Finale von Bundeswettbewerb

Langener mit „Prim“ für Deutschen Computerspielpreis nominiert

Nix wie raus hier: In der ersten Sequenz muss der Spieler der 13-jährigen Prim helfen, aus einem Zimmer zu entkommen. Denn sie will in die Menschenwelt. 
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Nix wie raus hier: In der ersten Sequenz muss der Spieler der 13-jährigen Prim helfen, aus einem Zimmer zu entkommen. Denn sie will in die Menschenwelt. 

Jonas Fisch aus Langen hat ein Computerspiel entwickelt. „Prim“ ist eine düstere Geschichte. Einen Preis konnte er bereits abräumen. 

  • Jonas Fisch aus Langen (Kreis Offenbach) hat ein Computerspiel entwickelt
  • Dafür ist er für den Deutschen Computerspielpreis nominiert
  • Über eine Auszeichnung vor der Verleihung konnte er sich schon freuen

Langen – Der Langener Jonas Fisch ist mit seinem selbst programmierten Computerspiel „Prim“ für den Deutschen Computerspielpreis nominiert.

Der renommierte Wettbewerb wird vom Bundesministerium für Verkehr und Digitales jährlich ausgeschrieben und für die Auswahl in die Top fünf der „besten Prototypen“ kann sich Fisch schon jetzt über ein Preisgeld von 20. 000 Euro freuen. Die Kür des Siegers ist am Montag, 27. April bei einer (coronabedingten) Online-Gala mit Barbara Schöneberger als Moderatorin. „Schon in dieser Auswahl – mit durchweg professionellen Spieleentwicklern Deutschlands und echten Hochkarätern der Szene – dabei zu sein, ist eine riesige Ehre! Wir gehören zu den Top fünf von einer Fachjury aus über 300 Einsendungen ausgewählten Spielen. Alles was jetzt noch kommt, wäre eine Sahnehaube“, kann es der Langener kaum fassen.

Langen (Kreis Offenbach): Junger Mann entwickelt Computerspiel

Ist auch Spieleentwickler: Jonas Fisch, Sänger der Band Inhuman, hat sich mit „Prim“ einen Traum erfüllt. Stolz zeigt er die Puppe der namensgebenden Hauptfigur. 

Jonas Fisch ist ein Multitalent: Im vergangenen Jahr veröffentlichte er als Frontmann mit seiner Band Inhuman das vierte Studioalbum, im „wahren Leben“ ist er Lehrer am Goethe-Gymnasium in Neu-Isenburg und unterrichtet Englisch und Philosophie. Privat wurde der 33-Jährige 2019 Vater einer kleinen Tochter. Das klingt schon danach, als sei er sehr beschäftigt – aber mit der Entwicklung von Computerspielen kommt eine weitere Leidenschaft hinzu. „Ich liebe die sogenannten Point-and-Click-Adventures, seit ich zehn oder elf Jahre alt bin“, erinnert sich der Spielentwickler.

Um ein solches Spiel handelt sich auch bei „Prim“: Dabei geht es eben nicht um Schnelligkeit oder wildes Geballer, sondern um Grips und Geschicklichkeit. Mithilfe von sogenannter Engine-Software beginnt Fisch 2016 mit der Entwicklung eigener Videospiele. Da er schon damals ganz erfolgreich bei weltweiten Wettbewerben für Spiele-Entwickler ist, will der Langener ein größeres Game zum Leben erwecken – mit längerer Dauer und einer ganz eigenen Welt in besonders schönen Bildern.

Das ist ihm gelungen: Fisch entführt seine Spieler in das Leben der 13 Jahre alten Prim. Die zauberhafte Hauptfigur kommt mit Schlafzimmerblick, Totenkopf-Bluse und zwei schwarzen Zöpfen daher. Als Tochter des Gottes des friedfertigen Todes lebt sie in einer ganz eigenen Welt. Der Spieler bekommt in dem jetzt nominierten Prototypen des Spiels den Einblick in ein fast typisches Teenagerzimmer. Die Animation ist mit viel Liebe zum Detail schwarz-weiß und wie ein Comic gezeichnet. „Prim ist ein großer Sportfan und an ihren Wänden hängen Poster der Superstars der Casket-(Englisch für Sarg)-Ball-Liga“, weist Fisch auf eines der Details hin, die ihm besonders viel Spaß machen. Die erste Sequenz des Spiels ist aufgebaut wie eine klassische Escape-Room-Geschichte, eine Spielform die gerade sehr beliebt ist: Dabei geht es darum, durch das Beantworten von Fragen und Lösen von Aufgaben aus einem Raum heraus zu kommen.

Langen: Spannende Geschichte als Computerspiel

Denn Prim hört im Schlaf die Stimme eines Jungen aus der menschlichen Welt, der dringend ihre Hilfe braucht. Ihr Vater Thanatos, der Gott des friedfertigen Todes, hält die Erde aber für einen gefährlichen Ort für seine Prim und sperrt sie ein. Der Spieler muss jetzt versuchen, Prim zu helfen, aus dem Zimmer zu entkommen. Eine niedliche Nebenrolle spielt dabei Prims kleiner Freund, das Spinnenauge. Ihn einzufangen ist die erste ganz große Herausforderung für die Computerspieler.

Mann aus Langen hat 2019 begonnen, Computerspiel zu entwicklen 

Jonas Fisch hat im vergangenen Jahr damit begonnen, Prim zu entwickeln. Er hat das Spiel selbst programmiert, die Welt erfunden und die Dialoge geschrieben. Doch er arbeitete auch mit einem Team: Mit Maria Pendolino aus New York hat er eine Synchronsprecherin aus New York für Prim gewonnen, die auch Rollen für Netflix-Serien spricht. Ein Animator aus Karlsruhe hat die Figuren zum Leben erweckt, es gibt einen Komponisten für die Spielemusik und Sascha Schneider aus Berlin zeichnet die Welt der sympathischen Hauptfigur. Prim ist dank einer griechischen Puppenmacherin auch als Puppe als Merchandising für die Fans vorhanden.

Nominiert für Computerspielpreis: Jonas Fisch aus Langen erschuf "Prim"

„Die Nominierung für den Deutschen Computerspielpreis ist eine absolute Überraschung und ein riesiger Erfolg für mich“, sagt Fisch überglücklich. Mit den 20 .000 Euro ist das Startkapital da, um aus einem Prototypen ein fertiges Spiel zu entwickeln. „Wir werden im Oktober noch ein Crowdfunding starten – eine Spendenaktion auf der Plattform Kickstarter – um genügend Geld für den Produktionsstart zu realisieren“, kündigt Fisch an. Die Computerspieler müssen sich allerdings noch gedulden. Bis das Spiel im Handel erscheint, werden noch eineinhalb bis zwei Jahre vergehen. Jonas Fisch muss schließlich auch unterrichten, sich um die Familie kümmern und mit Inhuman auf der Bühne stehen. Jetzt bleibt es spannend, wie das große Finale vom Deutschen Computerspielpreis ausgeht. Der Sieger bekommt statt der 20. 000 übrigens sogar 35 .000 Euro.

VON NICOLE JOST

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