Bestandsaufnahme 

Nach Unwetter und Hitze-Sommer: So sehr leidet der Wald in Langen

Hessen, Langen: Ein Mann geht zwischen umgestürzten Bäumen auf der Prinzessin-Margaret-Allee im Westen der Stadt entlang. Am Abend zuvor war ein Unwetter über die Stadt gezogen. 
+
Hessen, Langen: Ein Mann geht zwischen umgestürzten Bäumen auf der Prinzessin-Margaret-Allee im Westen der Stadt entlang. Am Abend zuvor war ein Unwetter über die Stadt gezogen. 

Das Unwetter im August hat im Wald in Langen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Nicht der einzige Grund, sich um den Baumbestand zu sorgen. 

Langen – Unterwegs im Wald, den ungemütlichen Temperaturen und dem Dauerregen zum Trotz: Gemeinsam mit dem neuen Forstamtsleiter Roland Piper, Diensthund „Bolle“ und Revierförster Stefan Neubrandt spazieren rund 30 Interessierte durch den Langener Wald, angetrieben von der Frage, wie es angesichts von Hitze, Sturm, Schädlingsbefall und des von Menschen angerichteten Kahlschlags um unsere grüne Lunge bestellt sein mag.

„Bei Sonnenschein kann jeder in den Wald gehen“, sagt Katy Walther, Landtagabgeordnete der Grünen, die den Rundgang organisiert hat. Stefan Neubrandt führt besorgniserregende Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre, die deutliche Spuren hinterlassen haben, vor Augen: „Die Hitze 2018 hat unsere Wälder sehr geschwächt. Schon der erste Tornado im Herbst 2018 hat uns vier Hektar Buchenwald geraubt“, erinnert er an das Ereignis, das auch den Kletterwald die Existenz kostete.

Langen: Unwetter hinterließ riesigen Schäden im Wald

Das schwere Unwetter Mitte August hatte noch drastischere Auswirkungen: „Der Schaden war doppelt so groß: acht Hektar Wald sind komplett zerstört“, sagt Neubrandt und deutet auf eine Brachfläche, die nur noch aus einem Urwald umgestürzter Buchen besteht.

Hessen Forst habe viele Flächen schon zu weiten Teilen aufgeräumt – aber die Arbeiter kommen eben kaum hinterher, das Holz aus dem Wald zu räumen. „Hier ist das im Moment noch nicht ganz so dramatisch, die Bäume sind noch mit den Wurzeln verbunden. Ist das nicht der Fall, fault gerade die Buche ganz schnell weg. Aber hier werden wir hier im Winter die Bäume einschlagen“, kündigt Neubrandt an.

Natürlich können die Waldbesitzer – Staat und Kommune – auch die vom Sturm gefällten Bäume noch vermarkten, allerdings nicht ohne wirtschaftliche Einbußen. „Der Preis lebt von Angebot und Nachfrage. Der aktuelle Holzüberfluss schickt die Preise in den Keller“, stellt Forstamtsleiter Piper fest.

Wald in Langen: Fichte hat kaum Überlebenschancen

Derzeit machen die Fachleute sich Gedanken um die Aufforstung. Die Fichte habe bei den aktuellen klimatischen Bedingungen kaum noch Überlebenschancen. Die Stürme Vivien und Wiebke haben in den 90er Jahren schon 95 Prozent der Nadelbäume niedergestreckt – „die letzten fünf Prozent sind nach der Hitze und einem daraus folgenden Pilzbefall tot“, kommentiert Piper. „Ich gebe der Eiche die besten Prognosen – allerdings bedarf ihre Aufzucht einiger Arbeit und langfristiger Pflege.“ 

Revierförster Stefan Neubrandt (rechts) führte die Spaziergänger zu erheblich geschädigten Ecken des Stadtwalds. Die umgestürzte Douglasie im Vordergrund ist einer von vielen stummen Zeugen der Verwüstung. 

Grundsätzlich, sind sich Neubrandt und Piper einig, sei ein Mischwald wünschenswert, um möglichst breit für die Zukunft aufgestellt zu sein. Doch so leicht ist es nicht, den Wald wieder in ganzer Pracht aufzubauen. 

Aufforstung im Wald Langen dringen nötig – aber kompliziert

„Jungbäume sind aktuell in der nötigen Anzahl gar nicht zu bekommen. Außerdem ist die Pflege großer Jungbaumareale zeit- und kostenintensiv“, sagt Piper. Und allein mit dem Setzen sei es nicht getan. „Gerade die Eiche muss gut vor Wild geschützt und immer wieder freigeschnitten werden“, so Piper. Das könne ein Revierleiter alleine gar nicht mehr leisten. Ein dichter Mischwald, mit alten, großen Bäumen sei ohnehin Zukunftsmusik: „Von der Pflanzung bis zur Ernte dauert es rund 160 Jahre“, plaudert Neubrandt aus dem Nähkästchen der auf Jahrzehnte und Jahrhunderte ausgerichteten Waldwirtschaft.

Wald in Langen: Grüne wollen sich engagieren

Frank Diefenbach, grüner Landtagsabgeordneter und Sprecher für Wald und ländlichen Raum seiner Fraktion, betont, dass es politischer Wille sei, die Weichen für eine gesunde Zukunft des hessischen Waldes zu stellen. Er berichtet von einem Zwölf-Punkte-Plan der Grünen für den Wald, den man als Partner in der Regierungsverantwortung zu forcieren gedenke. So sollen aus den Landestöpfen 200 Millionen Euro fließen, um umfangreiche und nachhaltige Aufforstung sowie bessere personelle Ausstattung der Forstämter zu gewährleisten.

Die Renaturierung der Ostgrube am Sehring-Firmengelände interessiert Mitglieder der Pro-Bannwald-Initiative. „Ich kann bestätigen, dass die Firma Sehring sich sehr genau an die getroffenen Vorgaben hält und dass auch regelmäßig kontrolliert wird“, stellt Piper dazu fest.

Von Nicole Jost

In Langen ist die Verwüstung im Stadtwald nach dem verheerenden Sturm noch deutlich zu sehen. Das Forstamt räumte lange Zeit mit Hochdruck auf

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare