Privater Fahndungsaufruf ist Straftat

Nach mutmaßlicher Attacke: Mann am Facebook-Pranger

Von uns unkenntlich gemacht: Beim privaten Facebook-Fahndungsaufruf war der Mann deutlich zu erkennen. Die Polizei warnt vor einem solchen strafbaren Vorgehen.
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Von uns unkenntlich gemacht: Beim privaten Facebook-Fahndungsaufruf war der Mann deutlich zu erkennen. Die Polizei warnt vor einem solchen strafbaren Vorgehen.

Nach einem Streit startet der Ehemann der Geschädigten einen privaten Facebook-Fahndungsaufruf. Die Polizei warnt vor einem solchen strafbaren Vorgehen.

  • In Langen kam es zu einem Streit unter Hundebesitzern
  • Dabei wurde eine Frau angegriffen und beleidigt
  • Ihr Ehemann startet einen privaten Fahndungsaufruf nach dem Angreifer auf Facebook 

Langen –„Handgreiflicher Streit unter Hundehaltern“ – so lautete Mitte der Woche unsere Überschrift über einen Vorfall, der sich in Langen im Wohngebiet Neurott zugetragen hat und eine unrühmliche Fortsetzung im „sozialen“ Netzwerk Facebook fand.

Der Ehemann der 35-jährigen Geschädigten veröffentlichte einen Fahndungsaufruf („500 Euro Belohnung“) mit Foto, auf dem der angebliche Täter deutlich zu erkennen ist – und damit machte er sich selbst strafbar. Andere Facebook-Nutzer teilten den Aufruf auch noch, bevor er wieder aus dem Netz genommen wurde.

Langen: Polizei warnt vor strafbarem privaten Fahndungsaufruf nach Angreifer auf Facebook

„Wir warnen ganz deutlich vor solchen privaten Fahndungsaufrufen“, sagt Andrea Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach. Wer einen solchen veröffentliche, in dem – wie in diesem Fall – der mutmaßliche Täter auch noch zu erkennen war, müsse damit rechnen, selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das zur Anwendung kommende Gesetz nennt sich „Kunsturhebergesetz“, auch wenn eine Fahndung nichts mit Kunst zu tun hat. 

In den Paragrafen 22 und 23 ist die Veröffentlichung eines Bildes ohne Einverständnis der Abgebildeten geregelt. Zudem kann geprüft werden, ob nach Paragraf 201a, Absatz 2, des Strafgesetzbuchs dem Ansehen des Beschuldigten „erheblicher Schaden“ zugefügt wurde.

Langen: Privater Fahndungsaufruf nach Angreifer laut Polizei nicht zu rechtfertigen

Allerdings müsste der Verdächtigte selbst tätig werden und den Vorfall bei Polizei oder Staatsanwaltschaft anzeigen, da es sich um ein Strafantragsdelikt handelt. „Das könnte unter Umständen bedeuten, dass ein Täter zwar verurteilt wird, aber dennoch denjenigen verklagt, der ihn öffentlich bloßstellt“, so Ackermann.

Selbst der Fahndung der Polizei mit Phantom- oder Echtbildern seien sehr hohe Hürden auferlegt. Erst nach Ausschöpfung aller anderen polizeilichen Möglichkeiten könne die Staatsanwaltschaft einen richterlichen Beschluss für eine Veröffentlichung beantragen, sagt Ackermann: „Das Persönlichkeitsrecht wird dabei ganz hoch gehängt und das ist auch gut so.“ Aber eine private Fahndung bei Facebook sei unter keinen Umständen zu rechtfertigen – „noch nicht mal bei Mördern und Kinderschändern“.

VON MARKUS SCHAIBLE

In Frankfurt wurde ein Serien-Sexualstraftäter nicht mehr nur von der Polizei gesucht. Per Facebook wurde Jagd auf den Täter aus Frankfurt gemacht.

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