Funde auf  Baustelle zum Generationenzentrum

Langen kurz nach der Eiszeit

Noch gut erhalten: In der Torfschicht im Langener Norden fanden sich Holzreste und Rindenabdrücke.  (c)Foto: p

Langen - Zeitungsleser wissen mehr: Eine kurze Notiz in unserer Zeitung hat dazu geführt, dass der Langener Heimatkundige Reinhold Werner mehrere etwa 10.000 Jahre alte Funde aus dem Holozän für die Nachwelt sichern konnte. Von Markus Schaible 

Beim Bau für das Seniorenzentrum auf dem DRK-Gelände an der Frankfurter Straße musste eine erheblich tiefere Grube ausgehoben werden als geplant, weil die Arbeiter auf eine dickere Torfschicht gestoßen waren als geplant – so stand es vor genau zwei Wochen bei uns zu lesen. Das Wort „Torf“ ließ Reinhold Werner, einen der Heimatkundigen des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, hellhörig werden. Könnte dieser doch Interessantes aus der Vergangenheit bergen.

„Ich habe mich sofort mit der Bauleitung in Verbindung gesetzt, die sehr freundlich und kooperativ war“, berichtet Werner. Leider sei er wegen seines Urlaubs ein wenig spät gekommen, der größte Teil des Torfs war bereits auf eine Deponie gefahren worden. Doch in den Resten, die noch auf dem Gelände lagerten, wurde er fündig: Handtellergroße Holzsplitter und Halme kamen zutage, ebenso ein etwa 30 Zentimeter langes Holzstück und der Abdruck einer Baumrinde, die sich gegen die oben liegende Lehmschicht, den „Länger Loame“, gedrückt hatte.

Werner hat einst die Geologie-Ecke im Stadtmuseum im Alten Rathaus eingerichtet, verfügt also über entsprechende Kenntnisse. „Außerdem weiß ich, wen ich fragen kann.“ So wandte er sich an das Egelsbacher Geologenbüro Heberer & Schleicher, das bestätigte, dass der Torf aus dem Gebiet des Ur-Maines aus der Zeit des Holozän, der Nach-Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren, stammt. „Denn nach der Eiszeit gab es während des allgemein wärmeren Klimas längere Wachstumsperioden, die diese Biomasse produzierte, aus der die Torflagen entstanden sind“, erklärt Werner.

Gerne hätte er auch herausgefunden, von welchem Baum der Rindenabdruck stammt. Doch beim Forstamt konnte man ihm nur so weit helfen, dass es sich um einen Hartholzbaum handelt; mehr lässt sich nicht mehr feststellen.

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Die Lehmschicht, die auf der Baustelle etwa sechs Meter unter dem heutigen Niveau verläuft, zieht sich durch den ganzen Langener Norden, weiß Werner. „Unsere Vorfahren haben ihn offen abgebaut. So heißt der Weg, der gegenüber der Asklepios Klinik beginnt und zum Modellflugplatz führt, Loamekauteweg, also Lehmkautenweg.“ Langen sei einst bekannt gewesen für seine Ziegeleien, die sich ab der Hälfte des 17. Jahrhunderts rund um den Lutherplatz ansiedelten. Noch heute könne man an Häusern den „Feldbrand“, das waren handgemachte Ziegelsteine, finden. Ein anderer der Heimatkundigen, Gerd Grein, hat vor etlichen Jahren ein Büchlein über „Langen und seine Ziegeleien“ herausgebracht.

Wer sich für Langens Geologie interessiert, wird im Stadtmuseum Altes Rathaus am Wilhelm-Leuschner-Platz fündig. Das öffnet das nächste Mal am Samstag, 27. Oktober, ab 14 Uhr; dann gibt es unter anderem anderem einen Vortrag über „Langener Handwerk, Betriebe und Geschäfte“.

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