Gesellige Glücksbringer

Mit NABU-Tipps Nistplätze für gefährdete aber nützlichen Schwalben schaffen

Guck-guck: Dieses hungrige Rauchschwalben-Quartett wartet im Nest auf dem Egelsbacher Büchenhof auf die Rückkehr der Eltern. Aber auch ohne Stallungen können Hausbesitzer Schwalben beim Nisten helfen.
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Guck-guck: Dieses hungrige Rauchschwalben-Quartett wartet im Nest auf dem Egelsbacher Büchenhof auf die Rückkehr der Eltern. Aber auch ohne Stallungen können Hausbesitzer Schwalben beim Nisten helfen.

Schwalben sind nützlich, aber trotzdem gefährdet. Der NABU gibt Tipps, wie man ihnen beim Nisten helfen kann.

Langen – Sie sind äußerst nützlich – vertilgen sie und ihre Jungen doch massenhaft Fliegen, Schnaken und Stechmücken –, doch leider kommen Schwalben vor allem im Ballungsgebiet immer seltener vor. Der Naturschutzbund Langen/Egelsbach (NABU) setzt sich deshalb für den Schutz der zwitschernden Flugkünstler besonders ein. Um sich einen Überblick zu verschaffen, zählen die NABU-Mitglieder jährlich die Schwalben vor Ort. Zudem zeichnet der Verein schwalbenfreundliche Häuser aus, berät Vogelfreunde und hilft Garten- und Hausbesitzern bei der Beschaffung von Nisthilfen (siehe Kasten).

In unseren Breiten leben hauptsächlich Rauch- und Mehlschwalben. Als Kulturfolger brauchen sie menschliche Siedlungen als Lebensraum. Während Rauchschwalben in Ställen oder offenen Nebengebäuden von Bauernhöfen ihre Nester herrichten, bevorzugen Mehlschwalben Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen. Hier nisten sie oft in großen Kolonien. Seit Längerem brüten auch in einer Halle der Kläranlage Langen-Egelsbach-Erzhausen Rauchschwalben, 2019 wurden hier sechs Paare gezählt.

Leider schrumpft die Anzahl der Vogeleltern, die Küken aufziehen, bei Schwalben zunehmend. Denn häufig finden sie keine geeigneten Nistmöglichkeiten mehr. Auch die Zahl der Ställe oder Scheunen als Brutstätten verringert sich im dicht bebauten Rhein-Main-Gebiet stetig. Zusätzlich schwindet das Nahrungsangebot für die Vögel, die Insekten sogar noch in einer Höhe von 100 Metern fangen können – vor allem durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und weil offene landwirtschaftliche Flächen zunehmend versiegelt werden.

Um Schwalben und Mauerseglern bei der Wohnungssuche zu helfen, gibt es mehrere Möglichkeiten, weiß Rudolf Lehmann, Schwalbenfachmann des hiesigen NABU. „Schon beim Neubau von Gebäuden können Niststeine oder -kästen in die Hausfassaden integriert werden. Aber auch bei Fassadenrenovierungen oder Dacharbeiten lassen sich die künstlichen Nisthilfen nachträglich einbauen“, sagt Lehmann. Er rät Schwalbenfreunden, auch unter dem Dachüberstand oder flachen Garagendächern nach einem trockenen Plätzchen für fertige und selbst gebaute Schwalbennester oder einen Mauerseglernistkasten zu suchen. Für Hausbesitzer, die sich über Kotspuren der Vögel an den Wänden ärgern, gebe es eine simple Lösung: „Ein einfaches Brettchen, circa 60 Zentimeter unterhalb des Nestes angebracht, fängt den Schwalbendreck unproblematisch auf“, rät Lehmann. Die Entscheidung, eine Nisthilfe anzubringen ist bindend: Denn nicht nur die Schwalben, auch ihre Nester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt. Sie dürfen also auch im Winter, wenn sie leer stehen, nicht beseitigt werden.

Hat sich ein Schwalbenpaar für einen Neubau ihrer Behausung entschieden, kommt viel Arbeit auf die Tiere zu. Unzählige Male müssen sie feuchten Lehm oder Erde suchen, mit ihrem Speichel vermischen und die Kügelchen an eine Wand anbringen. Vogelfreunde können ihnen das Leben erleichtern, in dem sie kleine feuchte Schlammpfützen vorbereiten oder eine Wasserschale aufstellen. Am liebsten setzen die Schwalben jedoch bereits gebrauchte Vogelwohnungen vom Vorjahr in Stand und ersparen sich so eine Menge kraftzehrender Arbeit. Gut gepflegt können alte Nester sogar zehn Jahre und mehr hintereinander bewohnt werden. Eine gute Alternative dazu sind Kunstnester, die die Vögel häufig gern angenehmen. Ein insektenfreundlicher Garten sorgt dafür, dass die Schwalben und ihr Nachwuchs ausreichend Nahrung finden – und sicher gerne wiederkommen. jrd

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