Neues Wohnviertel „Römerquartier“

Ärger in Neubaugebiet: Häuslebauer fühlen sich bei Kosten „übers Ohr gehauen“

Riesige Erdhügel kündigen das Römerquartier von Bonava an, das zwischen Hans-Kreiling-Allee und Liebigstraße entsteht. Doch nun bemängeln Eigentümer stark gestiegene Kosten für die Erschließung des Wohngebiets.
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Riesige Erdhügel kündigen das Römerquartier von Bonava an, das zwischen Hans-Kreiling-Allee und Liebigstraße entsteht. Doch nun bemängeln Eigentümer stark gestiegene Kosten für die Erschließung des Wohngebiets.

In Langen sollen hunderte Wohnung und Häuser entstehen. Viele, die an der Liebigstraße bauen wollen, sind nun aber stinksauer auf Projektentwickler Bonova. Denn für die privaten Bauherren wird es teuer.

Langen – An der Hans-Kreiling-Allee wächst das „Römerquartier“ des Projektentwicklers Bonava. Das ist nur der Startschuss zur Entwicklung eines neuen Wohnviertels, das auf dem knapp 18,5 Hektar großen Areal zwischen Hans-Kreiling-Allee und Liebigstraße entsteht. In den kommenden Jahren wird das Unternehmen gemeinsam mit privaten Bauherren eine Siedlung mit hunderten Wohnungen und Häusern, Geschäften, Kitas und einer neuen Grundschule errichten, die Platz für mehr als 3 000 Menschen bietet. Um aus dem Ackerland Bauland zu machen und das Areal mit Kanalisation, Straßenbau und Stromleitungen zu erschließen, gibt es einen Vertrag zwischen Bonava und der Stadt Langen. Doch um die Erschließungskosten gibt es jetzt Ärger. Sie sind von 155 Euro auf 196 Euro gestiegen.

Langen: Preise im Neubaugebiet extrem hoch? Privater Bauherr: „Will mich wehren“

Bonava hat fast zwei Drittel des Areals gekauft, 35 Prozent sind noch in den Händen der Eigentümer, die nach der Umlegung der Grundstücke selbst bauen oder bauen lassen wollen – und jetzt die steigenden Kosten mittragen müssen. Zwei von ihnen sind Matthias Hochenauer und seine Schwester Birgit Fleischhauer. „Jahrelang behauptete das von der Stadt beauftragte Bauunternehmen, es sei mit Erschließungskosten von etwa 155 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. Zuletzt wurde dies bei Überlassung der Kostenerstattungsvereinbarung im Sommer 2018 versichert und blieb bis Ende 2019 unwidersprochen“, schildert Hochenauer die Vorgeschichte.

Schon dieser Preis sei im Vergleich zu anderen Langener Neubaugebieten extrem hoch, zwischen 60 und 100 Euro seien üblich. Jetzt, wo der erste Spatenstich gefeiert wurde, ist klar: Die Erschließung wird noch deutlich teurer. Bonava berechnet 196 Euro pro Quadratmeter – damit haben die Häuslebauer eine Kostensteigerung von 30 Prozent. „Und dabei bleibt es ja nicht, die Stadtwerke kommen mit den Hausanschlüssen noch oben drauf“, ärgert sich Hochenauer. „Ich fühle mich übers Ohr gehauen und will mich gegen solche Geschäftsgebaren wehren“, so der Grundstückseigentümer, der auch weitere Betroffene zur Unterstützung sucht.

Langen: Hauseigentümer halten Vertrag für „rechtlich fragwürdig“

Hochenauer hat den Erschließungsvertrag bislang nicht unterschrieben und bezeichnet die Praxis von Stadt und Bonava, den Umlegungsvertrag mit dem Erschließungsvertrag zu verbinden als „rechtlich fragwürdig“. Seine Schwester hat beide Verträge unterschrieben und damit auch eine Rechnung erhalten. Als Birgit Fleischhauer die sechsstellige Rechnung für die Erschließung ins Haus flattert, widerspricht sie. „Eine Antwort habe ich auf diesen Widerspruch noch nicht bekommen“, sagt die Grundstückseigentümerin, die ein Mehrfamilienhaus bauen möchte.

Bürgermeister Jan Werner sagt auf Anfrage, ihm seien die Hände gebunden: „Ich kann den Unmut der betroffenen Eigentümer gut verstehen. Die Entscheidung, die Erschließung im Wohngebiet Liebigstraße durch einen privaten Investor durchführen zu lassen, wurde bereits – lange vor meinem Amtsantritt am 1. Juli – vor einigen Jahren durch die zu diesem Zeitpunkt politisch Verantwortlichen getroffen. Ich stand dieser Vorgehensweise auch zum damaligen Zeitpunkt kritisch gegenüber. Leider hat die Stadt Langen zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeiten zur Einflussnahme mehr“, teilt er mit.

Langen: Erster Stadtrat betont Wertsteigerung der Grundstücke

Erster Stadtrat Stefan Löbig, der alle Verträge mit unterzeichnet hat, sieht die Vergabe an Bonava weiterhin als die richtige Entscheidung an: „Es ist eine schwierige Erschließung und wir haben es als Stadt so optimal abgewickelt, weil dem städtischen Haushalt keine Kosten entstehen“, betont Löbig. Natürlich sei die Kostensteigerung hoch, aber die Eigentümer haben eine erhebliche Wertsteigerung ihrer Grundstücke: „Wir reden hier von 7,50 Euro für Ackerland auf rund 600 Euro für erschlossenes Bauland“, so der Stadtrat.

Langen: Bonava will für Transparenz in Sachen Neubaugebiet sorgen

Wolfram Achenbach, Regionalleiter der Bonava in Neu-Isenburg, bedauert den aufkommenden Unmut, will aber für Transparenz sorgen: „Wir haben das Verfahren schon vor Jahren eingeleitet, wir nutzen zur Kostenermittlung Erfahrungswerte, die wir dann hochrechen“, erklärt er das Vorgehen. Erst mit den benötigten Gutachten und der Ausschreibung für die Erschließung kann die Rechnung dann tatsächlich summiert werden. Neben den Kostensteigerungen, die aufgrund höheren Baukosten zwischen 2016 und 2020 entstanden sind, fordere ein Gutachten eine zusätzliche Lärmschutzwand entlang der Nordumgehung, die auf dem Lärmschutzwall gebaut werden müsse. Dazu hat die Stadt ihre Satzung dahin gehend geändert, dass Schmutz- und Regenwasser getrennt in der Kanalisation geführt werden müssen – die Folge sind wieder Mehrkosten. Außerdem wurden bei der Räumung des Geländes erhebliche Müllablagerungen entdeckt, deren Entsorgung teuer sei.

„Wir haben die Eigentümer von der Kostensteigerung informiert und jeder der es genauer wissen wollte, hat auch eine explizite Aufstellung bekommen, damit alles nachvollziehbar ist“, sagt Achenbach. Bonava sei selbst durch die Kostensteigerungen betroffen, schließlich sei das Unternehmen zu 65 Prozent im Besitz des künftigen Baulands und zahle die gleichen Gebühren, wie der Regionalleiter erläutert. Achenbach betont, dass er auch weiterhin Eigentümern gerne die Abrechnungen näher erklärt. (Von Nicole Jost)

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