Stromschleudern sind bald Geschichte

Ludwig-Erk-Schule: Bund und Land fördern Sporthallen-Sanierung mit 580 000 Euro

Fünf Freunde in dunklem Zwirn und ein Sporthallen-Förderbescheid: Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt (Zweiter von rechts) bei der symbolischen Übergabe im Objekt der Sanierung mit (von links): Langens Erstem Stadtrat Stefan Löbig, Schulrektor Max Leonhardt, Landrat Oliver Quilling und dem Dreieicher Landtagsabgeordneten Hartmut Honka. Foto: STROHFELDT
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Fünf Freunde in dunklem Zwirn und ein Sporthallen-Förderbescheid: Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt (Zweiter von rechts) bei der symbolischen Übergabe im Objekt der Sanierung mit (von links): Langens Erstem Stadtrat Stefan Löbig, Schulrektor Max Leonhardt, Landrat Oliver Quilling und dem Dreieicher Landtagsabgeordneten Hartmut Honka.

Hoher Besuch aus der Landeshauptstadt Wiesbaden und aus dem Dietzenbacher Kreishaus an der Ludwig-Erk-Schule: Die Sporthalle der Grundschule an der Bahnstraße wird – wenn’s klappt noch im Laufe dieses Jahres – komplett energetisch saniert.

Langen –  Das Vorhaben schlägt mit gut 600  000 Euro zu Buche, den Löwenanteil steuern Land und Bund bei. So fließen aus Wiesbaden 145 000 Euro mit dem Verwendungszweck „Erk-Schule, Langen“ an den Kreis Offenbach als Schulträger. Den zugehörigen offiziellen Zuwendungsbescheid übergab Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt gestern vor Ort an Landrat Oliver Quilling und Schulleiter Max Leonhardt. Aus Berlin stehen sogar 453 000 Euro Sanierungszuschuss zu erwarten.

Den Schülern auf dem Hof und in der Turnhalle kommen die Herren in den schwarzen Anzügen, die da am Mittwochmittag vorübergehend ihr Revier durchstreifen, selbstredend erst mal spanisch vor. „Wer bist du denn?“, will ein Junge vom Landrat wissen. „Ich bin der Oliver“, entgegnet der erste Mann im Kreis und stellt sich ein bisschen näher vor.

Das kleine Geplauder ist Randnotiz des offiziellen Geschehens, dem das Etikett „Energiewende an den Schulen im Kreis Offenbach“ anhaftet. Die Turnhalle der Ludwig-Erk-Schule verkörpert baulich all das, was man heutzutage unter dem Begriff „Energieschleuder“ subsumiert. Ganz zu schweigen vom Unterrichtskomfort: „Die Lüftung und die Heizung haben ihr Eigenleben, mal ist es zu kalt, dann wieder zu warm“, umschreibt Max Leonhardt vielsagend die Funktionsweise der beiden alten Anlagen-Damen. Das soll sich ändern –  zu diesem Zweck wird der Halle von innen wie außen eine Frischzellenkur verpasst.

„Die alte Heizung und Lüftung sind wahre Energiefresser und fliegen raus“, blickt Kreis-Projektleiter Leo Hoth voraus. „Stattdessen werden eine energieeffiziente Deckenstrahlheizung eingebaut und eine Warmwasserbereitung installiert, die über eine thermische Solaranlage auch regenerative Energie nutzt.“ Außerdem erhalten alle Hallenfenster Wärmedämmglas; auf der Südseite wird obendrein ein außen liegender Sonnenschutz angebracht. „Und die Fassade der Sporthalle wird mit einer neuen Dämmung und farbigen Platten versehen“, schließt Hoth.

Dass die Investition sich langfristig über die Energiekosten rechnen wird, macht der Projektleiter am Verbrauch der aktuellen Stromfresser deutlich: „Lüftung und Heizung verbrauchen bisher rund 120 000 Kilowattstunden jährlich. Mit der neuen Technik werden wir irgendwo um die 50 000 Kilowattstunden landen.“ Im Paket mit effizienter Dämmung und reduziertem Wasserverbrauch habe dies sehr wohl Aussagekraft.

Dass Land und Bund bei der Förderung mit insgesamt 75 Prozent im Boot sind, spielt dem Kreis als Schulträger natürlich in die Karten, sprich unmittelbar ins Budget. „Die Problemlage, wie sie hier an der Ludwig-Erk-Schule vorzufinden ist, haben wir im Prinzip in allen Kreiskommunen in den Innenstadtbereichen, wo Schulen auf engstem Raum und gern auch mal in historischer, denkmalgeschützter Bausubstanz beheimatet sind“, merkt Oliver Quilling an. Mit der Energetik packe man im Übrigen nur eines von „diversen heißen Schuleisen“ an. Exemplarisch nennt der Landrat den Ausbau der Schulbetreuung – „das treibt praktisch jede Schule um“ – und ebenso das Grundsatzproblem jeglichen An-, Um- und Ausbaus auf längst reichlich „nachverdichteten“ Schulgeländen.

Diese „Großwetterlage“ an Hessens Schulen sei in Wiesbaden sehr wohl bekannt, greift der Staatssekretär die Worte des Landrats auf. „Eben deshalb setzt das Ministerium auf den Dreiklang Land – Kreis – Kommune, um in enger Absprache bestmögliche Resultate zu erzielen.“ Im Rahmen des Programms „KIP macht Schule“ (KIP steht für Kommunales Investitionsprogramm) flössen alleine an den Kreis Offenbach 14,1 Millionen Euro von Bund und Land, so Patrick Burghardts Hinweis.

Erweiterung – das Thema wird der Kreis 2020 in Langen noch an der Geschwister-Scholl-, der Sonnenblumen- und der Janusz-Korczak-Schule spielen. Für die Erk-Schule mit ihren 360 Schulkindern in 18 Klassen steht derweil der Energetik-Fahrplan: „Die Planung ist abgeschlossen, derzeit werden die sogenannten Leistungsverzeichnisse erstellt, die Grundlage der Ausschreibung sind“, schildert Hoth. Ausgeschrieben werde im April – in der Hoffnung, zeitnah nach Ablauf der Angebotsfrist die Arbeiten starten zu können. „Wir gehen davon aus, dass die Gesamtbauzeit bei etwa drei Monaten liegen wird, wobei alles dafür spricht, in zwei Abschnitten zu sanieren, nämlich Innenbereich und Fassade. Das wäre minimal-invasiv, um mit Worten aus der Medizin zu sprechen.“

VON HOLGER BORCHARD

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