Die Krise konstruktiv genutzt

Online-Beratung von Jugendlichen hat viele Vorteile

Online-Beratungssituation am Laptop: Die Jugendliche I. D. und ihre JMD-Sozialpädagogin Maria Allmeroth (oben klein im Bild) unterhalten sich über das Programm GoToMeeting über die Ausbildungsplatzsuche. Vorteil der Online-Beratung: Aufgrund ihrer jetzigen Berufstätigkeit in Schichtarbeit konnten die Meetings individuell und flexibel gestaltet werden. Erfolg: Die junge Frau hat eine Zusage für eine Ausbildung in ihrem in ihrem Traumberuf als Pflegefachkraft erhalten und ist überglücklich darüber.
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Online-Beratungssituation am Laptop: Die Jugendliche I. D. und ihre JMD-Sozialpädagogin Maria Allmeroth (oben klein im Bild) unterhalten sich über das Programm GoToMeeting über die Ausbildungsplatzsuche. Vorteil der Online-Beratung: Aufgrund ihrer jetzigen Berufstätigkeit in Schichtarbeit konnten die Meetings individuell und flexibel gestaltet werden. Erfolg: Die junge Frau hat eine Zusage für eine Ausbildung in ihrem in ihrem Traumberuf als Pflegefachkraft erhalten und ist überglücklich darüber.

Corona stellt den Jugendmigrationsdienst in Langen vor eine große Herausforderung. Doch er kommt damit gut zurecht.

Langen –  Arbeiten unter erschwerten Bedingungen: Ist die Tätigkeit des vom IB-Bildungszentrum betriebenen Jugendmigrationsdienstes (JMD) bereits in „normalen“ Zeiten keine einfache, stellt die Pandemie die Mitarbeiterinnen vor besondere Herausforderungen. Doch sie – und auch die betreuten Jugendlichen – kommen damit gut zurecht.

Ist es schon für einheimische Jugendliche nicht immer einfach, den Übergang ins Erwachsenenleben konfliktfrei zu gestalten, ist es für junge Menschen aus einer anderen Kultur oft viel schwieriger. Unzählige Herausforderungen müssen bewältigt werden: ein fremdes Land, eine fremde Sprache, ein unbekanntes Schulsystem, nicht bekannte berufliche Möglichkeiten, kein soziales Umfeld, neue Werte und Normen, unbekannte Unterstützungssysteme und Freizeitangebote und vieles mehr. In dieser Situation unterstützen die Jugendmigrationsdienste. Für den Kreis Offenbach ist der des Internationalen Bundes in Langen zuständig für alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 27 Jahren – unabhängig davon, ob sie zugewandert oder in Deutschland geboren sind. Der JMD Langen fördert dabei vorrangig den individuellen Integrationsprozess der nicht mehr vollschulzeitpflichtigen Neu-Zugewanderten mittels „Case Management“ (auf Deutsch: Fall-Management), das über mehrere Jahre erfolgen kann. So wurden im vergangenen Jahr 421 junge Menschen beraten, davon wurden 369 Jugendliche über einen längeren Integrationsprozess betreut.

Zusätzlich zur Einzelberatung gibt es Seminare zur sprachlichen Förderung und Orientierungshilfen im Bildungs- und Ausbildungssystem, die rege im Bildungszentrum des Internationalen Bundes im Langener Neurott genutzt werden, außerdem Bewerbungstraining, in dem individuell und gezielt nach Praktika, Ausbildungs- und Studienplätzen gesucht wird.

