Klimabewusst und solidarisch handeln

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Margarete Rölz

Langen - Margarete Rölz, Vorsitzende des Weltladen-Vereins, ist Langens Klimaheldin des Monats Februar.

Die Energiewende ist in aller Munde. Doch es müssen nicht immer die großen Maßnahmen sein – auch im Kleinen kann jeder zum Klimaschutz beitragen. Das städtische Umweltreferat stellt Bürger, die sich auf diese Weise für unseren Planeten engagieren, im Rahmen der Kampagne „Klimapakt in Langen“ vor. Die Serie „Klimaschutzhelden“ wird von unserer Zeitung unterstützt. Nach Bürgermeister Frieder Gebhardt und Franz Scheidel ist jetzt im Februar Margarete Rölz an der Reihe. Bekannt ist sie als Vorsitzende des Vereins „Weltladen Langen – FairHandeln“.

Klima- und Umweltschutz gehören zu den wichtigsten Themen der Gegenwart. Unser Verhalten ist maßgeblich für die Klimaprobleme in der Zukunft. Welche Meinung haben Sie persönlich zum Klimaschutz?

Kein Mensch denkt, dass es klug ist, an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt. Aber genau das tut die Menschheit seit einiger Zeit. Würden alle so leben wie wir in den Industrieländern der Nordhalbkugel, so müssten wir drei Erden haben. Das kann nicht lange gut gehen. Daher ist es elementar wichtig, dass wir nachhaltig wirtschaften: Wir dürfen nur so viel klimaschädliche Gase erzeugen, wie die Natur wieder binden kann. Dazu muss sich vor allem in den Bereichen Energie und Landwirtschaft viel ändern. Die größten Energieposten sind Raumheizung, Verkehr und der Energieverbrauch zur Herstellung all der Produkte, die wir kaufen (auch wenn sie zum Beispiel aus China zu uns importiert werden). In allen diesen Bereichen kann jeder von uns einsparen. Und der unvermeidliche Energiebedarf sollte weitgehend aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

Der andere große klimaschädigende Bereich, die industrielle Landwirtschaft, bewirkt dies neben ihrem Energieverbrauch vor allem durch das Lachgas, das immer bei Stickstoffdüngung vermehrt im Boden entsteht und sehr viel klimaschädlicher ist als das CO2. Das gleiche gilt für das Methan, das von Wiederkäuern (Kühen, Ziegen, Schafen) freigesetzt wird. Ganz zu schweigen vom großen Artensterben, das dieser Wirtschaftszweig zu verantworten hat.

Ganz besonders bekümmert mich die Tatsache, dass die Folgen des Klimawandels am meisten die Menschen in den Entwicklungsländern treffen, die doch am wenigsten dazu beigetragen haben. Sie erleiden immer häufiger Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme, denen sie wegen ihrer Armut schutzlos preisgegeben sind. Allein dies muss uns Verpflichtung sein, alles uns Mögliche zum Schutz des Weltklimas zu tun.

Womit tragen Sie persönlich zum Klimaschutz bei? Und in welchen Gebieten wollen Sie sich in Zukunft noch stärker engagieren?

Wir haben beim Umbau unseres Hauses im Jahr 1995 großen Wert auf eine gute Isolierung gelegt, sowohl der Wände als auch des Dachs. Einige Jahre danach installierten wir ein Blockheizkraftwerk, was den Wirkungsgrad des Gases verdoppelt, weil man ja gleichzeitig zur Raumwärme elektrischen Strom erzeugt. Im vergangenen Jahr haben wir noch Solarzellen auf dem Dach angebracht, um auch im Sommer, wenn das BHKW weniger läuft, unseren Strom möglichst selbst zu erzeugen.

Wie ich gelesen habe, kann man mit ein Grad weniger Raumtemperatur sechs Prozent Heizenergie einsparen. Daher ziehe ich mich im Winter warm an und drossele die Raumtemperatur.

Meine Fortbewegungsmittel sind Fahrrad und Bahn, auch für Urlaubsreisen. (Europa ist so schön!). Ich versuche, nur Dinge einzukaufen, die ich wirklich brauche, und verzichte – in Anknüpfung an das oben zur industriellen Landwirtschaft gesagte – weitgehend auf Fleisch.

Was ich mir noch vorgenommen habe für dieses Jahr: meine Elektrogeräte auf ihren Stromverbrauch hin durchzumessen und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Welche Botschaft zum Klimaschutz würden Sie gerne an die Bürger in Langen weitergeben?

Weniger ist mehr! Eine Flugreise nach Teneriffa verbraucht soviel Energie wie ein durchschnittlicher Autofahrer im ganzen Jahr. Es gibt so schöne Rad- und Wanderwege in Deutschland und in unseren angrenzenden Nachbarländern!

Was mir besonders am Herzen liegt: Wie man sieht, ist der Teller auf dem Plakat leer. Er gehört vielleicht einem Kleinbauern in Brasilien, der einer Soja-Plantage weichen musste, die unsere Massentierhalter mit Futter beliefert, oder er gehört einer Dorfbewohnerin in der Sahelzone, die auf Grund des Vordringens der Wüste nicht mehr genügend Nahrung für sich und ihre Familie ernten kann. An alledem sind wir beteiligt; wir sitzen in einem Boot, im „Raumschiff“ Erde. Nur durch weltweites, solidarisches und klimabewusstes Handeln – im Großen wie im Kleinen – können wir es hoffentlich so steuern, dass auch unsere Kinder und Enkel hier noch eine lebenswerte Heimat haben.

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