Prozess am Amtsgericht

Messer und fliegende Pflastersteine: Streit am Langener Waldsee eskaliert

Mit einem Pflasterstein soll der Angeklagte auf einen anderen Mann losgegangen. Deshalb musste er sich vor dem Langener Amtsgericht verantworten. (Symbolbild)
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Mit einem Pflasterstein soll der Angeklagte auf einen anderen Mann losgegangen sein. Deshalb musste er sich vor dem Langener Amtsgericht verantworten. (Symbolbild)

Vor dem Amtsgericht wird ein eskalierter Streit am Langener Waldsee aufgerollt. Weil ein wichtiger Zeuge fehlt, muss die Verhandlung vertagt werden.

Langen – Ein Missverständnis im Straßenverkehr führt am 25. August 2019 am Rande der B 44 zu einer gefährlichen Schlägerei, bei der auch ein Messer und fliegende Pflastersteine im Spiel sind. Der Vorfall vor rund eineinhalb Jahren landet jetzt vor dem Langener Amtsgericht. Der 31-jährige Angeklagte aus Dreieich muss sich wegen körperlicher Misshandlung mit gefährlichem Werkzeug, Sachbeschädigung und Bedrohung verantworten. Nach den Aussagen des Angeklagten und von insgesamt fünf Zeugen vertagt Richterin Natalie Herbert die Verhandlung auf Mitte Februar. Ein wichtiger Zeuge, den die Verteidigung des Angeklagten unbedingt zu Wort kommen lassen möchte, ist wegen Krankheit nicht vor Gericht erschienen.

Aber was ist genau an diesem frühen Sommerabend im August 2019 geschehen? Der 31 Jahre alte Sprendlinger will nach einem Badetag am Langener Waldsee aus seiner Parklücke nahe der Bundesstraße rückwärts ausparken. Ein Wertpapierhändler aus Frankfurt (33) steht gemeinsam mit seiner 29 Jahre alten Lebensgefährtin mit zwei Motorrädern neben dem parkenden Renault des Angeklagten und wartet darauf, auf die Bundesstraße fahren zu können. Der Motorradfahrer erklärt im Zeugenstand seine Sorge, der Autofahrer könne das Motorrad seiner Freundin übersehen. Er ruft dem Mann im Auto mehrfach „Vorsicht!“ durch das geöffnete Fenster zu. Schließlich hupen beide Motorradfahrer, um auf sich aufmerksam zu machen.

Langen: Streit am Waldsee eskaliert – Angeklagter hatte ein Klappmesser im Auto

Ab diesem Punkt wird es unübersichtlich: Der Motorradfahrer nimmt beim anschließenden Wortgefecht wahr, dass der Angeklagte in seinem Fußraum zu einem Klappmesser fasst. Um zu verhindern, dass der Mann aus dem Pkw aussteigt, hält er die Fahrertür zu. Der Angeklagte habe wild mit dem geschlossenen Messer gefuchtelt, erzählt er. Um vor dem tobenden Mann in Deckung zu gehen, weicht der Frankfurter zurück, was der Autofahrer nutzt, um einen Fuß aus dem Auto zu bekommen. Der Motorradfahrer drückt wieder gegen die Tür, quetscht dabei das Bein des Angeklagten ein. Es gelingt diesem trotzdem, aus dem Auto auszusteigen.

Es entsteht ein Gerangel, die beiden Männer entfernen sich für wenige Meter voneinander und der Autofahrer wirft mehrfach einen dicken Pflasterstein, den er immer wieder vom Boden aufhebt, auf den Motorradfahrer. Er trifft ihn dabei am Rücken und am Oberschenkel. Ein Steinwurf fliegt knapp an seinem Kopf, der während des gesamten Handgemenges vom Motorradhelm geschützt ist, vorbei. Während der Angeklagte aussagt, der Motorradfahrer habe ihn schon durch das geöffnete Fenster ins Gesicht geschlagen, bestreitet dieser den Angriff und betont, dass er immer wieder versucht habe, deeskalierend auf den Angeklagten einzuwirken.

Prozess in Langen: Motorradfahrer aus Frankfurt: „Der Angeklagte ist völlig ausgeflippt“

Als es für den Frankfurter dann so aussieht, als wolle der Angeklagte das Messer, dass er immer noch in den Händen hält, öffnen, stürzt er sich auf ihn, wirft ihn zu Boden und nimmt ihn in den Schwitzkasten. Der Angeklagte wehrt sich, ringt um das Messer. Der Zeuge schlägt ihm mit der Faust aufs Kinn. Ein inzwischen hinzugekommener Lkw-Fahrer, der vor Gericht als Zeuge fehlte, hilft ihm schließlich, den Mann mit dem Messer zu überwältigen. Die junge Frau nimmt das Messer an sich. „Nachdem der Mann wie verrückt um Hilfe schrie, und ich auf ihm kniete, begann das Ganze für mich komisch auszusehen“, sagt der Wertpapierhändler vor Gericht aus. Er lässt den Autofahrer wieder aufstehen. Dieser rennt zu dem Motorrad, schüttelt an der Maschine, bis sie umfällt und ein Sachschaden von fast 5 000 Euro entsteht. Als sich der Angeklagte beruhigt, habe er dem Motorradfahrer noch leise gesagt, er werde ihn später umbringen. Die eintreffende Polizei bereitet dem Streit ein Ende.

Die Richterin hört sich die Geschichte von dem Angeklagten und den Zeugen im Detail an. Sie befragt den Motorradfahrer, wie er sein eigenes Verhalten einschätzt, ob bei ihm selbst vielleicht eine Sicherung durchgebrannt sei? „Ich war ganz ruhig, der Angeklagte ist völlig ausgeflippt. Die Situation war für mich völlig verrückt und irreal. Ich hatte vor allem Angst vor dem Messer“, sagt der Mann aus. Auch die Lebensgefährtin bestätigt, dass der 33-Jährige immer wieder versucht habe, Ruhe in die Eskalation zu bringen.

Wichtige Zeugen fehlen vor Langener Amtsgericht

Der Angeklagte sieht sich indes als Opfer der Auseinandersetzung. Er fühle sich diskriminiert, erklärt er sein Verhalten. Er trägt eine offene Wunde am Bein, eine blutende Lippe und Schürfwunden am Hals von der Rangelei davon. Auch der Motorradfahrer ist verletzt, hat Prellungen und Hämatome am Rücken, dem Oberschenkel und in der Rippengegend von den Steinwürfen. Der Autofahrer beteuert auf der Anklagebank, sein Messer sei die ganze Zeit geschlossen gewesen, was auch die beiden Motorradfahrer bestätigen. Die fliegenden Steine gibt er ebenso zu wie die Morddrohung ausgesprochen zu haben: „Das war dumm von mir“, so der Angeklagte.

Der Staatsanwalt erklärt im Gerichtssaal, dass für ihn der Zeuge sehr überzeugend wirke, wohingegen der Angeklagte widersprüchliche Aussagen mache. Für den Verteidiger des Angeklagten ist indes die Aussage der Zeugen – Polizisten und der Lkw-Fahrer – noch von Bedeutung. Sie werden am zweiten Verhandlungstag Mitte Februar in den Zeugenstand treten. (Von Nicole Jost)

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