Hanneliese Einloft-Achenbach, Leiterin des IB-Bildungszentrums Langen: „Die Corona-Pandemie mit ihren Auflagen der Kontaktbeschränkungen forderte auch uns zu einer Auseinandersetzung mit der Frage heraus, ob es möglich ist, auf technikbasierte Beratungsformen auszuweichen, um laufende Coaching-Prozesse nicht unterbrechen oder ganz abbrechen zu müssen. Inzwischen können wir berichten, dass dies durchweg gelungen ist. Die Beratungsarbeit konnte nahezu durchgängig fortgeführt werden.“

Entgegen anfänglicher Befürchtungen könne festgestellt werden, dass die Klienten die Online-Beratung gut annehmen, so Einloft-Achenbach. „Trotz räumlicher Distanz besteht sogar eine Intensivierung des individuellen Kontaktes. So sparen beispielsweise Jugendliche, die im Ostkreis wohnen, Zeit und Geld für die Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Das Team des Jugendmigrationsdienstes: Maria Allmeroth, Hanneliese Einloft-Achenbach, Astrid Fischer, Laura Astuto und Antje Gross (von links). 

Da nicht alle Jugendlichen die entsprechende technische Ausstattung besitzen, wird, wenn kein Laptop oder PC zur Verfügung steht, meist auf Online-Beratung per Smartphone zurückgegriffen. Dies funktioniere ebenfalls erstaunlich gut. Es konnten beispielsweise gemeinsam mit den Jugendlichen Formulare wie BAföG-Anträge, SGB-II-Anträge, Elterngeld, Kindergeld oder Sonstiges online bearbeitet werden“, so die Leiterin des Bildungszentrums.

Auch Fragen rund um das Thema Bewerbung ließen sich aus dem Homeoffice der Mitarbeiterinnen heraus bearbeiten. Ein zentraler Aspekt war dabei zunächst, dass viele Jugendliche, die regelmäßig ins Bildungszentrum zum Bewerbungstraining kommen, keine Textverarbeitungsprogramme auf ihren Smartphones installiert haben und ihre Bewerbungen nicht selbstständig bearbeiten konnten. „Da unterstützten wir, indem wir Wege zeigten, Programme wie Open Office zu installieren“, so Einloft-Achenbach.

Viele Bewerbungsgespräche wurden mittels Online-Beratung trainiert, da viele Firmen diese zurzeit ebenfalls online oder telefonisch durchführen. Präsenzberatungen nach Terminvergabe für einzelne Jugendliche, die nicht über die technischen Möglichkeiten zu Hause verfügen, habe es jedoch auch gegeben, unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzvorgaben, berichtet die Leiterin der Bildungszentrums.

Vorrangige Themen seien derzeit: berufliche Orientierung, Weiterführung des Bewerbungsprozesses, Koordination und Antragsstellungen sowie Vermittlung bei Verständigungsschwierigkeiten mit Ämtern und Behörden, Begleitung der Anerkennungsprozesse im schulischen und beruflichen Bereich, Verdeutlichung der Notwendigkeit der aktuellen Hygienemaßnahmen sowie emotionale und psychische Stabilisierung.

Aktuell bilden sich die Mitarbeiterinnen des JMD Langen zudem zu Online-Beraterinnen fort. Dadurch erweitere sich das Angebot für die jungen Menschen um die Möglichkeit der sicheren Webmail-Beratung, bei Bedarf auch anonym. „Aufgrund der positiven Erfahrungen werden wir die Kombination von Präsenz- und Online-Beratung auch nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen aufrechterhalten“, erklärt Einloft-Achenbach.

Das bisherige Fazit von Einloft-Achenbach fällt positiv aus: „Aus der aktuellen Situation heraus konnten wir neue Wege gehen, Zugänge zu unseren Klienten aufrechterhalten sowie alternative Kommunikationsstrukturen und digitale Formate testen, um die bisherige Beratungs- und Unterstützungsarbeit und die Gruppenangebote wie Sprachförderung und Bewerbungstraining weiterhin umsetzen zu können. Auch wenn nicht alle Jugendlichen die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen haben, konnte doch für die meisten die internetbasierte Kommunikation auch einen Ausgleich bieten und damit noch ihre fachlich-methodischen Kompetenzen erweitern. Bei allen angewandten neuen digitalen Kommunikationsformen haben unsere Jugendlichen ein hohes Maß an Mut zum Ausprobieren, an learning by doing und Flexibilität bewiesen. Selbst neu aufgenommene junge Menschen in der Coronazeit hatten keine Scheu davor und haben unsere neue Beratungsform sofort angenommen.“  ble

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