Konflikten in Verkehrsmitteln

Wenn’s im Bus brenzlig wird

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Training in Körpersprache, Gesprächsführung und Rollenspiele gehörten zur Ausbildung: Nun sind 18 Jugendliche der Dreieichschule offiziell Bus- und Bahnbegleiter. Björn Ritz, Jugendkoordinator der Polizei (links), Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (Mitte) und Nicole Ott, stellvertretende Schulleiterin (rechts), gratulierten.

Langen - Provozierende Sprüche, Belästigungen oder sogar Handgreiflichkeiten – in Bus und Bahn kann es schon mal zu brenzligen Situationen kommen. Wie sie Konflikte im (Schul)Bus sicher schlichten können, haben nun 18 Dreieichschüler gelernt.

Wo Menschen auf engstem Raum zusammen sind, kann es schon mal Ärger geben – so auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie sie damit umgehen, wenn im Bus oder der Bahn geschubst und gedrängelt wird, haben 18 Jugendliche der Dreieichschule in den vergangenen Tagen während einer Projektwoche des Gymnasiums gelernt.

Fachleute brachten den Schülern bei, wie sie einen Streit schlichten und sich in schwierigen Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln richtig verhalten können. So lehrte der Jugendkoordinator der Polizei, Björn Ritz, die Teenager unter anderem, wie sie aus Stressmomenten die Spannung nehmen können und riet ihnen zum Beispiel dazu, sich für die Streitschlichtung Verbündete zu suchen.

Auf dem Stundenplan standen außerdem die Themen Wirkung der Körpersprache sowie wertschätzende und vermittelnde Gesprächsführung. Zusätzlich konnten die Jugendlichen mit einem Busfahrer sprechen und so auch dessen Perspektive kennenlernen. Mit alledem sind sie nun zu sogenannten Bus- und Bahnbegleitern geschult.

„Bei der Ausbildung steht aber nicht nur die Theorie auf dem Stundenplan. Um möglichst nah an der Praxis zu sein, haben die Schüler auch alltägliche Szenen in Rollenspielen nachgestellt“, beschreibt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Ausbildung. Das Verhalten und die Reaktionen darauf wurden danach in einer „Manöverkritik“ in der Gruppe besprochen.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Nach der Kurswoche können sich die Gymnasiasten nun in öffentlichen Verkehrsmitteln sicher fühlen – selbst wenn es im Gedränge mal zu Streit kommen oder Handgreiflichkeiten geben sollte. „Mit ihren neuen Erkenntnissen und Erfahrungen im Gepäck sind die Jugendlichen auf mögliche Stressmomente oder Konflikte, die im Bus oder in der Bahn immer mal entstehen, bestens vorbereitet“, betont Jäger. Das haben die Dreieichschüler nun auch schriftlich, denn Schulleiterin Heidi Höreth-Müller und ihre Stellvertreterin Nicole Ott übergaben ihnen gemeinsam mit Jäger, Ritz und Vertretern der Stadt die entsprechenden Urkunden.

Die Ausbildung für Jugendliche zu Bus- und Bahnbegleitern haben die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG) und das Polizeipräsidium Südosthessen 2006 gemeinsam initiiert. Bis dato haben sich rund 800 Mädchen und Jungen beteiligt. „Das große Interesse der Schulen trägt dazu bei, dass in Bussen und Bahnen weniger passiert und das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste verbessert wird“, betont Jäger. Ein Ziel des Kurses innerhalb der Projektwoche sei es gewesen, den jungen Leuten mehr Selbstbewusstsein, Zivilcourage und Motivation zur Hilfeleistung zu geben. Zudem haben die Teilnehmer ihre soziale Kompetenz verbessert, und erfahren, wie sie sich beim Streitschlichten selbst schützen können – aber auch wo ihre Grenzen liegen „Ich bin mir sicher, dass die Schüler die Fahrt mit Bus und Bahn jetzt mit anderen Augen sehen und aufmerksamer unterwegs sind. Somit bringt die Ausbildung allen Fahrgästen etwas“, schließt Jäger. (jrd)

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