Öffnung im Mai

Musikschul-Lehrer unterrichten auch per Videokonferenz 

Musizieren im jeweiligen Zuhause: Die Langener Musikschullehrerin Gabi Fellner unterrichtet ihre Schülerin Julia Kretschmar digital per Videotelefonie. Foto: Musikschule/Stadt
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Musizieren im jeweiligen Zuhause: Die Langener Musikschullehrerin Gabi Fellner unterrichtet ihre Schülerin Julia Kretschmar digital per Videotelefonie. 

Ein offenes Haus der Musik, in dem in jedem Raum ein anderes Instrument unterrichtet wird – das ist während der Corona-Kontaktbeschränkungen nicht möglich: Das Kulturhaus Altes Amtsgericht ist wie andere Kultureinrichtungen der Stadt aktuell noch geschlossen. 

Langen –  Die neuesten Lockerungen der Landesregierung machen nun Hoffnung auf eine schrittweise Rückkehr zur Musikschul-Normalität. Doch in den vergangenen Wochen sind Musiklehrer und -lehrerinnen kreativ geworden, um ihre Schüler dennoch unterrichten zu können.

Nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein virtueller Weg“ haben die Musiklehrer digitale Wege genutzt, um mit ihren Schülern zu arbeiten: So unterrichteten manche per Videokonferenz mit Laptop, Handy oder Tablet, per Telefon oder es wurden Audiodateien per Mail oder Messenger ausgetauscht. Die einzelnen Lehrer-Schüler-Teams nutzen unterschiedliche Methoden – je nach persönlicher Präferenz. Das Kollegium berichtet von einer große Offenheit und Bereitschaft bei allen Beteiligten, die neuen Unterrichtsformen auszuprobieren. Auch so mancher Skeptiker sei überzeugt worden.

Musikschulleiter Uwe Sandvoß sagt: „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben sich mit unterschiedlichen Medien auseinandergesetzt und didaktisch sinnvolle, digitale Unterrichtsmethoden entwickelt.“ Der direkte Kontakt sei dabei eingeschränkt, der Lernerfolg aber nur leicht. „Online-Unterricht ist in diesen Zeiten ein adäquater Ersatz und kleine verschickte Handy-Audioaufnahmen sind oft von verblüffend guter Klangqualität“, meint Sandvoß.

Gerade viele Kinder und Jugendliche, die durch die Auflagen zur Eindämmung der Pandemie nicht mehr ihren Hobbys außerhalb der eigenen vier Wände nachgehen können, sind froh, dass sie durch den „Fernunterricht“ nicht auf das Musizieren verzichten müssen. „Das E-Learning wird von Schülern und Eltern durchweg sehr gut angenommen“, berichtet Sandvoß. Stücke und Aufnahmen, Feedback und Verbesserungsvorschläge werden zwischen Musikschülern und Lehrkräften hin und hergeschickt. Auch gemeinsames Spiel ist möglich, indem die Schüler ihr eigenes Mikrofon abstellen und parallel mit der Lehrkraft mitspielen. Diese kann zwar nicht korrigierend eingreifen, aber ein Verständnis für das Stück vermitteln.

„Diese Übergangslösung ist viel besser als keine und sie bietet auch Vorteile: Die Konzentration bei den Übungsstunden ist wesentlich höher und die jungen Musiker sind meistens besser vorbereitet“, sagt Sandvoß. Die Aufnahmen der gespielten oder gesungenen Stücke ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung, denn beide Seiten können sie sich wiederholt anhören. „Dadurch ist es möglich, dass die Schüler ihr eigenes Spiel reflektiert betrachten, sich selbstständig korrigieren und Anweisungen leichter nachvollziehen und umsetzen“, so der Musikschulleiter. Allerdings sind die Einzelstunden in dieser Form durch die zahlreichen Aufnahmen für alle Beteiligten auch wesentlich zeit- und arbeitsaufwendiger.

Die Ensembles, Bands, Chöre und Orchester der Musikschule können derzeit ebenfalls nicht wie gewohnt proben, doch haben eine Alternative gefunden: Die Jungs aus der Band von Jan Jansohn spielen sich online nacheinander Passagen ihrer Songs vor und diskutieren die Ergebnisse anschließend gemeinsam. Chorleiter Andreas Winckler bietet Online-Unterricht an, genauso wie Lehrerin Gabi Fellner, die Aufgabenblätter mit Lösungen und Erklär-Videos für den Musiktheorie-Unterricht verschickt. „Die positiven und Mut machenden Rückmeldungen zeigen, dass der hohe Aufwand, den die Lehrkräfte investieren, wertgeschätzt wird und dass die momentane Lage das alltägliche Leben zwar einschränkt, musikpädagogische Angebote aber nicht gänzlich zum Erliegen bringt“, sagt Sandvoß. Er zieht ein positives Fazit zum digitalen Unterricht. Auch wenn es den direkten Kontakt und persönlichen Unterricht nicht ersetzen kann.

Aber durch die am Freitag von der Landesregierung beschlossenen Lockerungen dürfen öffentlichen Musikschulen wieder öffnen – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln und zumindest für Einzelunterricht und das Arbeiten in Kleingruppen von bis zu fünf Personen. Nun müsse der Hygieneplan für das Kulturhaus entsprechend angepasst und beschlossen werden. „Das bereiten wir gerade vor“, erklärt Sandvoß. Deshalb sei eine Öffnung in dieser Woche noch nicht möglich. „Im Mai werden wir aber ganz sicher wieder in der Musikschule unterrichten können“, sagt er. Bis dahin werde der digitale Unterricht auf Gitarre, Schlagzeug und Co. weiterlaufen – bis endlich wieder von Angesicht zu Angesicht musiziert werden darf.

Aktuelle Infos

Über die lokalen Einschränkungen und Lockerungen während der Pandemie informiert die Stadt auf ihrer Internetseite langen.de sowie auf Facebook (@Langen.RheinMain) und Twitter (@stadt_langen).

VON JULIA RADGEN

Auch das Mehrgenerationenhaus ZenJA in Langen darf nach längerer Pause wieder öffnen. Vieles findet trotzdem noch nicht statt - und einiges nur online.

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