Richtiger Schritt zur rechten Zeit

Kommunale Betriebe blicken auf 25 Jahre zurück: Modell für andere Städte

Stattlicher Fuhrpark: Unter anderem mit Bagger, Müllauto und Räumfahrzeug sind die Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe (KBL) im Stadtgebiet unterwegs. Den Eigenbetrieb der Stadt gibt es mittlerweile seit 25 Jahren.
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Stattlicher Fuhrpark: Unter anderem mit Bagger, Müllauto und Räumfahrzeug sind die Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe (KBL) im Stadtgebiet unterwegs. Den Eigenbetrieb der Stadt gibt es mittlerweile seit 25 Jahren.

Es war durchaus ein Wagnis, als die Stadt Langen vor 25 Jahren Neuland betrat und Teile der Verwaltung zu einem öffentlichen Unternehmen machte.

Langen – Es schlug die Geburtsstunde der Kommunalen Betriebe Langen (KBL), die jetzt silbernes Jubiläum feiern und heute so selbstverständlich sind wie die Stadtwerke oder der Abwasserverband, mit dem Unterschied, dass sie alleine der Kommune gehören und als Eigenbetrieb firmieren. Zu den Kommunalen Betrieben wurden die Hoch- und Tiefbauabteilung, die Abteilung für öffentliche Einrichtungen (Müllabfuhr und Straßenreinigung) und die Garten- und Friedhofsabteilung.

Bürgermeister Frieder Gebhardt bezeichnet die unter seinem Vorgänger Dieter Pitthan vollzogene KBL-Gründung als einen „richtigen Schritt zur rechten Zeit“. Es sei von Anfang an gelungen, die Effizienz städtischer Dienstleistungen zu erhöhen, Verwaltungskosten zu senken und den Service zu verbessern. „Die Kommunalen Betriebe sind ein wichtiger und zuverlässiger Akteur, ohne den unsere Infrastruktur nicht überlebensfähig wäre“, sagt Gebhardt.

Vorbilder waren die von der Stadt Offenbach ins Leben gerufene Eigenbetriebe. Nachdem das Stadtparlament die Weichen gestellt hatte, musste ein auf die örtlichen Belange zugeschnittener Organisationsrahmen entworfen und eine Betriebskommission gebildet werden, der neben der Rathausspitze auch Vertreter der Parteien und des Personalrats angehören. Diese überwacht die Betriebsleitung, bereitet Beschlüsse für die Stadtverordneten vor und fungiert als Mittlerin zum Magistrat. Ihre Funktion entspricht der eines Aufsichtsrats.

Erster Betriebssitz war eine Bürocontaineranlage auf dem alten Bauhof an der Liebigstraße, bevor der Umzug in den Neubau der Stadtwerke an der Weserstraße erfolgte. Am Aufgabenspektrum hat sich nichts geändert. Nach wie vor geht es um hoheitliche Tätigkeiten wie die Müllabfuhr, die Straßenreinigung, die Stadtentwässerung und das Friedhofsmanagement. Diese Leistungen werden durch Gebühren finanziert, die gemäß den gesetzlichen Vorgaben kostendeckend sein müssen. Zudem ist KBL als Dienstleister für die Stadtverwaltung tätig, etwa beim Hochbau und der Grünpflege.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung ist der moderne Wertstoffhof an der Darmstädter Straße, der vor anderthalb Jahren eröffnet wurde. Er wird sowohl von der Langener als auch von der Egelsbacher Bevölkerung geschätzt. Alle können hier einfach und unbürokratisch Gartenabfälle, Altholz, Bauschutt, Elektrogeräte und viele Wertstoffe entsorgen.

Erster Leiter war 1995 Uwe Daneke, der später im Rathaus als Fachbereichsleiter unter anderem für die Kämmerei zuständig war. Weil die Verzahnung mit den Stadtwerken immer enger wurde, übernahm deren seinerzeitiger Direktor Norbert Breidenbach im Jahr 1997 die KBL-Führung. 2001 wurde er von Manfred Pusdrowski abgelöst, der nunmehr seit 19 Jahren sowohl als Geschäftsführer der Stadtwerke auch als Betriebsleiter der Kommunalen Betriebe für wesentliche Bereiche der Stadtwirtschaft Verantwortung trägt.

„KBL und Stadtwerke gehören ganz einfach zusammen. Die Führung aus einer Hand und die Erledigung von Verwaltungsaufgaben durch dieselben Personen und Systeme kommen letztlich allen Bürgerinnen und Bürgern durch gute Leistungen zu günstigen Preisen und fairen Gebühren zugute“, sagt Pusdrowski. Für eine Stadt wie Langen sei die Nähe von Stadtwerken und Eigenbetrieb ein vorbildliches Organisationsmodell, das auch in anderen Kommunen praktiziert werde. „Die Aufgaben in den Bereichen Energie, Verkehr und Wasser, für die die Stadtwerke zuständig sind, haben viele natürliche Berührungspunkte zur Stadtentwässerung oder zum Bausektor im Eigenbetrieb. Auch beim Umwelt- und Klimaschutz ziehen wir an einem Strang“, betont er.

In den vergangenen 25 Jahren wurden große Projekte durch die KBL-Facility-Manager und die Fachleute der Entwässerungsabteilung betreut. Dazu zählen die Sanierung des Wohngebäudes der Stadtwerke an der Annastraße, der Bau von Straßen und Kreiseln, Regenrückhaltebecken, die Verlegung von Abwasserleitungen im Belzborn, die Sanierung der Stadthalle, der Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen und als herausragendes Ereignis der Neubau des Betriebshofs mit Wertstoffhof. Nicht zuletzt führten die KBL Regie bei der Sanierung der Bahnbrücke. Überdies haben sie den Friedhof mit pflegeleichten und naturnahen Bestattungsangeboten zu einer grünen Insel mit viel Natur und hoher Aufenthaltsqualität entwickelt.

Laut Pusdrowski brauchen sich die Kommunalen Betriebe um die Zukunft keine Sorgen zu machen. „Wir werden als wichtiger Teil der Stadtwirtschaft gebraucht. Die Monopolbildung in der Entsorgungs- und Bauwirtschaft der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass dies zu weniger Wettbewerb und höheren Kosten für die Bürger führen kann. Ich bin froh, dass sich nach der Privatisierungswelle überall in Deutschland die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich eigene Leute in einem kommunalen Unternehmen mit dem Ort, für den und in dem sie arbeiten, besonders identifizieren und mit Herzblut engagieren. Das zahlt sich für alle aus.“ 

hok

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