In der Erfolgsspur

Populär bei Ambitionierten und Freizeitathleten

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Intensive Nachwuchsarbeit: Zahlreiche Jugendliche (hier eine Gruppe von Trainer Stefan Georgiev) sollen dem Kraftsportverein eine erfolgreiche Zukunft bescheren.

In der Halle in der Zimmerstraße 1 werden weder angesagte Trendsportarten trainiert noch Disziplinen, die gemeinhin als besonders populär angesehen werden.

Langen – Es riecht nach Schweiß. Ab und zu knallt ein lauter Schlag durch die Halle, wenn einer der Gewichtheber die mit reichlich Metallscheiben bestückte Langhantel, die er zuvor unter Aufwendung all seiner Kräfte nach oben gestemmt hat, auf den Boden fallen lässt. Im vorderen Bereich des Kraftsportzentrums trainieren derweil Freizeitsportler an Fitnessgeräten. Oder sie schwitzen in einem kleinen Nebenraum auf Laufband, Crosstrainer, Stepper oder Fahrrad. Egal, ob ambitionierter Sportler mit Titelträumen oder Bürohengst mit Rückenproblemen, der seine Muskeln aufbauen möchte – beim KSV finden alle das für sie Richtige.

Trotz immer vielfältig werdender Freizeitmöglichkeiten kann sich der KSV über eine seit zehn Jahren annähernd gleichbleibende Mitgliederzahl freuen. 870 Sportler bilanziert die Statistik, darunter etwa 35 Prozent Mädchen und Frauen. „Den rund 250 Mitgliedern über 60 Jahren stehen erfreulicherweise etwa 190 gegenüber, die jünger als 18 Jahre sind“, weiß Schatzmeister Frank Thater. Der älteste Sportler ist 92 Jahre alt; der jüngste elf. Und: Ein Mitglied ist schon mehr als 43 Jahre im KSV.

Die erfreulich hohe Zahl an Jugendlichen im Kraftsportverein resultiert aus einer intensiven Jugendarbeit, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. Die Trainer Ronald Czerwenka und Stefan Georgiev kümmern sich intensiv um den Nachwuchs. „Wir haben auch Schul-AGs, die hier trainieren“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende Erik Voigt. So kommen Schüler der Adolf-Reichwein- und der Ludwig-Erk-Schule ins Kraftsportzentrum.

Dass der KSV nach 60 Jahren auf eine derartige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, war nicht unbedingt absehbar. Denn die Anfangsjahre waren schwierig.

Als Gründungsdatum steht der 16. Februar 1959 in den Vereinsannalen – unter den 22 Initiatoren war der inzwischen verstorbene Otto Schumann, späterer Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber und Ehrenvorsitzender des Hessischen Athletenverbandes. Für den Vereinsnamen gab es verschiedene Vorschläge, beispielsweise Athletensportklub. Doch letztlich entschieden sich die Gründer für Kraftsportverein – einen solchen hatte es in Langen bereits bis zum Verbot durch die Nazis 1933 gegeben.

Neben den Gewichthebern gehörten in den Anfangsjahren auch Ringer, Leichtathleten und Rasenkraftsportler (Gewichtwerfen, Steinstoßen) zum KSV. Mangels Masse wurden die letzteren beiden Abteilungen Mitte der 1960er Jahre aufgelöst – und dieses Schicksal drohte dann auch dem Gesamtverein: Die Zahl der Mitglieder war auf unter 20 gesunken. Doch die Alternative – Anschluss an den Sprendlinger Klub – war für einen Langener Verein undenkbar. Einer, der sich entschieden dagegen wehrte, war Horst Bönig, später gut 40 Jahre KSV-Vorsitzender.

Eines der Probleme der Anfangszeit: das Fehlen einer geeigneten Trainingsstätte. In den Sälen der Gaststätten Haferkasten und Lämmchen wurden Gewichte gehoben, irgendwann durfte an einem Abend in der Woche die Halle genutzt werden, die heute Teil des Kraftsportzentrums ist, damals aber noch von den Schulen belegt war.

Und dennoch: 1978 richtete der KSV in der Stadthalle die Deutschen Gewichtheber-Meisterschaften aus. 2 000 Besucher kamen – es war das bis dahin größte sportliche Ereignis in Langen. Ab 1979 durfte der Verein die Trainingshalle alleine nutzen. Mit Unterstützung der Stadt wurde sie zum heutigen Kraftsportzentrum ausgebaut (und später noch zweimal erweitert).

Die deutlich besseren Trainingsbedingungen lockten Spitzenathleten an: So zum Beispiel Karl-Heinz Radschinsky, der 1984 in Los Angeles Olympiasieger im Gewichtheben wurde. Ein Jahr später folgte der bislang größte Erfolg in der Vereinsgeschichte: Der KSV wurde – mit neuem deutschen Rekord – Deutscher Mannschaftsmeister im Gewichtheben. Seither bringt der Verein immer wieder nationale und internationale Titelträger hervor.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem die Masters, also Gewichtheber in den Altersklassen nach ihrer aktiven Wettkampfzeit, die für Titel auf nationaler und internationaler Bühne gesorgt haben. Und dazu gehören auch etliche Frauen.

Um mit den veränderten Freizeitaktivitäten Schritt zu halten, hat auch der KSV seine Angebote erweitert. So kamen zum Gewichtheben das Armwrestling und der Kraft-Drei-Kampf (KDK) hinzu. Im Armwrestling konnte der Kraftsportverein mit Udo Krause 2016 einen Weltmeister stellen. Auch in der nicht olympischen Sportart Kraft-Drei-Kampf wurden viele nationale und internationale Titel erkämpft. Herausragendes Beispiel dafür ist die derzeitige KDK-Sportwartin Anita Thimm, erst kürzlich wieder zur Europameisterin gekürt.

Im Jubiläumsjahr 2019 hat sich ein nahezu vollständiger Wechsel im Vorstand des KSV vollzogen. Das neue Team hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, mit Unterstützung der Mitglieder neuen Schwung in das Vereinsleben zu bringen. „Unser Ziel ist es, durch eine gezielte Förderung des Gewichthebens und des Kraft-Drei-Kampfes diese Bereiche wieder zu alter Blüte zu führen“, erklärten Vorsitzender Achim Stöffler, sein Stellvertreter Erik Voigt und Schatzmeister Frank Thater.

VON MARKUS SCHAIBLE

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