Lernen mit Maske empfohlen

Wie die Langener Schulen den Regelbetrieb stemmen

Trubel am ersten Schultag – wie hier an der Dreieichschule Langen. Aber eins darf nicht fehlen: Der Mund-Nasen-Schutz gehört ab sofort unbedingt in den Schulranzen, denn draußen auf dem Gelände ist er Pflicht.
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Trubel am ersten Schultag – wie hier an der Dreieichschule Langen. Aber eins darf nicht fehlen: Der Mund-Nasen-Schutz gehört ab sofort unbedingt in den Schulranzen, denn draußen auf dem Gelände ist er Pflicht.

An den Langener Schulen hat wieder der Regelbetrieb begonnen. Nach Schließung, Homeschooling und tageweisem Unterricht bietet er ein Stück Normalität – doch die Pandemie ist allgegenwärtig. Wir haben die weiterführenden Schulen nach ihren Konzepten und den ersten Erfahrungen gefragt.

Langen – Die Schulglocke läutet wieder, die Kreide kratzt über die Tafel und auf dem Hof wird wieder getobt – nach den Sommerferien ist der Unterricht an Langens Schulen gestartet, unter dem Eindruck von Corona. Es gibt zwar Schutzvorgaben vom Land, aber in vielem sind die Schulen doch eigenständig, wie sie sich organisieren.

An der Dreieichschule (DSL) gilt auf dem Schulhof und in den Gängen eine Maskenpflicht, im Gebäude weisen Pfeile auf dem Boden auf Einbahnstraßenregelungen hin. Und der Mindestabstand soll zusätzlich eingehalten werden. Es liege bereits lange ein Konzept vor, das durch die Bestimmungen des Kultusministeriums vor einer Woche nur untermauert wurde, erklärt Schulleiterin Nicole Ott. „Wir hatten frühzeitig Kontakt zum Gesundheitsamt und haben Regelungen zu Maskenpflicht und Hygienevorschriften getroffen“, so Ott. Außerdem hat jede Klasse einen zugeteilten Pausenhof. „Wir postieren Lehrer an allen Eingängen, um an die Regeln zu erinnern und die Umsetzung zu kontrollieren“, erklärt sie. „Auch ich war schon im Einsatz.“

Schüler sind zumeist einsichtig

Hin und wieder vergesse mal jemand seine Maske, manchmal zeigen Schüler wenig Einsicht, doch bis auf wenige Ausnahmen seien alle sehr diszipliniert. „Es geht eben nur, wenn sich jeder daranhält“, appelliert die Schulleiterin. Auf eine Maskenpflicht im Unterricht wird bisher verzichtet – an heißen Tagen sei dies sehr anstrengend und tue dem Kreislauf nicht gut. Aber man müsse die Infektionszahlen im Blick behalten, betont die Leiterin der DSL.

Anders sieht es an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) aus. Hier spricht der Klassenlehrer mit seiner Klasse ab, ob in den ersten zwei Schulwochen eine Maske auch im Unterricht getragen werden soll. Schulleiterin Marianne Kral erklärt: „Wir raten auf jeden Fall dazu. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten an der Schule befinden.“ Auch wenn die Lehrer am ersten Schultag in den Klassen kontrolliert haben, ob Schüler in Risikogebieten waren beziehungsweise negativ auf Corona getestet wurden – vollkommene Sicherheit gebe das in Hinblick auf die Inkubationszeit nicht. Zudem wurde gestern eine Gesamtkonferenz einberufen, bei der möglicherweise weitere Maßnahmen beschlossen wurden (die Ergebnisse standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest).

Sitzordnung wie bei Klassenarbeit

Fragen zur Maskenpflicht hätten vorrangig Eltern – die Schüler kämen problemlos damit klar, sagt Kral. Am Montag und Dienstag wurde die Schulgemeinde nur gestaffelt in die Schule bestellt. Seit gestern wird im normalen Stundenraster unterrichtet – allerdings nur beim entsprechenden Klassenlehrer. „Zusätzlich haben wir die Sitzordnung angepasst: Sie entspricht der Formation wie bei einer Klassenarbeit. Somit sitzt kein Schüler direkt neben einem anderen“, veranschaulicht Kral. Neue Pausenflächen sollen zudem dazu beitragen, die nötige Distanz zwischen den Schülern zu wahren.

