meisten beeindruckt mich die islamische Kunst mit ihrer reichen Ornamentik. Die schöne Ummayeden-Moschee ist ein tolles Beispiel dafür“, meint Wolff. Abgesehen von der Verzierung – die wegen des Bilderverbots ganz ohne figürliche Motive auskommt – gefiel ihm die Atmosphäre in dieser Moschee in Damaskus und generell der muslimischen Gebetsstätten. „Ich habe Moscheen als Orte der Ruhe und Friedlichkeit erlebt – und bin immer auf unglaublich freundliche Leute getroffen.“

Klaus Wolff der Weltenbummler

Bei seinen Reisen in den Orient lernte er auch: „In den heiligen Schriften gibt es viele Gemeinsamkeiten, nur die sind heute leider aus dem Blick geraten“, sagt Wolff in Hinblick auf die Ressentiments gegenüber Muslimen und Flüchtlingen, die auch aus jenen Ländern kommen, in denen er war. Reisen sei da ein gutes Mittel, um den Horizont zu erweitern. „Doch der moderne Tourismus führt leider nicht dazu, Land und Leute kennenzulernen“, sagt Wolff. Bei organisierten Touren „werden die Leute gereist“, es fehle die Zeit, um wichtige Eindrücke über Kultur und Alltag zu sammeln. „Auf einer Reise auch mal nichts zu tun, ist unglaublich wichtig“, findet der 83-Jährige. Und rät jedem, den das Fernweh gepackt hat, daher die exotischen Destinationen soweit wie möglich auf eigene Faust zu entdecken.

Vortrag

Der Bildvortrag „Auf den Spuren der antiken Weihrauchstraße“ von Klaus Wolff beginnt am Mittwoch, 19. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei, Südliche Ringstraße 77. Der Eintritt kostet vier Euro.

VON JULIA RADGEN

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