Auftaktveranstaltung

Global denken, lokal handeln: Neue Initiative macht sich für zivile Sicherheitspolitik stark

Der Anfang ist gemacht: Die neunjährige Milena hat ihre Gedanken für eine gerechtere Welt niedergeschrieben. Bei der Auftaktveranstaltung der neuen Initiative „Sicherheit neu denken – Für eine zivile Sicherheitspolitik“ informieren unter anderem Gerd Bauz (Martin-Niemöller-Stiftung, links) und Margarete Rölz vom Weltladen (Mitte).
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Der Anfang ist gemacht: Die neunjährige Milena hat ihre Gedanken für eine gerechtere Welt niedergeschrieben. Bei der Auftaktveranstaltung der neuen Initiative „Sicherheit neu denken – Für eine zivile Sicherheitspolitik“ informieren unter anderem Gerd Bauz (Martin-Niemöller-Stiftung, links) und Margarete Rölz vom Weltladen (Mitte).

Auf der Bahnstraße, just vor den Türen einer Bank, steht ein Pavillon des Langener Weltladens. Auf dem Boden liegen Plakate. Nicht die eigenen Angebote sollen diesmal im Mittelpunkt stehen, sondern das weit gefasste Thema „Zivile Sicherheitspolitik“.

Langen – Der faire Handel ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer von allen Menschen getragen Sicherheitspolitik – und da können die Weltläden ihre reichlichen Erfahrungen mit einbringen. Gemeinsam mit anderen Partnern (unter anderem Friedensinitiative Langen, Evangelische Gemeinde, Antifaschistisches Aktionsbündnis, Naturfreunde Egelsbach) wurde deshalb die Initiative „Sicherheit neu denken – Für eine zivile Sicherheitspolitik“ ins Leben gerufen. „Mama, was machen die denn hier?“, will die neunjährige Milena von ihrer Mutter Senait wissen. „Guck mal, die wollen, dass alle Menschen gut miteinander leben können“, versucht die Mutter eine grundlegende Erklärung. Milena informiert sich weiter, nimmt einen Stift und schreibt auf ein großes Blatt: „Die Näherin sollte mehr Geld verdienen, um mehr für die Familie da zu sein.“ Dass ihr schickes Kleidchen dadurch etwas teurer gewesen wäre, nimmt sie gerne in Kauf.

Schon Gedanken allein können viel bewegen: „Mit den Gedanken fängt alles an, das Gute, aber auch das Schlechte, wie man in der Welt sieht. Wir wollen uns mit unserer Initiative für einen Umstieg von militärischer zu ziviler Sicherheitspolitik stark machen“, erklärt Gerd Bauz von der Martin-Niemöller-Stiftung. Anhand von fünf Säulen soll der mögliche Umstieg aufgezeigt und auch möglich gemacht werden.

Langen ist ein gutes Pflaster, was ziviles Engagement für eine gerechtere Welt betrifft – dies ist bei der Auftaktveranstaltung gar wörtlich zu nehmen: Die Besucher des Infostandes können ihre Gedanken zu Papier bringen und diese auf das Pflaster legen. Thema dieser ersten Veranstaltung der Initiative ist „Gerechte Außenbeziehungen“ – als erste Säule. Veranstaltungen zu den weiteren vier Säulen „Nachhaltige EU-Nachbarschaft“, „Internationale Sicherheitsarchitektur“, „Resiliente Demokratie“ und „Konversion der Bundeswehr“ sollen folgen.

„Langen leistet hier wirklich Pionierarbeit“, betont Gerd Bauz und verweist vor allem auf den Weltladen mit seiner engagierten Leiterin Margarete Rölz. Ohne lokale Partner läuft kaum etwas, weiß Bauz und so fand er im Team des Weltladens einen Mitstreiter, der auch voll hinter den Interessen der Initiative „Zivile Sicherheitspolitik“ steht. „Gerade, was die gerechten Außenbeziehungen betrifft, die über eine globale soziale Marktwirtschaft definiert werden, sind die Weltläden beste Botschafter“, betont Bauz, der für die bundesweite Koordination von Veranstaltungen der Martin-Niemöller-Stiftung verantwortlich zeichnet.

Die Initiative zu einer gerechteren Zivilgesellschaft ging von der Evangelischen Landeskirche Baden aus. Der Grundgedanke ist, dass wir in Deutschland pro Jahr rund 80 Milliarden Euro in die zivile Krisenprävention und eine starke UNO als auch OSZE investieren sollten anstatt in weitestgehend wirkungslose Militärinterventionen. Dekan Reinhard Zinke hatte im vergangenen Jahr davon gehört und Gerd Bauz zu einer Synodalversammlung eingeladen. „Ich war überrascht, wie viel hier schon in Sachen Friedenspolitik gemacht wird“, betont Bauz. Für ihn ist es wichtig, dass nicht etwas von oben herab „gepredigt“ wird, sondern aus dem Volk heraus initiiert wird.

„Die Weltläden haben mittlerweile eine Akzeptanz für höhere, weil gerechtere Preise im Rahmen von Erzeuger- und Lieferketten geschaffen“, erklärt Gerd Bauz. Auch in der Politik finde diese Erkenntnis schon ihren Niederschlag, indem über ein Lieferkettengesetz diskutiert wird. „Wenn ein solches Gesetz nicht als Diktat, sondern als notwendig in der Bevölkerung ankommt, dann wird es auch akzeptiert“, betont Bauz. So sollen alle weiteren Säulen der „Zivilen Sicherheitspolitik“ nach und nach „aus dem Volk heraus“ zu Gesetzesinitiativen führen, die schließlich in einer Konversion der Rüstungsindustrie und Abzug aller Atomwaffen münden. „Man muss sich einfach Gedanken darüber machen und diese weiterentwickeln – ein Wille kann schließlich Berge versetzen“, blickt der engagierte Pazifist in eine friedvolle und gerechte Zukunft aller Menschen.

Von Leo F. Postl

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