Plädoyer für das gedruckte Wort

KULTURPREIS 2020 Stadt zeichnet Buchladen, litera und Langener Zeitung aus

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Ausgezeichnet: Die Inhaberin der Buchhandlung litera, Beate Neiß (Foto links), freut sich über die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Langen für das Jahr 2020.

Normalerweise informiert unsere Zeitung darüber, wer bei einer Preisverleihung ausgezeichnet wird. Dass wir selber einen Preis bekommen, ist dagegen überaus ungewöhnlich.

Langen – Doch heute dürfen wir es verkünden: Wir, die Redaktion der Langener Zeitung (Teil der Mediengruppe Offenbach-Post), sind mit dem Kulturpreis der Stadt Langen für das Jahr 2020 bedacht worden – gemeinsam mit der Buchhandlung litera und dem Buchladen.

„Produktion und Vertrieb von Büchern und Zeitungen ist mehr als ein ertragsorientiertes Gewerbe“, heißt es dazu in der Würdigung der Stadt. „Printmedien sind Kulturgüter, die Gesellschaft und Bildung maßgeblich prägen. Mit Blick auf das Internet und die sozialen Medien stehen sie längst vor enormen Herausforderungen und müssen ihre Identität neu erfinden. Dabei helfen engagierte Mittler, wie die beiden Langener Buchhandlungen litera und Der Buchladen und das Redaktionsteam der Langener Zeitung. Die Jury hält damit ausdrücklich ein Plädoyer für das gedruckte Wort und die Lesekultur.“ Dem Gremium gehören Fraktionsvertreter und Fachleute aus der Verwaltung an.

„Der unabhängige Buchhandel ist einer der wertvollsten Motoren des lokalen Kulturgeschehens“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. „Er ist Kulturvermittler und -förderer, holt Autoren und Wortkünstler in die Stadt, unterstützt Kindergärten und kooperiert mit Schulen.“ Für die Langener seien die beiden Buchläden kleine Kulturzentren.

Die Buchhandlung litera wurde 1979 von Ruth Zinke und Johanna Hein am Stresemannring gegründet. Nach 13 Jahren übernahm Gisela Thierolf das Ruder. Sie erweiterte die Verkaufsfläche und eröffnete darüber hinaus im Sommer 2003 eine zweite Filiale an der Bahnstraße. 2009 – pünktlich zum 30-jährigen Bestehen – übernahm Beate Neiß die Geschäftsführung des Unternehmens. Vier Jahre später bündelte die neue Chefin die Kräfte in der Bahnstraße.

In den vergangenen Jahren stellte litera zahlreiche Kooperationen auf die Beine, von denen besonders junge Leser profitieren. So fördert seit mehr als 30 Jahren zum Beispiel die „Aktion Lesekiste“ die Sprach- und Lesekompetenz und ganz allgemein die Bildung Langener Schulkinder. Die Buchhandlung stiftet allen Schulen Lesestoff, der dann in den Bestand der Schulbücherei übergeht. Zum Kreis der dauerhaften Kooperationspartner gehört außerdem die Deutsche Flugsicherung (DFS), mit der 2004 die „Langener Lesung“ ins Leben gerufen wurde.

Mit Buch- und Gutscheinspenden zu verschiedensten Anlässen bringt sich litera immer wieder vielfältig ins stadtgesellschaftliche Leben ein. Inhaberin Beate Neiß, die sich in der Citymarketing-Initiative engagiert, gelingt es nach Ansicht der Jury, „mit ihrer Buchhandlung kulturelle Akzente zu setzen, den Austausch mit Einwohnern der Stadt zu fördern und damit weit mehr zu bieten als der Online-Handel.“

Gleiches gelte auch für den „Buchladen“, der 1980 in der August-Bebel-Straße nahe dem Lutherplatz eröffnete. Den Schwerpunkt setzten die Inhaberinnen – Werbekauffrau Christel Gunkelmann-Klan und Diplom-Bibliothekarin Brigitte Raitz – auf Kinder- und Jugendbücher, hochwertiges Holzspielzeug und Gesellschaftsspiele. Von Beginn an legten die Chefinnen besonderen Wert auf die Atmosphäre des Geschäfts: gemütliche Leseecken, persönliche Beratung und dazu immer ganz viel Kunst und Kultur. Sinnbildlich dafür stand auch das geschwungene weinrote Sofa, das zum Firmensymbol wurde.

Buchladen-Chef Stephan Gräbener und seine Mitarbeiterin Katja Hoffmann. 

