Gegen den Strich denken

Neue Gesprächsreihe mit Regina Heidecke startet

Die freie Journalistin Regina Heidecke moderiert das neue Talk-Format in der Stadthalle. Foto: jost
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Die freie Journalistin Regina Heidecke moderiert das neue Talk-Format in der Stadthalle. Foto: jost

Er hat viel Weltgeschichte, Krieg und Leid, Hoffnung und Enttäuschung miterlebt und die mächtigsten Politiker kennengelernt: der in Langen lebende 76-jährige Palästinenser Abdallah Frangi.

Langen – An der Seite des früheren Vorsitzenden der Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde, Jassir Arafat, als langjähriger Gesandter Palästinas in Deutschland und europapolitischer Berater des amtierenden Präsidenten Mahmut Abbas hat Frangi sein ganzes Leben dem Kampf für die Freiheit und Rechte des palästinensischen Volkes gewidmet. Der ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern steht noch immer im Brennpunkt der Öffentlichkeit – die Auswirkungen sind weltumspannend. Zum Auftakt der neuen Gesprächsreihe „Reginas Gäste“ mit Regina Heidecke am Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr, in der Stadthalle wird Frangi von sich und seiner Sache berichten.

Heidecke ist Journalistin und Filmemacherin. Sie war mehr als ein Jahrzehnt lang verantwortliche Redakteurin der TV-Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat und hat sich vermehrt den Themen Politik, Bildung, kritischer Journalismus, Islam und Naher Osten zugewendet. Seit 2015 arbeitet sie als freie Journalistin.

„Wir möchten uns den glücklichen Umstand, dass Regina Heidecke in Langen wohnt, und zugleich ihre besondere journalistische Haltung zunutze machen, um eine Gesprächsreihe zu etablieren, die anregende, aufregende, kluge Menschen vorstellt“, erläutert Joachim Kolbe vom städtischen Fachdienst Kultur. Er zeichnet für das Projekt verantwortlich, das von dem Langener Nico Gormsen unterstützt wird. Regina Heidecke lasse die Gäste zu den Themen unserer Zeit zu Wort kommen und gebe den Zuhörern so etwas Orientierung in die Informationsflut.

„Wenn ich darüber nachdenke, was mich in den letzten Jahren oder auch nur Monaten und Wochen bewegt hat, dann stelle ich fest, dass die Themen sich eigentlich seit Jahren ähneln“, sagt Heidecke. „Es gibt Konstanten, Fragen, die immer spannend genug sind und oft unbeantwortet bleiben, dass man sie fortwährend neu stellen kann.“ Kolbe und Heidecke geht es um einen breiten intellektuellen Ansatz und um Ideen und Gedanken gegen den Strich, wie sie sagen. Die Themen und Gäste stammen aus den Bereichen Politik, Kunst und Kultur, Journalismus, Philosophie, Religion und Wissenschaft.

Erfahrener Diplomat: Abdallah Frangi (76).

Zum Auftakt wirft Heidecke mit Abdallah Frangi einen Blick hinter die Kulissen des Nahost-Konflikts. Er stammt aus einer einflussreichen Beduinenfamilie und gilt als „Arafats Mann in Deutschland“. Seit bald einem halben Jahrhundert wirbt er um Unterstützung für die palästinensische Sache, immer wieder ist er auf Veranstaltungen und in den Medien präsent und macht sich „mit unarabischer Ruhe und Sachlichkeit“ zum Sprachrohr. Er hält bis heute an der Zweistaatenlösung fest. Er wehrt sich gegen pauschale Terrorvorwürfe gegen sein Volk und wendet sich zugleich gegen den Einsatz von Waffen „egal welcher Art“ – dieser sei durch nichts zu rechtfertigen. Gemeinsam mit dem früheren Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, wurde Frangi für sein Wirken und seine Haltung 2013 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück verliehen, wenig später auch der Nahost-Preis der Deutschen Initiative für den Nahen Osten.

„Wir wollen versuchen zu verstehen, warum Hass, Gewalt und Ausgrenzung keine Mittel sind, Frieden zu schaffen, zu erhalten und auszubauen“, sagt Heidecke über den Auftakt am Sonntag.  jrd

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