Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Wie Langener Konfirmanden und Firmlinge die besonderen Zeiten erleben

Besondere Zeiten erfordern kreative Maßnahmen: Pfarrer Steffen Held in einer Videokonferenz mit Langener Konfis. 
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Besondere Zeiten erfordern kreative Maßnahmen: Pfarrer Steffen Held in einer Videokonferenz mit Langener Konfis. 

„Ich hatte mich schon total auf diesen besonderen Tag im Mai gefreut! Die Einladungen waren verschickt, alles so weit geplant. Und jetzt ist alles anders“, erzählt Bruno. Der 14-Jährige ist derzeit Konfirmand in der Evangelischen Kirchengemeinde Langen.

Langen – Ihm geht es wie vielen anderen Jugendlichen, deren Konfirmations- und Firmungstermine aufgrund der Corona-Krise verschoben werden mussten. Auch die gleichaltrige Konfirmandin Lea und der 15-jährige Moritz, Firmling der Katholischen Gemeinde St. Jakobus, finden es schade, dass sie noch ein wenig länger auf ihren großen Tag warten müssen. „Aber Hauptsache, im Spätsommer können wir dann mit allen richtig schön feiern. Denn ich freue mich sehr, die ganze Familie wieder zusammen zu haben. Und mein Kleid hatte ich zum Glück noch nicht gekauft“, so Lea.

In der evangelischen Kirche ist es die Konfirmation, in der katholischen die Firmung, die im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter gefeiert wird. Der Segen Gottes wird den Jugendlichen zugesprochen und sie bekennen sich zu Gott, ihrem Glauben und der Kirche. Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Jugendliche sich konfirmieren oder firmen lassen, und doch gibt es viele junge Menschen, die sich bewusst auf den Weg des Glaubens einlassen.

„Ich möchte zeigen, dass ich an Gott und damit an Jesus Christus glaube. Auf meinem bisherigen Lebensweg wurde ich immer von der Kirche begleitet und bestätige nun, dass ich diese Hilfe von Jesus und Gott und allen anderen weiterhin gerne annehme. In der Vorbereitung zur Firmung sammele ich neue Gedanken und Informationen, die mir später vielleicht einmal helfen werden“, erläutert Moritz seine Motivation. Die Firmung versteht er als Bekräftigung. „Ich vertraue mich Gott an, denn er hilft mir, wieder auf die Beine zu kommen, wenn etwas nicht so geht, wie ich es will oder wenn ich einen Rückschlag habe. Ich bin bereit, mich von Jesus herausfordern zu lassen, denn ich möchte die Stärkung vom Heiligen Geist, der mich in meinem Leben begleitet und unterstützt.“

Bruno betont ebenfalls, dass er Kraft im Glauben findet: „Der Glaube bedeutet mir viel, da er mir hilft, wenn ich traurig bin, wenn ich Angst habe und wenn ich um etwas bitte. Manchmal bete ich auch außerhalb der Gottesdienste, zum Beispiel, wenn ich etwas verloren habe, Angst habe oder mir einfach etwas wünsche.“ Ähnlich sieht es auch Lea: „Glauben bedeutet für mich, dass man auf Gott vertraut. Wenn man glaubt, fühlt man sich geborgen und sicher. Man fühlt sich beschützt und hat mehr Selbstvertrauen. Für mich ist das sehr wichtig. Durch den Glauben habe ich das Gefühl, nicht alleine zu sein, auch wenn Freunde nicht zu einem halten oder man einsam ist. Gott hält immer zu einem.“

Allen dreien ist wichtig, in der Kirche eine Gemeinschaft gefunden zu haben, in der Menschen füreinander da sind. „Glauben bedeutet für mich, dass man zusammenhält und einander hilft, so wie Jesus es früher auch gemacht hat“, bringt es Lea auf den Punkt. Außerdem hat ihnen ihre Zeit in der Gemeinde auch sehr viel Spaß gemacht. „Besonders die Firmfahrt hat mir gefallen“, meint Moritz, „aber auch die Kleingruppen mit den Gesprächen über Jesus und Gott.“ Auch für Lea und Bruno waren die Fahrten etwas Besonderes, und sie haben es wie Moritz als besondere Bereicherung erlebt, dass im Konfi- und Firm-Unterricht immer wieder Ausflüge und Besuche stattgefunden haben und jugendliche Teamer sie während ihrer Zeit begleiteten.

Momentan können wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres erst einmal keine regulären Konfirmanden- und Firmstunden stattfinden. Alle Beteiligten hoffen jedoch, dass dies bald wieder möglich sein wird.

Da der Nachwuchs sich aber mit Smartphones und Online-Angeboten gut auskennt, kann für eine gewisse Zeit der Unterricht auch einmal etwas „anders“ ablaufen. In Chatgruppen werden zum Beispiel Arbeitsaufträge geteilt und besprochen, kleine Videos und Fotos erstellt, und sollte die Kontaktsperre noch länger aufrechterhalten werden, könnten auch Videokonferenzen Bestandteil des Unterrichts sein.

Auch von den derzeit stattfindenden Online-Andachten über YouTube sind die Jugendlichen angetan. Sie können sich vorstellen, dass es solch ein Format auch zukünftig ab und an geben sollte: „Das ist mal eine andere Art, dabei zu sein, und man kann am Sonntagmorgen sogar ein bisschen länger ausschlafen.“

Voll analog hingegen waren einige Konfis in den Ferien vor Ostern aktiv: Als eines ihrer Gemeindeprojekte haben sie allen Senioren der Kirchengemeinde einen Ostergruß zukommen lassen und so 1665 Briefe verteilt. „Natürlich jeder und jede für sich und immer mit reichlich Sicherheitsabstand“, berichten die Jugendlichen.

VON PFARRER STEFFEN HELD

Weitere Informationen gibt es auf den Webseiten der Evangelischen Kirche Langen und der Katholischen Kirche Langen.

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