Steigende Population

Kompost in Waldnähe beliebter Snack für Wildschweine

Langen - Wildschweine auf Nahrungssuche trauen sich immer häufiger bis an den Rand zur Stadt – angelockt von Komposthaufen oder gut gemeinten Fütterungen.

Das Forstamt Langen warnt davor, dass sich die Tiere so immer weiter vermehren – auch in Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest.
Wer im Wald spazieren geht, sieht ihre Spuren: Stellen, an denen der Waldboden teilweise großflächig umgewühlt wurde, stammen von Wildschweinen auf Nahrungssuche. Zunehmend treten sie neuerdings auch an Stadträndern auf. Denn weggeworfene Nahrungsreste auf Komposthaufen und stellenweise sogar gezielte Fütterung durch Anwohnern oder Jäger bieten Wildschweinen oft eine bessere Nahrungsgrundlage als die Natur.

Wie das Langener Forstamt mitteilt, gebe es im Bereich Langen/Dreieich-Sprendlingen und Buchschlag mittlerweile schon eine Population, die sich ganzjährig am Rand der Ortslagen aufhalte. Dort können die Tiere nicht gejagt werden. Vor dem Hintergrund der sich von Osteuropa her ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest ruft das Langener Forstamt Bürger dazu auf, keinesfalls Lebensmittelreste an Waldrändern und auf Komposthaufen zu deponieren, wo sie von Wildschweinen erreicht werden können – und die Tiere erst recht nicht zu füttern.

Das Forstamt versucht nach eigenen Angaben, die Wildschweinpopulation möglichst gering zu halten, damit sich die Seuche nicht so leicht ausbreiten kann. So seien in der staatlichen Regiejagd des Forstamts im Jahr 2017 über 200 Wildschweine erlegt worden. Da die Schonzeit für Wildschweine in Hessen mittlerweile aufgehoben sei, werde hier weiter intensiv gejagt. „Dies reicht aber vermutlich nicht aus, um den Infektionsdruck auf ein Niveau abzusenken, das die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest verhindert“, so das Forstamt. Hier sei auch die private Jägerschaft, die den größten Teil des Landkreises bejagt, gefragt. Andere Länder zahlten mittlerweile Abschussprämien für Wildschweine. Eine weitere Option sei es, Wildschweine in größerer Zahl durch sogenannte „Saufänge“, also festinstallierten Fallen, einzufangen.

Den Handlungsbedarf verschärft die hohe Vermehrungsrate der Wildschweine: Eine Bache kann bis zu zwei Mal jährlich vier bis sechs Junge bekommen. Die ersten Frischlinge wirft die Wildschweinmama von Januar bis März, den zweiten zwischen August und Oktober. Vor Menschen besitzen die Tiere übrigens natürliche Scheu und greifen nur äußerst selten an. Höher sei da laut Forstamt die Gefahr, als Autofahrer mit Wildschweinen zu kollidieren.

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Und was passiert mit den erlegten Tieren? Wildliebhaber, die kein Problem damit haben, das Schwein selbst zu zerlegen, können während der Jagdsaison komplette Schweine im Langener Forstamt in der Dieburger Straße 53, 50090, erstehen. Angst vor der Seuche brauchen Fleischkäufer laut Behörde nicht zu haben: „Selbst mit der Afrikanischen Schweinepest infizierte Wildschweine könnten bedenkenlos verzehrt werden, da die Krankheit nicht auf Menschen übertragbar ist.“ (jrd)

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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