Später fand der Buchladen eine neue Heimat im urigen Fachwerkhaus an der Wassergasse. Mit dem Umzug direkt an den Lutherplatz rückte er 2003 näher in die geografische Stadtmitte. Nach 31 Jahren übernahm Stephan Gräbener das Traditionsgeschäft. Er setzte Akzente bei der Sortimentsgestaltung, knüpfte mit Foto-Ausstellungen und ideenreichem Schaufensterdesign an die kreative Linie seiner Vorgängerinnen an. Heute haben Literaturfreunde sogar die Möglichkeit, bei der Suche nach neuem Lesestoff einen Kaffee zu genießen: Gräbener und sein Team haben in einer Barista-Bar Heißgetränke und Snacks im Angebot. Gräbener mischt ebenfalls als Mitglied der Langener Citymarketing-Initiative aktiv im Stadtgeschehen mit und setzt sich immer wieder für wohltätige Zwecke wie Buchspenden an die Langener Tafel ein.

Mit der Verleihung des Kulturpreises sollen „die Verdienste, die sich alle drei Institutionen über Jahrzehnte hinweg für das gesellschaftliche Leben erworben haben, gewürdigt, die Anstrengungen der LZ-Redaktion, fortwährend Lesenswertes aus und über Langen zu bieten, hervorgehoben und Bedeutung und Wirkung des örtlichen Buchhandels in den Blickpunkt gerückt werden, der immer auch Zeitgeschichte abbildet“, erklärt Bürgermeister Gebhardt.

Der Kulturpreis, mit dem die Stadt besondere Leistungen auf künstlerisch-kultureller Ebene würdigt, ist in erster Linie eine öffentliche Anerkennung. Ein Preisgeld ist damit nicht verbunden. Die Auszeichnung wird bei einer öffentlichen Veranstaltung überreicht. Ein Termin steht noch nicht fest. 

Warum die Stadt unserer Redaktion den Kulturpreis verleiht

Zu guter Letzt hat sich die Jury des Kulturpreises ausführlich mit unserer Redaktion befasst: „Die Langener Zeitung ist seit jeher eine klassische Lokalzeitung, die ihre Leser wie kein anderes Blatt über das Geschehen in unserer Stadt informiert“, sagt Gebhardt. Größte Leistung sei, dass wir seit den Anfängen im Jahr 1948 (als Langener „Anzeigenblatt“) bis zum heutigen Zeitpunkt den Ansprüchen an einen seriösen, fundierten und breit angelegten Lokaljournalismus treu geblieben sind und damit allen Veränderungen in der Medienbranche standgehalten haben. „Eine Redaktion mit solide ausgebildeten Journalisten, die sich vor Ort auskennen, ihre Netzwerke pflegen, über alle Lebensbereiche schreiben und sich für keine Veranstaltung zu schade sind, kein Ereignis vernachlässigen, auch bei kontroversen Themen sachlich bleiben und pointiert kommentieren, ist heute in einer Stadt von der Größenordnung Langens mehr denn je ein kostbares Gut“, betont der Verwaltungschef.

In Zeiten von Fake News, billigen Schlagzeilen und den oftmals unsäglichen Beiträgen in den sogenannten sozialen Medien sei unsere Langener Zeitung eine große Bereicherung für alle, die Wert legen auf eine möglichst objektive, vielfältige und ausgewogene Berichterstattung nach publizistischen Grundsätzen wie der Wahrhaftigkeit und der sorgfältigen Recherche. Mit journalistischem Sachverstand gelinge es unserer Redaktion, die Dinge auf den Punkt zu bringen, die Leser zu informieren, aber auch zu unterhalten und sie vor allem neugierig zu machen auf die Stadt, in der sie leben. „So gesehen ist die Langener Zeitung in der Tat ein ,Notizbuch der Woche‘, das die örtlichen Geschehnisse unter die Lupe nimmt, auf Fehlentwicklungen hinweist, aber auch hervorhebt, was alles an Positivem ,Rund um den Vierröhrenbrunnen‘ passiert und was ,Ihr Tobias‘ meint“, sagt Gebhardt.

„Die LZ ist längst das einzige Presseorgan, das regelmäßig und überhaupt zum Beispiel über Theater- und Kabarett-Aufführungen in der Neuen Stadthalle berichtet, Konzerte besucht, Ausstellungen ausführlich würdigt und weitere kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse zwischen Steinberg und Neurott für seine Leser aufbereitet“, lobt der Bürgermeister. „Überdies ist sie ein Sprachrohr für die örtlichen Vereine, deren Wettkämpfe und Aktivitäten sich auf den Seiten wiederfinden.“

Das Prädikat „besonders wertvoll“ verdiene die LZ auch für eine identitätsstiftende Wirkung. „Sie vermittelt Heimat und gibt Alteingesessenen genauso wie Zugezogenen eine Orientierung – als klassische Printausgabe wie längst auch als E-Paper unter op-online.de. Mit dem historischen Zeitungsarchiv der LZ auf der städtischen Internetseite langen.de, das bis 1948 zurückreicht, verfügt die Stadt darüber hinaus über eine zeitgeschichtliche Sammlung, die kommenden Generationen einen Blick auf die Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit erlaubt.“

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