Überall Schilder: Die AES macht mit Aushängen auf die Einhaltung des Abstands aufmerksam (linkes Bild), die Dreieichschule auf den Mundschutz. Deren Elternbeirat hätte sich zunächst eine Maskenpflicht im Unterricht gewünscht.

Die Albert-Einstein-Schule (AES) legt ein ähnliches Konzept vor: Der Appell zum Tragen einer Maske, auch während des Unterrichts, gilt hier ebenfalls – auf dem restlichen Gelände ist es sowieso verpflichtend. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür wecken. Und das klappt auch gut. Die Schüler haben sich auf der Homepage über unsere Maßnahmen informiert und wissen daher, wie es läuft“, lobt Susanne Fritz ihre Schulgemeinde. Die neuen Rituale haben sich bereits vor den Ferien eingespielt: Alle Klassen treffen sich auf dem Hof an ihren markierten Wartepunkten und werden vom entsprechenden Lehrer in den Klassenraum gebracht. Da es nur einen Eingang gibt, können keine Einbahnstraßen eingerichtet werden. Dafür wurden die Aufsichten verstärkt. Zudem muss das beliebte Café geschlossen bleiben. „Da werden im Förderverein aber schon Möglichkeiten – beispielsweise ein Stand draußen auf dem Schulhof – besprochen. Und in der Mensa essen die Klassen nur in ihrem Verband und zeitlich versetzt“, bemerkt Fritz.

Elternbeirat der Dreieichschule hätte sich Maskenpflicht im Unterricht gewünscht

Der Elternbeirat der Dreieichschule blickt mit gemischten Gefühlen auf das Hygienekonzept und den Schulstart. „Die Regelungen des Gymnasiums sind ein Kompromiss zwischen notwendigen Abstands- und Hygienemaßnahmen und Umsetzbarkeit im praktischen Unterricht. Insbesondere in Bezug auf die aktuell steigenden Infektionszahlen durch Rückkehrer aus Risikogebieten hätten wir uns für die ersten zwei Wochen eine Maskenpflicht auch im Unterricht gewünscht“, stellt der stellvertretende Vorsitzende Bernd Brähler klar. Man sei sich wohl bewusst, dass damit Einbußen bei der Lehrstoffvermittlung einhergehen würden und es auch andere Ansichten in der Elternschaft gebe. Im Falle einer Infektion seien daher schnelle und konsequente weiterführende Maßnahmen erforderlich, betonen die Eltern.

Und wie sehen es die Jugendlichen selbst? Dreieichschüler Markus geht jetzt in die zwölfte Klasse und ist bereits vor den Sommerferien für einen regelmäßigeren Unterricht in die Schule zurückgekehrt. „Diese Zeit empfand ich als sehr angenehm, da wir nur kleine Gruppen waren und wenig Leute die Schule besuchten“, sagt der 17-Jährige. Durch die Schulschließung sei jedoch einiges an Inhalten zu kurz gekommen, weshalb ein Teil des Stoffs vom letzten Halbjahr in dieses verlegt werden muss. Das neue Hygienekonzept findet er in der aktuellen Situation absolut angemessen: „Für einige Schüler ist es sicherlich nicht angenehm, man kann jedoch damit klarkommen. Schließlich müssen wir im nächsten Jahr auch unser Abitur schreiben und bis dahin alles können.“ Die Sechstklässlerinnen Mona und Stella von der Adolf-Reichwein-Schule sagen: ,„Es ist schon komisch und warm mit den Masken.“ Die Mädchen stellen jedoch klar: „Vor allem freuen wir uns aber, unsere Freunde wiederzusehen!“ Von Moritz Kegler

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